In den letzten Wochen und Monaten wird der Aufschrei um KI-Systeme, die eine Gefahr für die Menschheit darstellen könnten, lauter, als er vorher ohnehin schon war.
Zu den Gründen zählte unter anderem das unbefugte Eindringen bisher unveröffentlichter KI-Modelle von OpenAI und Anthropic in andere Systeme, wie etwa Hugging Face.
Darauf folgten Warnungen aus den Forschungslaboren der großen US-KI-Unternehmen. Einige Forscher, darunter Jacob Coxon (ehemals Anthropic), behaupteten, dass große Tech-Unternehmen verantwortungslos mit KIs umgehen würden und die Menschheit gefährden könnten.
Wir haben euch den gesamten Verlauf der KI-Sicherheitsdiskussion und deren Folgen zusammengefasst, sodass ihr euch nicht alles einzeln zusammensuchen müsst:
Durch diese Diskussionen entstand bei vielen Privatpersonen eine Angst vor KI. Das ist verständlich und menschlich.
Wir haben die Absicht, euch diese Angst zu nehmen, ohne die tatsächlichen Gefahren herunterzuspielen, denn ein gesunder Respekt vor KI-Systemen ist angebracht. Doch pure Angst spielt genau dem System in die Hände, das die Angst überhaupt verursacht.
Deshalb möchten wir euch aufzeigen, wie Großkonzerne von eurer Angst profitieren und wie gefährlich KI momentan wirklich ist – zumindest so weit, wie wir das aktuell beurteilen können.
Was eure Angst vor KI lohnenswert macht
Aufmerksamkeit von aktuellen Themen ablenken: Wer über hypothetische Weltuntergangsszenarien diskutiert, schaut nicht auf die Gefahren, die schon jetzt real sind. Diese Probleme werden von der Debatte um die »Auslöschung der Menschheit« überlagert und dadurch unter den Tisch gekehrt.
Zum Beispiel sind weltweit mehrere Urheberrechtsverfahren gegen große KI-Unternehmen im Gange, die sich mit den massiven Daten- und Kunstdiebstählen beschäftigen, die nötig waren, um generative KI an den Punkt zu bringen, wo sie gerade steht.
Echte Kunstschaffende leiden also jetzt schon unter KI. Ein zukünftiges Horrorszenario eines Weltuntergangs durch KI könnte das Augenmerk von realen und aktuellen Problemen also auf ein hypothetisches lenken, das vielleicht nie eintritt.
Weitere aktuelle Probleme, die auf KI-Unternehmen zurückzuführen sind, gibt es zuhauf:
- Arbeitsplatzabbau
- KI-Betrug und Deepfakes
- Autonome Waffensysteme
- Energie- und Wasserverbrauch
- Machtkonzentration bei wenigen Unternehmen – vor allem in den USA und China
Wie es ist, wenn von einem KI-Account Deepfakes von jemandem erstellt werden musste Vera schon am eigenen Leib erfahren:
17:27
Gefährliche KI-Trends: Was tun, wenn eure Stimme im Netz geklaut wird?
Das Verkaufsargument: Eine KI, die so mächtig ist, dass sie theoretisch eine Gefahr für die Menschheit darstellen könnte, klingt für Kunden und Investoren eventuell beeindruckend.
Die Botschaft dahinter lautet: »Wir haben die beste – und gefährlichste – KI.« Wer so über sein Produkt spricht, muss kaum noch erklären, warum es besser ist als das der Konkurrenz.
Auch Aisha Down, globale Reporterin für Technologie beim Guardian, argumentiert beispielsweise, dass westliche KI-Unternehmen ihre KIs gerne übertrieben verkaufen, um sich besser darzustellen:
»Während China dazu neigt, KI mit ‘Elektrizität’ zu vergleichen, setzen westliche KI-Unternehmen sie mit der Atombombe gleich. Dadurch wirken Anthropic und seine Konkurrenten weniger wie Unternehmen, die alltägliche Entscheidungen darüber treffen, wie sie bestimmte Tools entwickeln, sondern eher wie prometheische Hüter einer vierten industriellen Revolution.«
Angst = mehr Investitionen? Wenn KI potenziell so gefährlich ist, lassen sich außerdem Milliardeninvestitionen leichter rechtfertigen, etwa für bessere Sicherheitsvorkehrungen oder aufwendige Sicherheitsforschung.
Gratis Marketing: Jede Schlagzeile über eine angeblich außer Kontrolle geratene KI, jeder Warnbrief und jeder Social-Media-Beitrag sorgt für Reichweite, für die andere Firmen viel Geld in Werbung stecken müssten. Selbstkritik trägt so dazu bei, dass die Namen OpenAI und Anthropic in aller Munde bleiben.
Zuletzt kann die Furcht in der Bevölkerung auch politisch nützlich sein. Sie kann den Ruf nach strengen Regulierungen provozieren, die auf den ersten Blick vielleicht schlecht für die großen KI-Unternehmen sind, jedoch kleinere Unternehmen deutlich stärker einschränken als die Tech-Giganten der Branche.
Konzerne mit riesigen Budgets und eigenen Rechts- und Sicherheitsabteilungen können strengere Auflagen eher stemmen. Für Start-ups und kleinere Anbieter können sie dagegen das Aus bedeuten, und die Marktmacht der Großen wächst weiter.
Ist KI wirklich gefährlich?
Ein Blick in die Vergangenheit relativiert manche Warnung: OpenAI stufte bereits GPT-2 als zu gefährlich für eine Veröffentlichung ein und auch Anthropic bezeichnete sein Modell Mythos als zu gefährlich. Ähnliche Aussagen gab es also schon mehrfach, ohne dass die befürchteten Katastrophen eingetreten wären.
Auch Zahlen wie »mehr als 10 Prozent Wahrscheinlichkeit«, dass KI uns in den nächsten zehn Jahren auslöscht, wie Kevin Hubinger von Anthropic behauptete, sollten wir kritisch betrachten.
Solche Werte sind subjektive Schätzungen und basieren nicht auf belastbaren Fakten. Sie klingen zwar wissenschaftlich, lassen sich aber weder überprüfen noch belegen. Selbst Coxon, der Forscher, der bei Anthropic kündigte, sagt, dass von aktuellen Modellen keine Gefahr ausgeht.
Dennoch bleibt KI und vor allem zu mächtige automatisierte Agents potenziell gefährlich und die Ausbrüche aus kontrollierten Umgebungen sollten nicht ignoriert werden.
Wie gefährlich KI genau ist, können wir als Außenstehende zwar erahnen, aber nie vollständig wissen. Denn wenn KI-Unternehmen ihre eigenen Systeme nicht ganz verstehen, wie sollen wir das vollständig durchblicken? Genau diesen Umstand beschreibt übrigens das sogenannte Blackbox-Problem. Hier geht's zum passenden Artikel:
Jetzt seid ihr dran: Wie habt ihr die Aussagen der KI-Forscher erlebt? Ist das in eurem Freundes- und Familienkreis ein Thema, das die Menschen beschäftigt und tatsächlich Angst schürt? Wie nehmt ihr das Thema KI-Sicherheit wahr und fallen euch noch mehr Gründe ein, wie große Tech-Unternehmen von Angst profitieren könnten? Schreibt uns eure Meinungen und Erlebnisse gerne unten in die Kommentare und diskutiert mit!

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