Im Jahr 2001 brachte Renault ein Auto auf den Markt, das seiner Zeit voraus war: Es war ein kolossaler Misserfolg, der nun eine neue Chance erhält

Der Renault Avantime scheiterte einst spektakulär. Heute zeigt er, warum die Zukunft manchmal früher kommt, als die Gegenwart sie ertragen kann.

So sieht der Innenraum des Renault Avantime aus. (Bildquelle: Renault) So sieht der Innenraum des Renault Avantime aus. (Bildquelle: Renault)

Der Renault Avantime ist kein Kultauto wie ein VW Bulli, ein Porsche 911 oder ein DeLorean. Die meisten Menschen haben vermutlich noch nie von ihm gehört. Doch in einer Nische genießt er durchaus Kultstatus. Und das nicht ohne Grund.

Denn er gilt als ein Fahrzeug, das seiner Zeit weit voraus war. Vielleicht sogar so weit, dass er sich gerade deshalb miserabel verkaufte. Ein gewaltiger Flop, der ein ganzes Unternehmen mit in den Abgrund riss.

Der Avantime zeigt daher exemplarisch, was passiert, wenn ein Auto der Zukunft in einer Gegenwart landet, die nicht weiß, was sie mit ihm anfangen soll.

Ein Blick zurück

Als der Renault Avantime Ende 2001 auf den Markt kam, war er seinem Namen entsprechend vor seiner Zeit. Das Kofferwort aus avant (französisch für vor) und time (englisch für Zeit) traf das Konzept erstaunlich gut, auch wenn man es ganz anders lesen kann:

Der Avantime war ein radikaler Hybrid aus Van, Coupé und Lounge – ein Fahrzeug, das sich bewusst jeder klassischen Kategorie entzog.

Technisch basierte er auf dem Renault Espace der dritten Generation, doch mit nur zwei enorm langen Türen, rahmenlosen Fenstern und Panorama-Glasschiebedach unterschied er sich erheblich vom Familienvan der 1990er. Er war auf Komfort und Inszenierung ausgelegt, nicht auf reine Funktionalität.

Crossover-Fahrzeuge gab es damals zwar bereits, doch die frühen Vertreter wie Lexus RX 300 oder BMW X5 kombinierten bekannte Segmente nur geringfügig neu.

Sie waren die mitunter ersten großen und weitverbreiteten SUVs und trugen dazu bei, den klassischen Van zurückzudrängen.

Der Avantime dagegen war ein Gegenentwurf zum vorherrschenden Zeitgeist: Während die Branche auf Pragmatismus und eindeutige Segmente setzte, brachen Renault und Matra das bewusst auf.

Renault und Matra

So sieht der Avantime von der Seite aus. Er erinnert schon sehr an den Espace. (Bildquelle: Renault) So sieht der Avantime von der Seite aus. Er erinnert schon sehr an den Espace. (Bildquelle: Renault)

Gebaut wurde das Auto nicht von Renault selbst, sondern vom französischen Unternehmen Matra, das bereits für sportliche Modelle wie Djet, 530, Bagheera und Murena bekannt war. Matra galt als experimentierfreudig – und beim Avantime zeigte das Unternehmen einmal mehr, wie weit es bereit war zu gehen.

Im Vergleich zum Espace fehlt dem Avantime die B-Säule, seine Front wirkte aggressiver, die Silhouette futuristisch.

Das Projekt war zwar als Nischenfahrzeug gedacht, doch niemand rechnete damit, dass es so krachend scheitern würde. Nach nur zwei Jahren und 8.545 gebauten Exemplaren wurde die Produktion eingestellt.

Mit ihr endete die Automobilgeschichte von Matra. Das Unternehmen ging später in Pininfarina und die Airbus Group über.

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Das Konzept

Der Avantime sollte bewusst kein Nutzfahrzeug, kein Familienvan und kein Sportwagen sein, sondern etwas völlig Eigenständiges. Seine riesigen Türen, die luftige Glasarchitektur und der Lounge-Charakter des Innenraums passten nicht zu den Erwartungen der frühen 2000er-Jahre.

Heute dagegen wirkt vieles daran erstaunlich visionär: In einer Zeit, in der autonome Mobilität immer näher rückt und der Innenraum zunehmend zum Aufenthaltsraum wird, erscheint der Avantime fast prophetisch. Crossover ist heute nicht mehr die Ausnahme, sondern der Normalfall.

Technik und Herausforderungen

Auch technisch ging Matra ungewöhnliche Wege. Die Konstruktion eines großflächigen Glasdachs ohne klassische B-Säule als Stütze stellte die Ingenieure vor erhebliche Herausforderungen. Die extralangen Türen benötigten spezielle Doppelscharniere, um sich trotz ihres Gewichts elegant öffnen zu lassen.

Entgegen den Erwartungen aufgrund seines hohen Aufbaus erreichte der Avantime gute aerodynamische Werte. Ein Erbe der sportlichen Matra-Ingenieurskunst.

Unproblematischer waren die Motoren, denn die mussten nicht erst konstruiert werden: zunächst ein 3,0-Liter-V6 mit 152 kW (rund 207 PS) und ein turboaufgeladener 2,0-Liter-Benziner, später ein 2,2-Liter-Diesel.

Wenn man so will, war die Technik zugleich Befreiung und Beschränkung: Sie machte das Konzept erst möglich und setzte ihm dennoch enge Grenzen.

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Warum scheiterte der Avantime?

Warum der Avantime scheiterte, bleibt letztlich Spekulation. Sein Preis von bis zu 41.700 Euro, was in heutiger Kaufkraft rund 64.500 Euro entspricht, war womöglich zu hoch und das Design zu mutig. Hinzu kam, dass Renault nicht das Image hatte, um solch ein Fahrzeug glaubhaft anzupreisen.

Tragisch war zudem, dass der Flop nicht nur zum Einstampfen der Produktion führte, sondern dass dadurch auch Matra den Todesstoß erhielt. 2003 endete mit dem Unternehmen eine Ära französischer Ingenieursromantik.

Kultstatus und neue Wertschätzung

Doch wer glaubt, der Avantime sei längst Geschichte, irrt. Jetzt gerade begibt er sich auf eine neue Reise. Nachdem er Anfang der 2000er nicht in die USA exportiert werden durfte, fällt er nun bald unter die amerikanische 25-Jahre-Regel.

Fahrzeuge aus dem Jahr 2001 dürfen 2026 dann ganz offiziell eingeführt werden. Die kleine, aber treue Fangemeinde in den Staaten wartet bereits ungeduldig.

Auch in Europa wächst das Interesse. Denn Flops von gestern sind oft Schätze von morgen – besonders, wenn sie so eigenwillig sind wie der Avantime.

Und vielleicht passt er tatsächlich besser ins Jahr 2026 als ins Jahr 2001: Der heutige Zeitgeist sucht viel mehr das Individuelle, das Unverwechselbare.

Was der Avantime wirklich bedeutet

Der Avantime steht symbolisch für den Mut zur Innovation. Sein Design mag durchaus polarisieren, doch es besitzt auch etwas Zeitloses, das gerade deshalb der Zukunft zugewandt ist.

Gleichzeitig erinnert er daran, dass die Welt nicht immer bereit ist für Neues. Und dass Fortschritt oft erst im Rückblick erkennbar wird.

Kaum eine andere Technologie verkörpert diesen Widerspruch so deutlich wie das Auto: Es treibt die Moderne voran und hält zugleich die Vergangenheit fest.

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