Nach fünf Monaten mit einer 250-Euro-Waage weiß ich: Die meisten Geräte erzählen euch nur die halbe Wahrheit

Wofür braucht man eine solche Waage? Ich liefere euch meine wichtigsten Erkenntnisse.

Lohnen sich 250,00 Euro aufwärts für eine Waage? Jein. (Bildquelle: Patrick GameStar Tech). Lohnen sich 250,00 Euro aufwärts für eine Waage? Jein. (Bildquelle: Patrick / GameStar Tech).

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Seit knapp fünf Monaten stelle ich mich nahezu jeden Morgen verschlafen auf eine Waage. Die misst nicht nur bloß mein Gewicht: Ein schwacher, nicht spürbarer Strom fließt in der Regel um 06:30 Uhr durch meinen Körper.

Neben dem Gewicht werden somit Muskel- und Fettanteil gemessen und die Ergebnisse in einer App übersichtlich aufbereitet.

Der Aufwand hat sich in meinem Fall durchaus gelohnt. Nach knapp 150 Tagen habe ich interessante und wichtige Erkenntnisse dazu gewonnen. Vor allem, dass einzelne Messungen nicht ausschlaggebend sind.

Spezifikationen
Spezifikationen
SpezifikationWithings Body FitWithings Body Scan 2
Preis (UVP)250,00 Euro500,00 Euro
Wiegebereich5–200 kg5–200 kg
Gewichtsgenauigkeit50 g50 g
Messprinzip KörperanalyseBioimpedanz-Spektroskopie (BIS), 13 Frequenzen bis 800 kHzBioimpedanz-Spektroskopie (BIS), 13 Frequenzen bis 800 kHz
Elektroden8 Elektroden, davon 4 in der ausziehbaren Handhabe12 Elektroden: Glasplattform plus Edelstahl-Elektroden im Griff
Segmentale Analyse6 Körperzonen6 Körperzonen
KörperzusammensetzungFett, Muskeln, Knochen, Wasser, Magermasse, Viszeralfett-Index, GrundumsatzFett, Muskeln, Knochen, Wasser, Magermasse, Viszeralfett-Index, Grundumsatz
HerzfrequenzJaJa, im Stand
GefäßalterJaJa
PulswellengeschwindigkeitJaJa
EKGNeinJa, 6-Ableitungs-EKG mit Vorhofflimmern-Erkennung
Blutsauerstoff (SpO2)NeinJa, per Multiwellen-PPG-Sensor im Griff
NervengesundheitNeinJa, Nerve-Response-Score über Hände und Füße
Erweiterte HerzanalyseNeinJa, unter anderem Impedanz-Kardiografie und Herzalter
Stoffwechsel-InsightsKalorienbilanz und habitusbasierte Empfehlungen in der AppUnter anderem Glucose Resilience
DisplayFarbdisplay in der PlatteFarbdisplay in der ausziehbaren Handhabe
AppWithings-App für iOS 18+ und Android 12+Withings-App für iOS 18+ und Android 12+
Withings+Optional; unter anderem Cardio-Check-up, KI-Assistent, erweiterte Scores und Drittanbieter-SyncOptional; gleiche Premium-Funktionen, bei EKG zusätzlich kardiologische Auswertung innerhalb von 24 Stunden
Inhaltsverzeichnis

1. Erkenntnis: Der Trend ist ausschlaggebend

Einzelne Messungen lügen nicht, aber sie sagen wenig aus. Gestern 81,2 Kilo, heute springt der Zähler auf 82,3 Kilo. Habe ich über Nacht plötzlich dauerhaft mehr als ein Kilo zugenommen? Normale Waagen können das ohne Kontext suggerieren.

Zum Glück ist das in der Regel nicht der Fall.

Das eigene Körpergewicht schwankt von Tag zu Tag um ein bis zwei Kilo (manchmal mehr, manchmal weniger). Dahinter stecken einfache Faktoren (via Apotheken Umschau):

  • Wasser: Salzreiches Essen, Kohlenhydrate, Alkohol oder Wetterumstände wie Hitze sorgen dafür, dass der Körper mehr Wasser speichert.
  • Verdauung: Was gestern Abend gegessen wurde, liegt heute Morgen zum Teil noch auf der Waage (wenn auch nur in geringem Maße).
  • Training: Nach einem harten Workout lagern die Muskeln Wasser ein, um sich zu regenerieren.
  • Schlaf und Stress: Beide Faktoren beeinflussen den Hormonhaushalt und damit auch den Wasserhaushalt.

Jeden Morgen zeigt mir die Waage ein anderes Gewicht an. Mal mehr, mal weniger. Entscheidend ist dabei der Durchschnitt. In der App könnt ihr euch übrigens den ganzen Körper betrachten. Die Werte solltet ihr aber mit Vorsicht genießen. Jeden Morgen zeigt mir die Waage ein anderes Gewicht an. Mal mehr, mal weniger. Entscheidend ist dabei der Durchschnitt. In der App könnt ihr euch übrigens den ganzen Körper betrachten. Die Werte solltet ihr aber mit Vorsicht genießen.

Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei Körperfett und Muskeln. In meinem Fall schwankt das Körperfett zwischen 16,9 und 17,5 Prozent, ähnlich wie die Muskelmasse. Das ist Messrauschen.

Übrigens: Die Body Fit beschränkt sich nicht nur auf Gewicht, Fett und Muskeln. Sie bietet auch eine segmentale Körperanalyse für sechs Körperzonen, einen Viszeralfett-Index, Angaben zum Gefäßalter und zur Pulswellengeschwindigkeit.

Warum die Messungen so schwanken

Smarte Waagen wie die Body Fit oder die Body Scan 2 bestimmen die Körperzusammensetzung per sogenannter bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA). Dabei schickt die Waage einen schwachen, nicht spürbaren Strom durch den Körper und misst, wie stark er gebremst wird. Muskeln bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und leiten gut, Fett leitet wiederum schlecht.

Aus diesem Widerstand und meinen Angaben zu Größe, Alter und Geschlecht berechnet die Waage, wie viel Fett und wie viel Muskeln ich habe. Sie misst also nicht direkt, sondern rechnet, und das auf Basis eines Werts, der stark vom Wasserhaushalt abhängt. Wer dehydriert auf die Waage steigt, hat für sie mehr Fett. Wer gerade viel getrunken hat, wirkt muskulöser.

Deshalb ist die wichtigste Regel: immer unter den gleichen Bedingungen messen. Bei mir heißt das morgens nach dem Aufstehen und dem Toilettengang, vor dem Frühstück und barfuß.

Ihr müsst eure Daumen an diese Stellen legen. Anschließend beginnt der Körperscan. Dieser ist binnen 30 Sekunden abgeschlossen. Barfuß ist übrigens Pflicht. (Bildquelle: Patrick GameStar Tech) Ihr müsst eure Daumen an diese Stellen legen. Anschließend beginnt der Körperscan. Dieser ist binnen 30 Sekunden abgeschlossen. Barfuß ist übrigens Pflicht. (Bildquelle: Patrick / GameStar Tech)

Gleichzeitig folgt daraus jedoch eine unbequeme Wahrheit. Die einzelnen Werte sind nicht besonders genau. Ob ich tatsächlich 16 oder 17 Prozent Körperfett habe, kann mir die Waage nicht mit Sicherheit sagen. Dafür wäre eine DEXA-Messung beim Arzt oder in einem Sportlabor nötig.

Die gute Nachricht: Für den Trend spielt das kaum eine Rolle, denn die Richtung stimmt trotzdem. Und genau das spornt mich an.

2. Erkenntnis: Zahlen motivieren (mich)

Ein psychologischer Exkurs zum Thema »quantifiziertes Selbst«. Im Grunde beschreibt es das Sammeln von Daten über, nun ja, sich selbst. Das Ziel: Ein besseres Verständnis und die Sichtbarmachung des Potenzials – getreu dem Motto: »Was ich tracke, kann ich auch verbessern«.

Genau darauf springt mein Kopf ziemlich leicht an, im Guten wie im Schlechten. Wenn zahlengetriebene Erfolge ausbleiben, schwenkt das Gemütspendel schnell in Richtung Ernüchterung und Frust. Andererseits möchte ich dadurch wieder »auf Kurs« kommen und das Training ernster nehmen.

Innerhalb von 120 Tagen habe ich laut der Waage nur 0,5 Kilogramm abgenommen. Das klingt nach wenig, aber die wichtigen Informationen liegen woanders. Innerhalb von 120 Tagen habe ich laut der Waage nur 0,5 Kilogramm abgenommen. Das klingt nach wenig, aber die wichtigen Informationen liegen woanders.

Warum ich euch das erzähle? Seit ich im Mai angefangen habe, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen, zeigt mir die Waage heute gerade mal 0,5 Kilogramm weniger an. »So wenig für so viel Schweiß?!« Das sagt mir der Kopf.

Was mir die Body-Fit aber verrät: Mein Körperfettanteil ist seitdem von 20,0 auf 17,5 Prozent gefallen und mein Muskelanteil von 76,0 auf 78,4 Prozent gestiegen.

Fett ist um 2,5 Prozent gesunken. Das sehe ich nicht nur anhand der Zahlen, auch mein Bauch ist etwas schmaler geworden. Fett ist um 2,5 Prozent gesunken. Das sehe ich nicht nur anhand der Zahlen, auch mein Bauch ist etwas schmaler geworden.

Rechnet man das auf Kilo um, wird das Bild deutlicher (laut Waage, mit Messtoleranz):

  • Fett: rund 2,2 Kilogramm weniger
  • Muskeln: rund 1,6 Kilogramm mehr
  • Gewicht: rund 0,5 Kilogramm weniger

Das sieht schon besser aus! Deshalb lohnt es sich, diese Werte in Kilogramm umzurechnen. Erst dann sieht man, was sich im Körper tatsächlich verändert hat.

Achtung, Abonnement: Einige Funktionen von Withings sind nur gegen monatliche Bezahlung verfügbar, beeinträchtigen aber nicht die Funktionsfähigkeit der Waagen. Im Abonnement sind folgende Features enthalten:

  • Gesundheitsbewertungen: Withings führt die Zahlen zu einem sogenannten Score zusammen (1 bis 100). Im Grunde sagt diese Zahl aus, wie sich die Werte im Vergleich zur Vorwoche entwickeln.
  • KI-Gesundheitsassistent: Sammelt Daten wie Gewicht, Körperzusammensetzung, Herzfrequenz, Schlaf und mehr, um personalisierte Einblicke zu liefern.
  • Cardio-Check-Up: Ein Kardiologe prüft das EKG binnen 24 Stunden.
  • Synchronisierung mit Drittanbieter-Apps: Die Kopplung mit Apple Health oder Health Connect ist nur noch mit aktivem Abo möglich.

3. Erkenntnis: Was eine solche Waage nicht kann

Für sichtbare Veränderung braucht es keine Waage. Zahlen und Grafiken sehen zwar schön aus und motivieren auch. Einen Spiegel, ein Maßband oder gar Trainingsroutinen ersetzen smarte Geräte wie die Withings Body Fit jedoch nicht.

Wenn die Hose lockerer sitzt oder man mehr Gewichte auf die Sportgeräte packt, sind das die wichtigen Erfolge, auf die man hinarbeitet – und die gleichzeitig den stärksten Motivationsschub auslösen.

Wer zu viel Wert auf diese Zahlen legt oder sie falsch interpretiert, könnte schnell demotiviert werden.

Anders verhält es sich mit der Body Scan 2: Sie misst weit mehr als die Body Fit, wie ihr auf der nächsten Seite lesen könnt.

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