Microsoft: Das bittere Ende eines wunderschönen, milliardenschweren Traums

Microsofts Xbox-Sparte vollzieht im Sommer 2026 eine der zynischsten Kehrtwenden der Gaming-Geschichte. Die Leidtragenden sind genau die Studios, denen einst die kreative Freiheit ohne finanziellen Druck versprochen wurde

Petra hat ein ganz mieses Gefühl, was den »Reset« von Xbox angeht. Petra hat ein ganz mieses Gefühl, was den »Reset« von Xbox angeht.

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als Phil Spencer mit offenem Portemonnaie durch die Indie-Landschaft zog und sich als Mäzen der Videospielkultur inszenierte? Das Ziel war klar: Der Game Pass brauchte dringend Futter abseits des ewigen Call-of-Duty-Einheitsbreis.

Petra Schmitz
Petra Schmitz

Petra kann sich noch genau daran erinnern, wie sehr sie Phil gefeiert hat – damals, vor lächerlichen acht Jahren. Als Microsoft – ausgerechnet Microsoft! – allen anderen gezeigt hat, dass In-Game-Käufe nicht das Wichtigste sind. Petra dachte: »Das ist ein guter Weg, lasst uns darauf bleiben.« Aber dann ist Silicon Valley falsch abgebogen – und der Rest der Welt gleich mit. 

Teams wie Ninja Theory (Hellblade-Reihe), Double Fine (Psychonauts) oder Compulsion Games (We Happy Few) wurden unter das warme Konzerndach gelockt – mit dem Versprechen, dass Microsoft die Burn-Rate (also die laufenden Kosten während der Produktion) deckt und sie einfach ihre Projekte realisieren können. Es war ein wunderschöner, milliardenschwerer Traum, und Microsoft kaufte sich damit kreative Street Credibility.

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Puff und weg

Schnitt ins Jahr 2026. Der Traum ist ausgeträumt. Gerade noch durfte Ninja Theory auf dem Summer Game Fest ein neues Hellblade zeigen – allerdings nicht, um uns glücklich zu machen, sondern um den Marktwert des Studios hochzujubeln und Investoren anzulocken. So spart man sich nämlich eine teure Rückabwicklung: Xbox hat schlicht keine Kohle mehr für Indie-Kram aus beispielsweise Cambridge.

Video starten 25:00 Das Xbox-Debakel - Jetzt sind nur noch 3 Wahrheiten sicher!

Ninja Theory, Compulsion Games und Double Fine stehen vor dem Aus, die Konzernmilliarden fließen lieber in neue KI-Rechenzentren – ob in Bedburg und Bergheim (NRW) oder in die gigantische Fairwater-Anlage (der Name kann nur Ironie sein) in Wisconsin. Man sieht die Prompts fast schon vor sich: »Generiere mir ein emotionales Action-Adventure mit einer Wikingerfrau!«

Das spart nicht nur die teure Burn-Rate, sondern auch nervige Verhandlungen mit eigensinnig-kreativen Studiochefs wie Tim Schafer. Leute wie er versuchen im Hintergrund gerade verzweifelt, die Reste ihrer Unabhängigkeit zusammenzukratzen – oder besser gesagt: Sie werden in einen Freikauf gedrängt.

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