Wie ich nach 17 Jahren WoW-Erfahrung KI nutze, um mein Gameplay zu perfektionieren

Man lernt bekanntlich nicht aus und manchmal nutzt man eben KI, um zu lernen. Auch in World of Warcraft.

Dieser wunderschöne Orc in Shorts kann ab sofort Zauber unterbrechen und dank Gemini habe ich dabei noch einiges gelernt. (Bildquelle: Jan Stahnke | Google Gemini) Dieser wunderschöne Orc in Shorts kann ab sofort Zauber unterbrechen und dank Gemini habe ich dabei noch einiges gelernt. (Bildquelle: Jan Stahnke | Google Gemini)

Alle Jahre wieder kommt die Lust auf World of Warcraft zurück. So ist das zumindest bei mir. Und so voll, wie momentan die Server sind, bin ich da wohl nicht der Einzige. Zurzeit gibt es auch einige Gründe, wieder reinzuschauen:

  • Auf den Anniversary-Servern wird im Februar das erste WoW-Add-on »The Burning Crusade« (2007) neu veröffentlicht.
  • Auf den aktuellen Servern (Retail) kommt im März das neueste Add-on »Midnight«.
  • Für deutschsprachige Zuschauer läuft momentan das Streamer-Event »SauerCrowd« auf den Hardcore-Servern, das nebenbei für Unterhaltung sorgt.

Auch ich bereite mich gerade auf »The Burning Crusade« vor und bin dabei, einen Schurken und einen Krieger auf Level 60 zu spielen. Doch wenn man das aktuelle WoW gewohnt ist, stößt man bei den Classic-Servern, die ungefähr auf dem Stand von 2005 sind, auf einige Probleme.

Praktischerweise kann man mithilfe von KI ein paar dieser Probleme aus der Welt schaffen.

Was sind Makros?

In WoW kann man kleine Skripte schreiben, die bestimmte Aktionen ausführen. Diese nennt man Makros. Wenn man, wie ich, nicht viel Ahnung vom Programmieren hat, kann das erst mal abschreckend wirken. Doch alte WoW-Hasen wissen, dass die meisten Makros nicht sehr komplex sind.

So kann man mit einfachen Befehlen wie »/cast [Zauber]« Zauber wirken oder mit »/startattack« den automatischen Angriff starten. Diese Befehle lassen sich aneinanderreihen und schon spart ihr euch ein paar Klicks. Im Eifer des Gefechts ist das echt praktisch.

So sieht das Makro-Fenster im Spiel aus. Ihr findet es, wenn ihr Escape drückt und dann auf »Makros« klickt. Alternativ könnt ihr »m« im Chat eingeben. So sieht das Makro-Fenster im Spiel aus. Ihr findet es, wenn ihr Escape drückt und dann auf »Makros« klickt. Alternativ könnt ihr »/m« im Chat eingeben.

Doch es gibt auch Befehle, die komplizierter sind. Zum Beispiel, wenn ich prüfen will, ob mein Krieger in der richtigen Haltung ist, um eine bestimmte Fähigkeit einzusetzen. Mein Basiswissen der Skriptsprache Lua reicht nicht mehr aus, um solche Makros zu schreiben.

Wisst ihr, wer beziehungsweise was richtig gut im Coden ist? KI.

Humanoide Schweine gegen die KI

Als ich vor ein paar Tagen mit einem Freund durch die Steppe im Brachland zog und wir ein paar Quilboars (eine Art humanoides Schwein) umgeboxt haben, störte mich ein Problem des Classic-Kriegers besonders: Zweihandwaffen sind toll für den Schaden, doch ich kann Zauber von Gegnern nicht unterbrechen, wenn ich keinen Schild trage. Also flogen mir ein paar ungemütliche Feuerbälle um die Ohren.

Die Quillboars seht ihr übrigens in diesem Artwork auf Reddit:

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Mein Freund Tim kam dann auf die Idee, Gemini nach einem Makro zu fragen, das dieses Problem löst. Es sollte den Schild anlegen, die Fähigkeit zum Unterbrechen ausführen und zurück zu meiner Zweihandwaffe wechseln. Und tatsächlich hat Gemini ein funktionierendes Makro dafür geschrieben, das so aussah:

#showtooltip Shield Bash
/equip Schildname
/cast Shield Bash
/equip Waffenname

Das Makro macht genau das, was ich wollte: Schild anlegen → Fähigkeit unterbrechen → Zweihandwaffe anlegen → Fertig. Das war ein guter Anfang, doch da ging noch mehr.

Darum ist Gemini so praktisch für Makros

Nachdem Tim mir das obige Makro geschickt hatte, habe ich noch ein wenig herumprobiert und festgestellt, dass Gemini mir noch einiges beibringen kann.

So hat die KI mir nicht nur ein Makro ausgegeben, das die gewünschte Funktion ausgeführt hat, sondern es zusätzlich noch sinnvoll erweitert.

Mein Prompt:

»Schreibe mir ein Makro für WoW Classic, das es mir erlaubt, einen Schild anzuziehen, dann die Fähigkeit Shield Bash zu nutzen und dann wieder meine Zweihandwaffe anzieht.«

Das Ergebnis:

#showtooltip Shield Bash
/equip [noequipped:Shields] Name_Of_OneHand
/equip [noequipped:Shields] Name_Of_Shield
/cast Shield Bash
/equip [mod:alt] Name_Of_TwoHand

Was ist der Unterschied zum vorherigen Makro? Diesmal hat er neben dem Schild auch eine Einhandwaffe eingerechnet und zieht beides nur an, falls ich noch keinen Schild trage. Außerdem ziehe ich mit diesem Makro erst wieder die Zweihandwaffe an, wenn ich die »Alt«-Taste gedrückt halte.

Zum Makro selbst gab mir Gemini außerdem eine detaillierte Erklärung, was die einzelnen Zeilen genau bewirken. Auch eine Gebrauchsanweisung war dabei. Zum Makro selbst gab mir Gemini außerdem eine detaillierte Erklärung, was die einzelnen Zeilen genau bewirken. Auch eine Gebrauchsanweisung war dabei.

Das fand ich zuerst etwas unpraktisch, da ich eigentlich nur einen Knopf drücken wollte, um das Makro auszuführen. Doch ich stellte schnell fest, dass diese Änderung sinnvoll ist, falls ich nicht genügend Ressourcen habe, um den Schildschlag zu wirken, oder schlicht zu weit vom Gegner entfernt war.

Wenn ich nach dem Schlag also bedingungslos zurück zum Zweihänder wechsle, kann es sein, dass der Schildschlag nicht ausgeführt wird.

War das das perfekte Makro? Nein, Gemini hatte noch einen weiteren Vorschlag, den ich dankend annahm:

#showtooltip Shield Bash
/cast [nostance:1] Battle Stance
/equip [noequipped:Shields] Name_Of_OneHand
/equip [noequipped:Shields] Name_Of_Shield
/cast Shield Bash
/equip [mod:alt] Name_Of_TwoHand

Was ist neu? In der zweiten Zeile prüft das Makro, ob ich mich in der richtigen Haltung befinde, um die Fähigkeit Shield Bash überhaupt auszuführen. Wenn nicht, versetzt mich das Makro in die entsprechende Haltung.

Gemini hat mir also nicht nur bei meinen Lua-Fähigkeiten ausgeholfen, sondern gleich noch spielerische Eventualitäten abgedeckt, an die ich gar nicht dachte – nicht zuletzt wegen meiner mangelnden Erfahrung beim Spielen des Classic-Kriegers.

Ist Gemini ab sofort mein Makro-Meister?

Ganz eindeutig: Nein. Ich werde weiterhin selbst Makros schreiben und das empfehle ich auch euch. Immerhin macht das sogar ein wenig Spaß und die meisten Makros sind ohnehin deutlich simpler als die hier gezeigten. Für eines ist Gemini dennoch wunderbar geeignet: zum Lernen.

Dank Gemini weiß ich jetzt beispielsweise, wie ich Bedingungen prüfe oder Tastenkürzel als Bedingung setze. Das ist eine tolle Erweiterung meiner Makro-Fähigkeiten und wenn ich das nächste Mal ein komplexes Makro schreiben möchte, das meine Kenntnisse übersteigt, werde ich Gemini wieder zu Hilfe nehmen.

Alternativ: So gut wie alle brauchbaren Makros wurden in den letzten 21 Jahren WoW-Geschichte ohnehin schon in irgendeinem Forum gepostet und lassen sich recht schnell finden.

Für meinen Geschmack ist das Nutzen von KI zumindest in diesem Fall noch besser zum Lernen und Individualisieren geeignet, als einfach ein bestehendes Makro aus einem Forum zu kopieren. Aber ihr wisst ja: Jeder, wie er will.

Tipps für Makro-Neulinge

Falls ihr jetzt auch Lust bekommen habt, ein paar Makros für eure Charaktere zu schreiben, lasst mich euch ein paar Tipps mit auf den Weg geben:

  1. Schon kleinste Tippfehler lassen Makros scheitern. Wenn es Probleme gibt, prüft den Code auf fehlende, überflüssige oder falsche Zeichen.
  2. Shift-Klick nutzen: Wenn ihr Shift gedrückt haltet und auf Fähigkeiten, Items usw. klickt, wird der jeweilige Name in das Textfeld eingefügt, das ihr gerade geöffnet habt. Das gilt zum Beispiel für den Chat, aber auch für das Makro-Fenster. So müsst ihr nichts abtippen und riskiert keine Schreibfehler.
  3. Testet eure Makros vor dem Ernstfall. Nicht immer läuft alles, wie man es sich vorstellt. Ein kleiner Test an einem schwachen Gegner rettet digitale Leben (vor allem in Hardcore-WoW).

Habt ihr noch mehr Tipps? Schreibt sie gerne unten in die Kommentare! Ansonsten: viel Spaß beim Grinden.

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