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»Was ist die Wahrheit?« - Warcraft hat gerade eine riesige Debatte angestoßen, bei der sich nicht mal Blizzard festlegen will

Ein neuer Quest-Prolog erklärt Elfen, Trolle und das neue Volk der Haranir kurzerhand zu einer großen Familie. Die Community ist trotzdem eher verwirrt als gerührt.

Trolle und Elfen sollen laut einer neuen Vision alle von den Haranir abstammen – die Community ist skeptisch. Trolle und Elfen sollen laut einer neuen Vision alle von den Haranir abstammen – die Community ist skeptisch.

Bei World of Warcraft reicht ein einziger Quest-Prolog, um halb Azeroth in eine Sinnkrise zu stürzen. Patch 12.0.7 mit dem passenden Beinamen »Revelations« liefert einen Story-Vorlauf zum kommenden großen Content-Patch 12.1 – Teil der laufenden Worldsoul Saga – und der hat es Lore-technisch ordentlich in sich.

Elfen, Trolle und Haranir als eine Familie

Im Zentrum steht die Völkergruppe der Haranir, die neue spielbare Allianz-Rasse, die mit der Erweiterung Midnight eingeführt wurde und optisch irgendwo zwischen Trollen und Nachtelfen liegt.

Die Haranir laden die Anführer sämtlicher Trollstämme und Elfenvölker zu sich ein, um ihnen eine Neuigkeit zu verkünden: Sie sind alle miteinander verwandt. Anhängerin und Ältestenführerin Hagar präsentiert dazu eine Vision, laut der Trolle und Elfen direkt von den Haranir abstammen – eine große, glückliche Familie also, die sich eigentlich vertragen sollte.

Nur sehen das die Betroffenen selbst gründlich anders: Trolle und Elfen tragen seit Jahrzehnten eine blutige Feindschaft aus, und entsprechend wenig Begeisterung herrscht bei der Ankündigung. Der Amani-Anführer Zul'jan etwa stürmt kurzerhand davon, fest entschlossen, die Behauptung der Haranir zu widerlegen – und stößt dabei auf ein uraltes Übel, das er in Patch 12.1 nutzen will, um den Amani wieder zu alter Stärke zu verhelfen.

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Warum viele Spieler das gar nicht so neu finden

Für einen Großteil der Community wirkt die Enthüllung erstaunlich wenig überraschend: Erste Spekulationen, dass Nachtelfen von Trollen abstammen, tauchten laut Wowhead schon in der offiziellen Troll Compendium auf der ursprünglichen WoW-Website auf.

Richtig offiziell wurde die Verbindung 2011: In der zweiten Ausgabe des offiziellen, amerikanischen WoW-Magazins bestätigt der Zwergen-Entdecker Brann Bronzebeard anhand von Aussagen der Titanenwächterin Freya und des Halbgottes Cenarius die Abstammungsgeschichte zwischen Dunkeltrollen und Nachtelfen.

Die Chronicle-Bücher lieferten später die ausführliche Version: Eine unterirdisch am Hyjal lebende, lichtscheue Trollsplittergruppe – die Dunkeltrolle – zog irgendwann zum Brunnen der Ewigkeit, wurde von dessen Energie verwandelt und nannte sich fortan Kaldorei, Kinder der Sterne, besser bekannt als Nachtelfen.

Fast noch spannender: Die Idee war offenbar auch innerhalb der Spielwelt selbst nie ein Geheimnis. Schon im uralten Gebiet Alteractal ließ Erzdruide Fandral Staghelm Allianzspieler Trolle töten, weil die sich anmaßend als Vorfahren der Nachtelfen bezeichneten – die Horde-Gegenseite lieferte über die Dunkelspeer-Trolle eine ähnliche Quest mit umgekehrtem Vorwurf.

Auch das Ingame-Buch Die Zwillingsimperien, gegenseitige Spötteleien zwischen Blut- und Nachtelfen während der Suramar-Kampagne in Legion sowie ein Ausrüstungsgegenstand aus derselben Erweiterung griffen das Thema wiederholt auf. Die Verwandtschaftsfrage war also seit rund zwei Jahrzehnten fester Bestandteil der Warcraft-Welt.

Entsprechend seltsam wirkt es, dass die Charaktere im Spiel selbst so überrumpelt reagieren, als wäre das alles brandneu. Selbst hochgebildete, jahrhundertealte Figuren wie Erste Arkanistin Thalyssra, Vereesa Windläufer, Lor'themar oder Königin Talanji – deren Zandalar-Reich immerhin die älteste Bibliothek Azeroths beherbergt – zeigen sich von der Verwandtschaft überrascht.

Das eigentliche Rätsel: Wo die Haranir hinpassen

Der Punkt, an dem sich die Debatte außerhalb des Spielkosmos wirklich festbeißt, ist ein anderer: die Rolle der Haranir selbst. Viele Spieler gingen bislang davon aus, dass die Haranir aufgrund ihres Aussehens eine Art Bindeglied zwischen der Troll- und der Nachtelfen-Entwicklung darstellen.

Hagars Vision widerspricht dem allerdings – sie zeigt die Haranir als Ursprungsvolk, das sich in zwei Gruppen aufspaltete: eine, die unter der Erde blieb, und eine, die an der Oberfläche weiterlebte. Aus diesen beiden Gruppen sollen sich im Lauf der Zeit Nachtelfen beziehungsweise Trolle entwickelt haben.

Das steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur bisherigen Lore, nach der Elfen direkt von Trollen abstammen. Jetzt sollen beide Völker stattdessen unabhängig voneinander aus zwei verschiedenen Haranir-Gruppen hervorgegangen sein.

Unbeantwortet bleibt dabei, wo die eigentlich schon etablierten Dunkeltrolle hingehören: Sind Haranir einfach ein anderer Name für sie? Haben sich die Haranir aus den Dunkeltrollen entwickelt, oder stehen die Dunkeltrolle irgendwo dazwischen?

Blizzard schaltet sich ein

Angesichts der Verwirrung meldete sich Senior Quest Designer Keith Riley über X zu Wort, um zumindest etwas Kontext zu liefern. Die Zwischensequenz zeigt die Sicht der Haranir – präsentiert über eine haranirische Vision –, nicht zwangsläufig die offizielle, endgültige Haltung von Blizzard zur Abstammungsfrage.

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Danach wird Riley konkreter: Laut der Figur Orweyna können haranirische Visionen zwar Details vermissen lassen oder ungenau sein, aber nicht lügen.

Die Haranir selbst glauben deshalb an den Kern der Vision – dass es einst Haranir gab, die an der Oberfläche blieben, während andere ihrer Göttin in die Tiefe folgten, und dass sich aus dieser Oberflächengruppe im Lauf der Zeit die heutigen Trolle und Elfen entwickelten. Genau darauf stützen die Haranir ihre Botschaft an die versammelten Anführer, dass man ein zusammengehöriges Volk sei. Riley betont aber erneut, dass laut Orweyna auch hier Details fehlen oder falsch sein könnten.

Als Gegengewicht bringt Riley noch Königin Talanji ins Spiel: Die Zandalari verfügen laut ihr über eigene Aufzeichnungen zu den frühesten Tagen der Nachtelfen und Dunkeltrolle – räumt aber ebenfalls ein, dass auch in diesem Wissen Lücken klaffen dürften.

Rileys Fazit bleibt entsprechend vage: Einen unumstößlichen Beweis für die eine oder andere Version gebe es nicht, die Frage sei also weiterhin offen. Ob und wie Patch 12.1 hier für Klarheit sorgt, ist offen – ein festes Datum gibt es noch nicht, erwartet wird der Patch für Mitte August, mit einer neuen, trollfokussierten Zone samt Raid.

Glaubt ihr Elder Hagar und ihrer Vision, oder haltet ihr das eher für Lorehounds-Kaffeesatzleserei, bis Blizzard offiziell nachlegt?


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