Manche Spiele kann ich unendlich oft und unendlich lange spielen. Skyrim zum Beispiel oder Die Sims oder alle möglichen Multiplayer-Granaten von Call of Duty bis zu Marvel Rivals. Ist ja logisch, die Spiele sind schließlich drauf ausgelegt, immer neue Geschichten zu generieren. Genauso logisch, dass ich mir nach anderen Erfahrungen zufrieden den Mund abwische und vom Tisch aufstehe.
Dark Souls zum Beispiel. Hammerspiel, aber nachdem ich mir mit Ornstein und Smough mittlerweile die Essensreste aus den Zähnen pulen kann, ist irgendwann auch mal gut. Oder halt Singleplayer-Erfahrungen mit einer guten, soliden Geschichte wie Titanfall 2: Ich genieße es, erreiche den Abspann und lege es zu den Akten.
Aber dann gibt es Spiele, die diesen ganz besonderen Nerv befeuern. Spiele, die irgendwas mit mir machen, dass ich einfach nicht genug davon bekomme. Die mich mit ihren Geschichten so tief berühren wie es kaum ein Unterhaltungsprodukt je schafft. Oder auch Spiele, die ich stumpf gesagt immer weiter spielen will, aber nicht kann, weil es irgendwann einfach nichts mehr zu tun gibt. Ich würde nach dem Spielen am liebsten meine Erinnerung löschen, weil ich genau weiß: So eine Erfahrung wird es für mich kein zweites Mal geben.
Um fünf dieser Spiele geht's heute.
1. Armored Core 6
19:27
Armored Core 6 - Test-Video zum neuen Action-Feuerwerk von From Software
Ich liebe Souls-Spiele, aber in mir pulsiert nicht dieser unbändige Drang, ein Dark Souls bis New Game+ Stufe 400 zu wiederholen, damit meine Eltern endlich stolz auf mich sind – mit Ausnahme von Armored Core 6.
Armored Core 6 erschien 2023 sehr im Schatten von Elden Ring mit deutlich kleineren Ambitionen, schließlich kennt die Marke außerhalb von Japan ohnehin kaum jemand. Statt Open World bekomme ich hier eine recht klassische Kampagne mit zig Missionen, in denen ich in einem coolen Mech auf dem verwüsteten Planeten Rubicon für und gegen verfeindete Konzerne arbeite. Auf dem Papier erreicht das Spiel keinen der Superlative eines Elden Ring, Bloodborne oder Dark Souls.
Aber Himmel, Armored Core 6 hat mich keine Sekunde losgelassen. Ich habe mich so verloren in dieser fremdartigen, verlassenen Welt von Rubicon. Im gesamten Spiel sieht man nicht ein einziges menschliches Gesicht, obwohl zig Fraktionen um die Vorherrschaft ringen. Mein eigener Avatar Raven ist eine traurige Existenz, untrennbar verbunden mit seinem gestohlenen Mech, alles ist trostlos, verwüstet, aber am Ende des Tages doch nicht ohne Hoffnung.
Der Soundtrack, die lakonischen Charaktere, die weiten Landschaften – die Atmosphäre von Armored Core 6 ist unbeschreiblich einzigartig. Aber: Das Gameplay ist es auch. Spätestens nach dem unvergesslichen Balteus-Bosskampf hat es bei mir Klick
gemacht wie selten bei einem Spiel. Ich fetze durch die Level, optimiere meine Ausrüstung, beiße mir die Zähne aus und wiederhole das Ganze.
Und erst beim zweiten und dritten Durchspielen schalte ich die wirklich kniffligen Missionen, aber auch komplett neue Enden frei. So wurde Armored Core 6 zum ersten Spiel seit Max Payne 2 in meinen Teeniejahren, das ich am Stück mehrmals hintereinander durchgespielt habe. Und nach dem finalen Abspann saß ich davor und hatte immer noch nicht genug. Nur leider habe ich alles gesehen und erledigt.
2. Metal Gear Solid 1 - 3
1:57
Metal Gear Solid Delta: Snake Eater - Das Release-Date des Remakes ist jetzt offiziell
Metal Gear Solid war seiner Zeit schon vor 25 Jahren weit voraus, aber das wisst ihr längst, denn YouTube explodiert förmlich vor fünfstündigen Essays ambitionierter Soziologie-Drittsemester, die euch erklären, warum Hideo Kojima schon Anfang der 2000er die Krisen des modernen Informationszeitalters vorausgesehen hat. Denn das hat er.
Aber die ersten drei Metal Gear Solids sind auch einfach verflixt guter Agenten-Porn voller Wendungen, Intrigen, Überraschungen und unvergesslicher Szenen. Nichts davon hat es vorher in einem Videospiel gegeben, ich saß damals permanent mit offener Kinnlade vor meinem kleinen Röhrenfernseher. Und ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich beispielsweise den ersten Auftritt von Grey Fox in Twin Snakes sehe:
Link zum YouTube-Inhalt
Ich bin noch nie so schnell in den Saturn gerannt, um eine Fortsetzung zu kaufen, wie damals nach dem Abspann von Metal Gear Solid 1, als ich die schockierende Wahrheit erfuhr: Der Präsident der Vereinigten Staaten ist in Wahrheit ein Klon?! Ich würde alles dafür geben, die Story der ersten drei Metal Gears nochmal von vorne erleben zu können.
Gleichzeitig würde ich mein gelöschtes Gehirn eindringlich davor warnen, Metal Gear Solid 4 und 5 zu spielen. In meinen Augen hat Kojima hier viel von der Genialität der ersten drei Teile zerstört mit bizarren Storyentwicklungen, die einfach nur subversiv um der Subversion willen sein wollen.
3. Assassin's Creed Shadows
1:31:49
Assassin's Creed Shadows ist nicht das Spiel, das wir erwartet haben
Ja, ja, ich nehme euch den Joke direkt vom Brot: Haha, ich hätte nach Shadows auch am liebsten meine Erinnerung gelöscht, weil es so lahm ist!
Ich weiß, Ubisoft-Spiele und Assassin's Creeds im Besonderen klicken lange nicht bei allen da draußen. Viele Leute stören sich am stumpfsinnigen Open-World-Grind, dem repetitiven Gameplay und dem aufgesetzten Monetarisierungskrempel. Kann ich verstehen, eure Kritik sei euch vergönnt.
Aber ich persönlich liebe es, mich in der Welt des feudalen Japans zu verlieren. Shadows setzt den Fokus genau dort, wo ich ihn bei Assassin's Creed haben möchte: Ich erledige Attentate, infiltriere Festungen und erkunde nebenbei mysteriöse Grabkammern und erklimme Klippen. Obwohl ich Shadows testen und damit innerhalb weniger Tage durchprügeln musste, bekomme ich von diesem Gameplay-Loop einfach nicht genug.
Umso trauriger, dass es jetzt einfach nichts mehr zu tun gibt. Aktuell logge ich mich alle paar Tage mal ein, absolviere diese merkwürdigen Animus-Weeklys, um neue Items freizuschalten, aber abseits davon bin ich Max Level, habe alle Ziele umgebracht und die gesamte Open World erkundet. Zum Glück wartet am Horizont der erste DLC, der zumindest irgendwann 2025 erscheinen soll.
4. Mafia
PLUS
16:00
Das Ende von Mafia hat in der Definitive Edition an Wucht verloren
Auch 25 Jahre später hat mich kaum eine andere Open-World-Geschichte so gepackt wie die des allerersten Mafia. Dabei ist sie auf dem Papier so viel simpler als beispielsweise die von GTA 5. Ein mittelloser Taxifahrer schlittert in die Welt des organisierten Verbrechens, verliebt sich in die romantisierte Gangster-Fantasie und erlebt irgendwann das böse Erwachen. So klassisch wie die uralten Gangsterfilme der 1930er.
Aber Mafia 1 schafft, woran gerade moderne Open Worlds oft scheitern: Die Story bleibt fokussiert, stringent, malt mit kräftigen Strichen. So freunde ich mich als Spieler wirklich mit meinen Kumpanen Pauli und Sam an, ich fiebere wirklich mit Tommy mit, wenn er seine Frau kennenlernt, für Salieri das Rennen gewinnt und so weiter. Wenn die Linie zwischen Gut und Böse plötzlich verschwimmt, dann durchlebe ich genau die gleichen Loyalitätskonflikte wie Tommy selbst.
Kurzum: Mafia 1 gelingt genau das, was einem guten Gangster-Spiel gelingen sollte. Es zieht mich tief rein in die Schuhe eines Gangsters, es verführt mich, hintergeht mich und zeigt mir den Spiegel. Es erzählt die gleiche Tragödie wie Scarface und Co., aber raubt mir die Distanz, die ich im Kinosaal weit weg vom Geschehen bequem einnehmen kann. Ich bin derjenige, der am Ende gegenüber Sam den Abzug drückt.
Wer das einmal erlebt hat, wird es niemals vergessen. Auch wenn ich es manchmal gern würde, nur um nochmal die gleichen Höhen und Tiefen zu durchleben.
5. The First Berserker: Khazan
13:53
The First Berserker: Khazan - Eines der besten Soulslike ist auch eines der schwersten
Khazan hat mich eiskalt erwischt. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem netten Soulslike, um mir nach dem Shadows-Test ein wenig die Feierabende zu vertreiben. Und nett
ist eigentlich alles, was The First Berserker: Khazan verkauft: ein Best-Of des Genres ohne große Schnörkel. Bockschwere Kämpfe, ein düsteres Fantasy-Setting, brutale Bosse, ein Fokus auf Ausweichen und Parieren. Ein bisschen Nioh, ein bisschen Sekiro, ein bisschen Dark Souls. Solide Genrekost hätte man das früher genannt.
Dementsprechend schwer kann ich mit dem Finger darauf zeigen, wieso mich ausgerechnet Khazan nicht mehr loslässt. Am Ende des Tages ist es wahrscheinlich der Rhythmus: Khazan trifft genau die perfekte Balance aus linearen Leveln, die mich im Feierabend nicht über-, aber doch fordern. In Khazan kann ich beinahe komplett abschalten; das Spiel spielt sich auf Autopilot. Ich besiege alle Gegner in einem Areal, sacke die Beute ein, optimiere ein paar Werte, weiter geht's.
Wo mich Dark Souls und Co. immer wieder vor Umgebungsherausforderungen stellen, beispielsweise Platforming, Navigationsprobleme und so weiter, konzentriert sich Khazan komplett auf seine fetzigen Fights. Und die sind wiederum erste Sahne! Mit meinem Doppeklingen-Build aus Axt und Schwert wirble ich um Gegner herum, pariere ihre Angriffe, knalle ihnen per Konter den Donnerschlag auf die Rübe und zerkloppe selbst die größten Drachen.
Ich bekomme von Khazan einfach nicht genug, aber nach 40 Stunden bleibt kein Futter mehr übrig. Ich habe jede Mission erledigt, jede Nebenquest absolviert, das beste der drei Enden erreicht und der New Game+ wärmt all das nur ein bisschen auf. Hinter mir liegt ein unglaublicher Tanz, den ich so gerne wieder mit frischen Augen wiederholen würde.
Aber immerhin haben die Devs schon neue Inhalte angekündigt. Vielleicht ja ein Addon. Es wäre so schön.
So, jetzt seid ihr dran. Von welchen Spielen bekommt ihr einfach nicht genug? Gibt es eine unvergessliche Erfahrung, die ihr liebend gern nochmal erleben würdet? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
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