Wieso Romanzen mir Rollenspiele kaputtmachen - aber trotzdem wichtig sind

Meinung: Viele Rollenspiele beschäftigen sich neben der Weltenrettung auch mit der Liebe. Die wenigsten von ihnen schaffen es aber, beides unter einen Hut zu bringen, findet Mary.

von Marylin Marx,
13.08.2020 17:30 Uhr

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Liebe ist so eine Sache. Sie beschäftigt uns nicht nur im realen Leben, sondern nimmt auch einen Teil unseres virtuellen Rollenspieler-Daseins ein. Unsere Helden stehen oftmals nicht nur unlösbaren Aufgaben und grausamen Monstern gegenüber, sie müssen sich nebenbei auch noch um private Probleme kümmern, weil … ja warum eigentlich?

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn ich mit Weltenrettung betraut werde, dann denke ich doch nicht daran, nochmal kurz auf dem Weg die große Liebe zu finden oder meine Begleiter zu vernaschen. Multitasking schön und gut, aber das geht doch nun wirklich zu weit.

Mittlerweile kommt es mir aber so vor, als ob genau das vom Helden von Welt so erwartet wird: Nur mal kurz die Welt retten und nebenher noch die Familienplanung abschließen. Damit muss endlich wieder Schluss sein.

Romanzen sind aktuell in vielen Rollenspielen eher so ein oberflächiges Intermezzo und man ist manchmal besser dran, wenn man sie einfach ignoriert. Dabei könnten sie so viel zur Geschichte und der Charakterentwicklung beitragen. Sie müssen nur die folgenden drei Punkte beachten.

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1. Das richtige Timing

Bevor ihr mich gleich als unromantischen Stein abstempelt (was ich vielleicht auch bin, aber das ist ein anderes Thema) lasst mich nur sagen: Ich habe wirklich kein Problem mit Liebesbeziehungen in Rollenspielen. Ich habe eher ein Problem mit deren Timing, denn oft sind Romanzen belanglose Nebensache - und fallen uns plötzlich als angeblich super wichtig vor die Füße. Und selbst dann gibt es gute und schlechte Wege, Romanzen auf ihren Höhepunkt zu treiben.

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Ich kann Commander Shepard in Mass Effect 3 verstehen, der kurz vor der letzten Schlacht seinem angebeteten Gefährten angestaute Gefühle offenbart. Ich kann aber nicht verstehen, warum Dragon Age: Origins kurz vor dem Ende mit irgendeinem komischen Ritual um die Ecke kommen muss, das jegliche bis dahin etablierten Beziehungen und Moral auf den Kopf stellt. Erst recht, wenn mein Grauer Wächter männlich und/oder mit Alistair in einer Beziehung ist.

Das ganze Unterfangen war nicht nur befremdlich, es war teil der Hauptstory, sodass ich es nicht ignorieren konnte. Ich wurde vom Spiel gezwungen irgendeine Entscheidung zu treffen, die nicht nur für das Ende eine wichtige Rolle spielte, sondern deren Konsequenzen alles andere als belohnend waren.

2. Die richtige Dosis

Das perfekte Timing in einer Geschichte zu finden, ist das eine, die richtige Dosis abzumessen, das andere. Da scheitert es nämlich auch bei vielen Rollenspielen, deren Geschichte nicht die Rettung der/des Geliebten ist, wie bei Mario oder Link. Entweder folgen unserem Held mögliche Love Interests die ganze Zeit auf Schritt und Tritt, wie in Heavy Rain Madison Ethan ständig nervt, während der nach seinem Sohn sucht, oder sie interagieren so gut wie nie mit mir.

Wann genau hatten Lady Ashbury und Dr. Reid aus Vampyr zwischen Vampirjägern und der spanischer Grippe genug Zeit, sich anständig kennenzulernen? Ich würde mir gerade als Unsterbliche sehr genau überlegen, ob der Gewählte Partner nicht doch irgendwelche Marotten hat, die mich in den Wahnsinn treiben. Gerade diese Annäherung fehlt dem Spiel jedoch.

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Die richtige Dosis ist natürlich von Spiel zu Spiel unterschiedlich. Wichtig ist nur, dass sie eben in den Rahmen des Spiels passt. Manchmal ist eine unterschwellige Romanze wie bei Dishonored besser als eine unverständliche Liebesbeziehung, die niemand so richtig mitbekommt. Oder habt ihr verstanden, wie zwischen Yuna und Tidus in Final Fantasy 10 eine Liebesbeziehung entstand? Ich habe in den bruchstückhaften Dialogen zumindest keine großen Gefühle wahrgenommen.

Die Autorin
Mary ist der Meinung, dass viele Spiele und Filme ohne aufgesetzte Romanze deutlich besser wären. Allen voran Rollenspiele (für sowas gibt es Fan Fictions). Trotzdem kann sie stundenlang über ihre Liebe zu fiktiven Charakteren reden, wenn es sie dann doch mal voll erwischt hat.

3. Die richtige Spielmechanik

Nicht nur Zeit und Menge sind bei einer guten Romanze wichtig, sondern auch die Art und Weise. Das Wie ist meistens sogar der entscheidende Faktor, ob eine Romanze innerhalb einer Geschichte funktioniert oder nicht.

Das beste Beispiel sind persönliche Quests mit unserem Schwarm. Oftmals hat dieser ein persönliches Problem, das gelöst werden muss und bei dem wir helfen können und wollen.

Nehmen wir uns dieses Problems an, lernen wir ganz natürlich unseren Gefährten besser kennen und durchleben gemeinsam eine Charakterentwicklung, an deren Ende vielleicht eine erfolgreiche Beziehung wartet. Viele Bioware-Romanzen wirken genau aus diesem Grund so persönlich und natürlich innerhalb der eigentlichen Geschichte.

Es müssen aber gar nicht immer klassische Quests sein. Auch abwechslungsreiche Gespräche, Dialogoptionen oder kleinere Zwischensequenzen können eben jene Beziehungsentwicklung sehr stärken. Rollenspiele können genau hier ihre Stärken ausspielen, indem sie durch Dialogsysteme spannende, tiefgreifende Gespräche ermöglichen.

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Manchmal ist weniger mehr

Wie in jedem Medium ist die richtige Mischung aus Timing, Dosis und Gameplay kein einfaches Unterfangen. Umso wichtiger ist es, dass Rollenspiele sich wieder mehr Gedanken darüber machen, welchen Mehrwert ihre Romanzen bieten.

Eine gut geschriebene Romanze gibt einer Story und ihren Charakteren Tiefe, eine schlecht geschriebene nimmt sie ihr. Manchmal brauchen wir eben keine epischen und dramatischen Liebesgeschichten, manchmal reichen kleine Zärtlichkeiten oder ein einzelner Brief unseres Gefährten, um unser Herz zu erobern.

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