Mondschatten statt Sonnenbad: Spanien lockt 2026 mit einem besonderen Erlebnis – in Deutschland müssen wir darauf noch 56 Jahre warten

Gründe für Urlaub gibt es viele, doch Spanien bietet im kommenden Jahr etwas für Europa Einzigartiges. Es geht auch um Sonne − nur anders als ihr vielleicht denkt.

Spanien bietet sich im Hochsommer 2026 nicht nur zum Sonnenbaden an, sondern auch, wenn ihr erleben wollt, wie sie für kurze Zeit verschwindet.
(Bildquelle: Unsplash, Pramod Tiwari und Max Harlynking) Spanien bietet sich im Hochsommer 2026 nicht nur zum Sonnenbaden an, sondern auch, wenn ihr erleben wollt, wie sie für kurze Zeit verschwindet. (Bildquelle: Unsplash, Pramod Tiwari und Max Harlynking)

Fans von Wissenschaft und Astronomie aufgepasst: 2026 ist das Jahr für eine Reise nach Spanien – beinahe egal wohin.

Wenn für gewöhnlich Jahr für Jahr zehntausende Deutsche gen Südwesten an den Atlantik und ans Mittelmeer strömen, um Sonne zu tanken, dreht sich im August 2026 stattdessen alles um einen ganz besonderen Schatten.


Spanien erlebte Ende April einen teilweisen Blackout seines Stromnetzes, bei dem Millionen von Menschen betroffen waren. Doch letztendlich bedeutet das vor allem eines: Europa ist auf dem richtigen Weg.

Video starten 2:17 Das sind unsere Botschafter für die Ewigkeit jenseits des Sonnensystems - mit an Bord Clyde Tombaugh

Mondschatten statt Sonnenbrand

Am Abend des 12. August 2026 zieht ein einzigartiger Schatten über die iberische Halbinsel hinweg. Es kommt zu einer totalen Sonnenfinsternis, bei der der sogenannte Kernschatten des sich zwischen Erde und Sonne geschobenen Mondes auf rund zwei Drittel des spanischen Festlandes sowie die Balearen fällt. Gegen 20.30 Uhr wird der Schatten dann weiter über das Mittelmeer gen Nordafrika ziehen.

Für einen feststehenden Beobachter an einem Ort wird die Phase maximaler Abdunklung je nach Standort etwa 2 bis fünf Minuten betragen.

Achtung Augenschutz! Tragt beim Blick hoch zur Sonne eine entsprechende Schutzbrille. Wer mit bloßen Augen, selbst mit Sonnenbrille in die Sonne schaut, riskiert dauerhafte Schäden. Vermeidet auf jeden Fall auch einen ungeschützten Blick durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Sie fokussieren das Licht zusätzlich. Haltet solche Geräte auch von Kindern fern, da hier erhöhtes Risiko besteht, dass sie ohne Schutz hindurchblicken (via Bundesamt für Strahlenschutz).

Auch in Deutschland wird die Sonne in den Abendstunden anders aussehen, aber uns streift nur der Randschatten, es entsteht eine partielle Sonnenfinsternis. Eine interaktive Simulation bei Klett verdeutlicht euch, wie das schematisch einmal aus dem Orbit und dann vom Erdboden aus betrachtet aussieht.

Nächste Chance: Afrika

Wer das Ereignis in Spanien verpasst, muss für die nächste Chance etwas weiter reisen, nämlich zum 2. August 2027 nach Nordafrika. Bis es zumindest für Menschen in Süddeutschland die Gelegenheit gibt, eine heimische, totale Sonnenfinsternis zu bestaunen, wird es noch 56 Jahre dauern, bis zum 3. September 2081. Das letzte Mal kam es bei uns am 11. August 1999 zu einer totalen Verfinsterung der Sonne.

Eine Sonnenfinsternis, kurz vor ihrem Höhepunkt. Der sogenannte Diamantring bildet sich, da noch etwas Licht an den Seiten hervorbricht.
(Bildquelle: Unsplash, Justin Dickey) Eine Sonnenfinsternis, kurz vor ihrem Höhepunkt. Der sogenannte Diamantring bildet sich, da noch etwas Licht an den Seiten hervorbricht. (Bildquelle: Unsplash, Justin Dickey)

Verfinsterungen der Sonne stellen eine Uhrwerksgenaue, kosmische Regelmäßigkeit dar. Sie sind perfekt berechenbar, da wir alle Kräfte kennen, die auf die Himmelskörper wirken.

Die Sonne ist sowohl 400-mal größer als der Mond, als auch etwa 400-mal weiter entfernt. So erscheinen uns beide gleich groß. Wäre der Durchmesser eines der beiden Himmelskörper nur etwas anders oder dehnten sich die Entfernungen zwischen ihnen nur minimal mehr aus, würden wir niemals eine totale Sonnenfinsternis erleben.

Warum kommt es so selten zu einer totalen Sonnenfinsternis?

Die Seltenheit einer totalen Sonnenfinsternis erklärt sich aus der Bahn des Mondes; sie ist leicht gekippt. Wäre das nicht der Fall, brächte jeder Neumond eine Verdunklung der Sonne mit sich. Wir sprechen von einer Umlaufbahn abseits der Ekliptik, er wandert meistens unter oder über der Erdbahn. Deshalb verfehlt uns der Schatten des Mondes meistens.

Maximal fünfmal im Jahr erreicht der Mond den Punkt zwischen Erde und Sonne zum richtigen Zeitpunkt. Es kommt aber meistens maximal einmal pro Jahr zu einer totalen Sonnenfinsternis.

Genießt den Blick in die verdunkelte Sonne, aber tragt immer eine Schutzbrille, wie auch hier ein Sportmaskottchen und der NASA-Astronaut Stephen Bowen.
(Bildquelle: NASAGRCSara Lowthian-Hanna) Genießt den Blick in die verdunkelte Sonne, aber tragt immer eine Schutzbrille, wie auch hier ein Sportmaskottchen und der NASA-Astronaut Stephen Bowen. (Bildquelle: NASA/GRC/Sara Lowthian-Hanna)

Häufiger sind unvollkommene Abdeckungen, sogenannte ringförmige Verfinsterungen. Dabei bleibt getreu dem Namen ein unterschiedlich schmaler Ring der Sonne um den Mond sichtbar. Der Grund: Der Orbit des Mondes ist nicht perfekt rund, sondern elliptisch. Der Abstand schwankt um wenige 10.000 Kilometer (zwischen 363.300 und 405.500 Kilometer).

Im 21. Jahrhundert kommt es zu insgesamt 68 totalen Sonnenfinsternissen (via Astronomie).

Ende der totalen Sonnenfinsternisse absehbar

Allerdings endet die Milliarden Jahre währende Ära der totalen Sonnenfinsternisse. In spätestens 1,4 Milliarden Jahren kann der Mond die Sonne aus unserer Sicht nicht mehr vollständig abdecken. Denn der Mond entfernt sich jährlich um einige Zentimeter von uns.

Der Grund liegt darin, dass die durch die Interaktion von Erde und Mond ausgelösten Gezeiten die Rotation der Erde abbremsen. Die Tage werden länger, allerdings nur um wenige Millisekunden pro Jahrhundert.

Seht ihr den dunklen Fleck inmitten der Wolken über Nordamerika? Das ist der Schatten des Mondes während der Sonnenfinsternis im August 2017.
(Bildquelle: NASA, Kathryn Mersmann, Joycelyn Thomson Jones, Clare Skelly) Seht ihr den dunklen Fleck inmitten der Wolken über Nordamerika? Das ist der Schatten des Mondes während der Sonnenfinsternis im August 2017. (Bildquelle: NASA, Kathryn Mersmann, Joycelyn Thomson Jones, Clare Skelly)

Unser Drehimpuls überträgt sich dabei aber auf die Umlaufbahn des Mondes, er beschleunigt und als Konsequenz daraus dehnt sich sein Orbit aus. Er selbst kann nicht schneller um die eigene Achse rotieren, da er sich in einer sogenannten gebundenen Rotation zur Erde befindet. Der Mond wendet uns immer dieselbe Seite zu.

Das ist bei Beziehungen zwischen Himmelskörpern mit derart hohem Massenunterschied wie Erde/Mond die Regel – allerdings nimmt der Mond im Sonnensystem eine Sonderstellung ein. Er ist enorm groß und massereich. Deshalb ist er auch als einziger Begleiter eines Planeten in der Lage, ihn durch Gezeitenkräfte zu verlangsamen und so Drehimpuls zu klauen (via Wissenschaft).

Blick zurück in die Dunkelheit

Machen wir einen kleinen Ausflug, denn wir können bei Sonnenfinsternissen nicht nur vorausblicken, sondern natürlich auch zurück – und das ganz ohne Tagebücher oder Aufzeichnungen von Menschen. Unser Werkzeug: Der eclipse.gsfc-Katalog der NASA.

Zum Beispiel: Diese Personen hätten zu ihren Lebzeiten eine totale Sonnenfinsternis mit eigenen Augen sehen können (ausgegangen vom Wohnort)?

  • Gaius Iulius Caesar, Feldherr, römischer Herrscher: als 28-Jähriger am 8. Mai 72 vor Christus
  • Aristoteles, griechischer Universalgelehrter: als 29-Jähriger am 28. Mai 355 vor Christus
  • Isaac Newton, englischer Physiker und Entdecker der klassischen Mechanik. Sie dient bis heute dazu, die Bewegung der Himmelskörper vorherzusagen: am 8. April 1652 als Kind, am 10. April 1679 als Erwachsener und dann erneut rund 10 Jahre vor seinem Tod am 3. Mai 1715.
  • Marie Curie, erste Person, der zwei Nobelpreise verliehen worden: Chemie und Physik für ihre gemeinsam mit ihrem Ehemann unternommene Forschung zu Radioaktivität: als junge Frau am 19. August 1887 in Osteuropa, wo sie aufwuchs, ehe sie nach Frankreich zog. Am 30. August 1905 bot sich ihr theoretisch in Spanien eine Chance.

Jetzt seid ihr dran! Nehmt doch selbst einmal eine historische Persönlichkeit und schreibt in die Kommentare, wann sie wahrscheinlich eine gute Chance hatte, eine totale Sonnenfinsternis zu erleben – oder ob sie vielleicht selbst davon berichtet hat. Und habt ihr persönlich schonmal eine vor Ort beobachtet? War es die im Sommer 1999?

zu den Kommentaren (3)

Kommentare(3)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.