240 Hertz und mehr: Die extremen Bildwiederholraten bei Laptops haben mehr Nachteile, als ihr glaubt

Ist ein Gaming-Laptop mit 360-Hz-Display wirklich sinnvoll? Erfahrt, welche Vorteile und Nachteile extreme Bildwiederholraten mit sich bringen.

Gerade höherpreisige Laptops kommen mit teils extremen Bildwiederholraten – und die bringen nicht nur Vorteile. (Quelle: Razer) Gerade höherpreisige Laptops kommen mit teils extremen Bildwiederholraten – und die bringen nicht nur Vorteile. (Quelle: Razer)

In der  Welt der Gaming-Laptops herrscht ein ständiges Wettrüsten. Kaum hat man sich an Bildschirme mit 120 oder 144 Hertz (Hz) gewöhnt, bringen die Hersteller schon Laptops mit Displays auf den Markt, deren Bildwiederholraten jenseits von 300 Hz liegen.

Für technisch versierte Nutzer stellt sich schon die Frage: Bringt eine solche Turbo-Bildwiederholfrequenz bei einem mobilen Rechner wirklich etwas oder gibt es vielleicht sogar negative Auswirkungen?

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Bildwiederholrate: Was ist das eigentlich?

Unter der Bildwiederholrate oder Bildwiederholfrequenz versteht man, wie oft pro Sekunde das Bild auf dem Display aktualisiert wird. Eine höhere Rate führt dabei zu einer flüssigeren Darstellung von Bewegungen. Das Bild wirkt ruhiger und Bewegungsunschärfe wird reduziert. Dazu kommt, dass sich für viele Spiele die Eingaben direkter anfühlen.

Dabei müsst ihr immer berücksichtigen, dass die Bildwiederholfrequenz vorgibt, wie viele FPS überhaupt dargestellt werden können. Ein Display mit 60 Hz wird genau 60-mal pro Sekunde aktualisiert. Das bedeutet, es können auch nicht mehr als 60 Frames pro Sekunde dargestellt werden. Bei 120 Hz sind es dann entsprechend maximal 120 Frames und so weiter. 

Das Master 18 von Aorus gibt es wie viele anderen High-End-Notebooks, ausschließlich mit 240-Hertz-Display. (Quelle: Aorus) Das Master 18 von Aorus gibt es wie viele anderen High-End-Notebooks, ausschließlich mit 240-Hertz-Display. (Quelle: Aorus)

Und was passiert mit den überschüssigen Frames? Wenn eure Grafikkarte mehr FPS rendert, als euer Display darstellen kann, gehen sie entweder verloren oder führen unter Umständen zu Bildfehlern wie Screen-Tearing. Diesem Phänomen könnt ihr allerdings mit dem Zuschalten von V-Sync entgegenwirken.

Braucht man wirklich eine Bildwiederholrate von 360 Hertz?

Displays mit extrem hohen Bildwiederholraten von 360 oder gar 480 Hertz richten sich klar an professionelle E-Sportler. In schnellen Shootern wie Counter-Strike 2, Valorant oder Apex Legends kommt es auf eine möglichst geringe Reaktionszeit und das präzise Verfolgen von Gegnern an. 

Mit einer besonders hohen Bildwiederholfrequenz wirken Bewegungen extrem flüssig und das Zielen wird erleichtert. Für Profispieler kann eine solche extrem hohe Bildwiederholrate daher einen spürbaren Unterschied machen.

Erwartungen nicht zu hoch schrauben

Wie erwähnt können 300 oder mehr Hertz für Profis einen Unterschied machen, ob der durchschnittliche User davon wirklich etwas spürt, ist allerdings fraglich. Der wahrnehmbare Unterschied zwischen beispielsweise 240 Hz und 360 Hz ist bereits deutlich geringer als der Sprung von 60 Hz auf 120 oder 144 Hz. 

So bewerben Hersteller gerne die Vorteile von schnellen Displays, ganz so unscharf wie hier dargestellt ist die Bildausgabe mit 60 Hertz aber natürlich nicht. (Quelle: Asus) So bewerben Hersteller gerne die Vorteile von schnellen Displays, ganz so unscharf wie hier dargestellt ist die Bildausgabe mit 60 Hertz aber natürlich nicht. (Quelle: Asus)

Bei extremen 480 Hz bewegen wir uns dann in einem Bereich, wo die Vorteile nur noch für absolute Profis unter Idealbedingungen relevant sein dürften. Dazu kommt, dass die Hardware des Laptops auch entsprechend leistungsfähig sein muss. Denn um diese extrem hohen Bildwiederholraten überhaupt sinnvoll nutzen zu können, sind konstant hohe FPS erforderlich. 

Bei Bildwiederholfrequenzen von 300 oder mehr Hertz bedeutet das, dass ihr die Grafikeinstellungen selbst in weniger anspruchsvollen E-Sports-Titeln häufig reduzieren müsst. 

In grafisch aufwendigen AAA-Spielen sind solche Frameraten auf einem Laptop selbst mit High-End-Hardware wie etwa der mobilen RTX 5080/5090 oft nur bei stark reduzierter Auflösung und Detailstufe realistisch. Am Ende tauscht ihr also Bildqualität gegen maximale Flüssigkeit.

Mögliche Nachteile

Hohe GPU-Last: Eine häufigere Bildaktualisierung bedeuten mehr Arbeit für die Grafikkarte. Besonders die Kombination aus hoher Auflösung und hoher Bildwiederholrate bringt selbst die schnellsten mobilen GPUs an ihre Grenzen. Ohne eine entsprechend leistungsstarke Grafikkarte verpufft der Vorteil des schnellen Displays einfach, da die nötigen FPS nicht erreicht werden.

CPU-Limit: Bei extrem hohen Frameraten (besonders bei niedrigerer Auflösung wie Full HD @ 360/480Hz) kann auch der Prozessor zum limitierenden Faktor werden. Die CPU schafft es dann nicht schnell genug, die Daten für die Grafikkarte vorzubereiten.

Akkulaufzeit: Besonders schnelle Displays sind echte Energiefresser. Selbst im Leerlauf oder bei einfachen Office-Arbeiten kann sich die Akkulaufzeit spürbar verkürzen, wenn nicht adaptive Sync-Technologien oder manuelle Umschaltoptionen (z.B. auf 60Hz) genutzt werden. Letztlich gilt hier das gleiche Prinzip wie beim Smartphone auch, eine höhere Bildwiederholfrequenz sorgt für eine kürzere Laufzeit.

Spulenfiepen: Speziell bei besonders hohen Frameraten kann es zu nervigen elektronischen Störgeräuschen kommen. Wie Spulenfiepen entsteht, könnt ihr im Artikel Hilfe, der Rechner fiept! erfahren.

Das solltet ihr tun

Wenn euer Laptop über Adaptive Sync verfügt, solltet ihr die Funktion auch aktivieren. Ist das der Fall, wird die Bildwiederholrate dynamisch angepasst. Bei statischen Inhalten wird die Frequenz gesenkt und bei Spielen wieder angehoben. So könnt ihr den Stromverbrauch und die CPU/GPU-Last effektiv senken.

Eine weitere Möglichkeit ist es, die maximalen Frames in Spielen zu limitieren, viele Games bieten in den Einstellungen eine entsprechende Option. Mehr als 120 FPS dürften wohl die wenigsten benötigen. In gemächlichen Spielen wie etwa Anno 1800 dürften vielen wohl auch 60 FPS völlig ausreichen.

Wenn ihr ein FPS-Limit setzt, spart ihr Energie und unterbindet unter Umständen auch elektrische Geräusche wie Knistern und das schon genannte Spulenfiepen.

Fazit

Am Ende muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ob er einen Bildschirm mit besonders hoher Bildwiederholfrequenz haben möchte. Wirklich benötigen dürften ihn allerdings die wenigsten. 120 bis 144 Hertz sind ein guter Kompromiss und bieten ein deutlich spürbares Upgrade zu 60-Hertz-Displays. 

Ab einer gewissen Preiskategorie habt ihr allerdings so gut wie keine Wahl mehr, da die Hersteller mittlerweile fast immer Panels mit 240 Hz oder mehr verbauen. Wirklich nötig wäre das nicht. Für die meisten von euch bringen die hohen Bildfrequenzen mehr Nach- als Vorteile.

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