Das Xiaomi 17T ist für mich eines der spannendsten Smartphones von 2026. Das liegt vor allem an seinem Preis und dem, was dafür geboten wird. Das Handy ist inzwischen für Preise unter 500 Euro erhältlich und ist trotzdem mit einer leistungsstarken Leica-Hauptkamera und einer 5×-Tele-Linse ausgestattet.
Nachdem mein Kollege Marinus das Handy auf Herz und Nieren getestet hat, hat er es mir zugesendet, damit ich es selbst mal ausprobieren kann. Also habe ich das Gerät auf einen kleinen Nachtspaziergang mitgenommen, um es speziell unter Low-Light-Bedingungen zu testen – ein Bereich der Fotografie, mit denen Kameras mit kleinerem Bildsensor schwächeln.
Das Xiaomi 17T beweist mir eindrucksvoll, wie weit die sogenannte Computational-Photography inzwischen fortgeschritten ist.
Xiaomi 17T im Low-Light-Test
Ich habe für alle Fotos das Handy im normalen Fotomodus verwendet (also nicht Pro-Modus), so wie es die meisten Menschen tun würden. Als Bildprofil habe ich Leica-Authentic gewählt. Mit dieser Einstellung sind die Farben etwas matter und zu den Fotos wird eine leichte Vignette hinzugefügt.
Ich habe außerdem das Handy entscheiden lassen, ob es den Nachtmodus hinzu schaltet oder ob es darauf verzichtet (es hat ihn fast immer aktiviert).
Die Kamera-Hardware des Xiaomi 17T:
- Hauptkamera: 50 Megapixel, 1/1.55”-Sensor, F1.7, 23mm
- Tele: 50 Megapixel, 1/2.76”-Sensor, F3.0, 115mm (5x)
- Ultraweitwinkel: 12 Megapixel, 1/3.06”-Sensor, F2.2, 15mm (120 Grad)
Wer sich ein wenig mit Kamera-Specs auskennt, erkennt schon jetzt die Schwachstellen des Xiaomi 17T. Sollten euch diese Daten nichts sagen, ist das nicht weiter schlimm. Schauen wir uns einfach die Fotos an:
Hauptkamera: Kann praktisch im Dunkeln sehen
Die Hauptkamera des Xiaomi 17T ist definitiv das große Highlight von diesem Handy. Die Fotos sind rauscharm, scharf, kontrastreich und es war unglaublich einfach, verwacklungsfreie Fotos aus der Hand zu schießen.
Beachtet jedoch, dass ich für jedes dieser Fotos etwa 2 bis 3 Sekunden stillstehen musste, da das Handy einige Tricks anwendet, um diese Bildqualität zu erreichen – mehr dazu weiter unten.
Es hat mich außerdem sehr überrascht, wie niedrig die Ausschuss-Quote von fehlfokussierten Fotos war. Das Handy findet das Motiv die meiste Zeit, solange noch ein wenig Licht vorhanden ist. Erst bei sehr schlechten Lichtbedingungen, bei denen man zum Laufen eine Taschenlampe benötigt, verfehlte der Autofokus hin und wieder.
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Im Gegensatz zu dedizierten Kameras werden Smartphones mit klaren physischen Grenzen konfrontiert. Die Größe von Bildsensoren, Objektiven und Pixeln macht einfach einen gigantischen Unterschied bei der Bildqualität von Fotos aus.
Um diese Limitierungen zu umgehen, müssen Smartphones sich einer Reihe von Software-Tricks bedienen – die gesamte Trickkiste trägt den Namen »Computational Photography«.
Beim nächtlichen Fotografieren wird auf eine Reihe verschiedener Funktionen zurückgegriffen, die solche Bilder überhaupt erst möglich machen:
- Serienaufnahme statt Einzelbild: Anstatt den Sensor sekundenlang am Stück zu belichten (was freihändig verwaschen würde), nimmt die Kamera eine schnelle Bildfolge auf. Da jedes einzelne Bild nur den Bruchteil einer Sekunde belichtet wird, bleibt die Grundschärfe trotz wackelnder Hände erhalten.
- Optische Bildstabilisierung: Die meisten Handys verfügen inzwischen über eine hardwarebasierte Stabilisierung. So können die einzelnen Teilbilder mit langsameren Belichtungszeiten eingefangen werden, ohne dass Bewegungsunschärfe entsteht.
- Digitales Alignment & De-Ghosting: Die Software analysiert charakteristische Kanten und Punkte in allen Aufnahmen. Da sich eure Hand zwischen den Bildern leicht bewegt, verschiebt, dreht und verzerrt der Prozessor die Einzelaufnahmen digital, bis sie perfekt deckungsgleich sind.
- Rauschreduzierung durch Pixel-Stacking: Sensorrauschen ist statistisch zufällig: Ein Pixel ist im ersten Frame dunkel, im zweiten fälschlicherweise hell. Das tatsächliche Motiv bleibt dagegen konstant. Wenn der Prozessor 20 Bilder übereinanderlegt und den Mittelwert der Pixel berechnet, löscht sich das zufällige Rauschen mathematisch aus, während echte Details klar hervortreten.
- HDR-Fusion für hohen Dynamikumfang: Das Smartphone variiert die Belichtung während der Aufnahmeserie (Belichtungsreihe). Sehr kurz belichtete Frames fangen helle Lichtquellen (wie Straßenlaternen oder Neonreklamen) ohne Überstrahlen ein. Länger belichtete Frames holen Details aus dunklen Schatten. Die Software verschmilzt beide Welten.
- KI-Segmentierung: Moderne Prozessoren (NPUs) erkennen Objekte im Bild getrennt voneinander. Ein Nachthimmel wird aggressiv entrauscht, während Texturen auf Gesichtern oder Hauswänden gezielt nachgeschärft werden.
Am Ende erhaltet ihr kein klassisches Foto in den Händen, sondern eine blitzschnell berechnete Fotomontage aus dutzenden Einzelaufnahmen.
Sind solche Aufnahmen noch echte Fotos? Dieser Diskussion habe ich einen ganzen Artikel gewidmet, den ihr hier lesen könnt: Fotografin schießt in den Alpen ein unglaubliches Bild der Milchstraße und tritt eine Diskussion los: Ist das noch ein echtes Foto?
11:55
Xiaomi 17T im Test: So viel Plastik für 750 Euro? Ich war sehr skeptisch, aber dann hat mich ein Feature vollkommen überzeugt
Ultraweitwinkel und Tele: Können im Dunkeln nicht sehen – nicht viel zumindest
Die Telekamera ist nicht nur mit einem kleineren Bildsensor ausgestattet, sondern auch mit einem lichtschwachen Objektiv mit Blende F/3.0. Bei Tageslicht liefert der 5x- und 10x-Zoom zwar ordentliche Ergebnisse, aber bei Nacht fällt die Bildqualität auseinander und bei Vergrößerungen über 5-fach hinaus bleibt ein Brei aus unerkennbaren Pixeln übrig.
Ähnlich verhält es sich mit der Ultraweitwinkel-Kamera. Zwar ist die Blende mit F2.2 etwas größer, es fällt mehr Licht auf den Sensor, aber dieser ist noch kleiner als bei der Telekamera. Dazu kommt, dass nur 12 Megapixel zur Verfügung stehen; es wird also auf das für Smartphones so wichtige Pixel-Binning-Verfahren verzichtet.
Passend zum Thema:
- Die beste Handy-Kamera bei Nacht – meine Top 3 nach über 40 Smartphone-Tests
- Die besten Kamera-Handys bis 600 Euro – meine 3 Empfehlungen, wenn ihr gerne mit dem Smartphone fotografiert
Xiaomi 17T bei Nacht: Eine Low-Light-Maschine
Trotz der eher unbrauchbaren Low-Light-Leistung der Ultraweitwinkel- und der Telekamera bin ich mit der Bildqualität des Xiaomi 17T sehr zufrieden. Für etwa 500 Euro ein Handy mit einer solchen Bildqualität bei schlechten Lichtbedingungen zu erhalten, ist sehr beeindruckend.
Und die beiden anderen Kameras liefern bei Tageslicht ja trotzdem beeindruckende Ergebnisse und ein optischer 5x-Zoom ist in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich.
Wenn ihr also gerade auf der Suche nach einem neuen Handy seid, euch eine gute Kamera wichtig ist und ihr nicht zu tief in den Geldbeutel greifen wollt, dann solltet ihr dieses Handy in die engere Auswahl mitnehmen. Weitere Alternativen findet ihr in Marinus’ Artikeln, die ich über diesen Absatz verlinkt habe.


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