Wenn aus »vorübergehend« 30 Jahre werden: Eine Windows-Funktion sieht heute immer noch so aus wie 1994

Wer einen Datenträger per Rechtsklick im Explorer formatieren will, sieht bis jetzt das Fenster, das bereits vor 30 Jahren dafür programmiert wurde.

Es gibt jede Menge Windows-Funktionen, die im Kern bereits vor langer Zeit entwickelt wurden. Es gibt jede Menge Windows-Funktionen, die im Kern bereits vor langer Zeit entwickelt wurden.

So sehr Microsoft Windows auch stetig modernisiert, in manchen Bereichen sieht man dem Betriebssystem deutlich an, dass es auch 2024 weiter auf eine jahrzehntealte Basis setzt: den NT-Kernel.

Erfahrungen aus erster Hand: Wer könnte das besser wissen als ein Programmierer, der schon zur Zeit des Releases vom ersten Windows NT vor knapp 30 Jahren dabei war?

  • Die Rede ist von Dave Plummer, der laut eigenen Angaben unter anderem an der Programmierung von Windows-Komponenten wie dem Task Manager und Pinball mitgewirkt hat.
  • Hier geht es stattdessen um die Geschichte des Dialogfensters für das Formatieren von Datenträgern. Dazu hat sich Plummer bei X (ehemals Twitter) geäußert.

All den ganzen Windows-Updates zum Trotz ist dieses Fenster unverändert geblieben, seitdem Plummer es programmiert hat. Sauber installieren lassen solltet ihr Windows-Updates aber trotzdem, wie unser folgendes kleines Experiment in Videoform beweist:

Wir ignorieren die Windows-Warnung, den PC nicht auszuschalten und es passieren merkwürdige Dinge Video starten 5:00 Wir ignorieren die Windows-Warnung, den PC nicht auszuschalten und es passieren merkwürdige Dinge

Wann und wie es dazu kam

  • Die Geschehnisse, die der Windows-Programmierer Plummer schildert, haben Ende 1994 stattgefunden.
  • Das MS-DOS-basierte Windows 95 stand damals kurz vor seinem Release und die erste Version von Windows NT für Workstations und Server mit namensgebender NT-Basis war etwa ein Jahr alt.
  • In manchen Bereichen gab es größere Unterschiede zwischen den beiden Windows-Versionen, wozu auch das Formatieren von Datenträgern zählte. Also musste ein neues Fenster dafür her.

Um diese Aufgabe zu erledigen, ging Plummer laut eigener Aussage folgendermaßen vor:

Ich nahm ein Blatt Papier zur Hand und schrieb alle Optionen und Entscheidungen auf, die man bei der Formatierung eines Datenträgers treffen konnte, wie Dateisystem, Bezeichnung, Clustergröße, Komprimierung, Verschlüsselung und so weiter.

Dann startete ich VC++2.0 und benutzte den Ressourcen-Editor, um einen einfachen vertikalen Stapel mit allen Optionen zu erstellen, die man in der ungefähren Reihenfolge treffen musste. Es war nicht elegant, aber es sollte reichen, bis die elegante Benutzeroberfläche kam.

Doch eine modernere Version der Benutzeroberfläche wurde nie programmiert. Vermutlich, weil das Fenster seinen Zweck auch ohne Überarbeitung völlig ausreichend erfüllt.

Klickt ihr im Explorer mit der rechten Maustaste auf einen Datenträger und wählt den Eintrag Formatieren..., sieht das deshalb unter Windows 11 immer noch wie folgt aus:

Wer Datenträger auf die Schnelle formatieren will, bekommt schon lange diesen für viele altbekannten Anblick zu Gesicht. Wer Datenträger auf die Schnelle formatieren will, bekommt schon lange diesen für viele altbekannten Anblick zu Gesicht.

Interessante Randnotiz: Die Beschränkung von Windows-Tools, bei FAT32-Datenträgern maximal eine Partitionsgröße von 32 GByte auswählen zu können, geht ebenfalls auf Plummer zurück:

Ich musste auch entscheiden, wie viel "cluster slack" zu viel wäre, und das führte dazu, dass ich die Formatgröße eines FAT-Volumes auf 32 GByte beschränkte. Diese Grenze war ebenfalls eine willkürliche Entscheidung an jenem Morgen, die uns als dauerhafter Nebeneffekt geblieben ist.

Sie ist neben der maximalen Dateigröße von 4 GByte ein Grund dafür, dass Microsoft FAT32 später durch den verbesserten Nachfolger exFAT ersetzt hat.

Wann lohnt es sich, einen Datenträger zu formatieren?

Unserer Erfahrung nach gibt es heutzutage zwei Hauptszenarien für das Aufrufen des oben zu sehenden Dialogfensters:

  1. Das Dateisystem eines Datenträgers muss geändert werden, was meist in Zusammenhang mit Kompatibilitätsproblemen der Fall ist.
  2. Ihr wollt einen Datenträger unkompliziert komplett löschen, denn alle Inhalte zu entfernen, ist unumgänglicher Teil des Formatierungsvorgangs.

Ebenfalls gut zu wissen: Für große interne Datenträger wie SSDs empfiehlt sich bei Windows das NTFS-Dateisystem. Im Gegensatz zu FAT32 und exFAT erlaubt es unter anderem, Dateien zu komprimieren und zu verschlüsseln.

FAT32 beziehungsweise exFAT bieten dagegen eine höhere Kompatibilität und eignen sich damit vor allem für kleinere, mobile Datenträger.

  • Die größere Kompatibilität ist beispielsweise teils hilfreich, wenn es darum geht, einen USB-Stick nicht nur unter Windows, sondern auch unter Linux oder MacOS zu nutzen.
  • Das sogenannte UEFI-Menü mit den zentralen (Mainboard-)Einstellungen eures PCs oder Notebooks, das sich beim Start des Rechners aufrufen lässt, kann ebenfalls oft nur mit FAT-Dateisystemen umgehen.

Letzteres ist potenziell relevant, wenn ihr eine neue BIOS-Version via USB-Stick installieren möchtet oder Screenshots aus dem UEFI darauf speichern wollt.

Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, wann ihr das Menü zum Formatieren selbst zuletzt benutzt habt, wie häufig das überhaupt vorkommt und ob euch noch andere Elemente von Windows einfallen, die sich in all den Jahren kaum (oder sogar überhaupt nicht) verändert haben.

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