Es gibt ein paar Aha-Erlebnisse in meinem Gaming-Leben, die ich nie vergessen werde: Sich das erste Mal in Doom durch eine dreidimensionale Spielwelt bewegen. Zum ersten Mal einen Monitor mit 120 Hertz nutzen. Und zum ersten Mal eine VR-Brille beziehungsweise die Oculus Rift tragen (auch wenn es noch ein Vorabmodell war). Dank des mit über 5.000 Euro extrem teuren Asus-Monitors ProArt PA32UCG-K gesellt sich ein neues Erlebnis dieser Art hinzu: Zum ersten Mal herausragendes HDR in Spielen erleben.
Aber Halt! Bitte lest auch dann weiter, wenn ihr jetzt denkt Pfffff, schon wieder das leere Marketing-Schlagwort HDR
. Da steckt mehr dahinter, wie schon dieser Erfahrungsbericht vom Kollegen Sören Diedrich zeigt, und HDR kann trotz seines bisherigen Nischendaseins auf dem PC auch hier Substanz haben - aber was für eine!
Inhaltsverzeichnis:
- HDR hinkt auf dem PC hinterher
- Den entscheidenden Unterschied könnt ihr nicht sehen
- Vergleichsbilder in Spielen
- Es muss kein Monitor für 5.000 Euro sein
- HDR ist keine Allzweckwaffe
HDR hinkt auf dem PC noch hinterher
Bevor ich euch schildere, woher diese Substanz kommen kann und wie genau mich der Asus-TFT mit seinen im PC-Bereich extremen und seltenen technischen Daten so von den Socken gehauen hat, muss ich zur besseren Einordnung etwas vorweg schicken: Ich besitze weder eine Spielekonsole noch einen aktuellen Fernseher.
In beiden Kategorien ist HDR meinem Eindruck nach bislang deutlich weiter vorangeschritten als auf dem PC, auch da Konsolen im Gegensatz zu Rechnern meist an TVs angeschlossen werden. Es ist also gut möglich, dass ihr mit längst etwas voraus habt, auch weil HDR auf dem PC generell kaum ein Thema ist.
Interessanterweise hat mein Fernseher übrigens trotz seines hohen Alters und der Abwesenheit von jedweden HDR-Eigenschaften immer noch einen Vorteil gegenüber PC-Monitoren. Mehr dazu erfahrt ihr im Artikel Was mein zwölf Jahre alter Fernseher fast jedem Gaming-Monitor voraus hat
Aber zurück zum Asus-TFT: Nachdem ich gesehen habe, was auch auf meiner geliebten PC-Plattform mit einem neuen Monitor möglich ist, bekomme ich diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf und wünschte ich mir, ich könnte in der Zeit zurückreisen und all die tollen Titel nochmal so erleben, wie es wirklich sein sollte: Mit HDR! Wenn es HDR denn schon immer gegeben hätte. Aber das ist nicht der einzige Haken.
Den entscheidenden Unterschied könnt ihr nicht sehen
Das aus meiner Sicht größte Problem betrifft nicht den Monitor selbst, sondern die Tatsache, dass ich seine mit Abstand wichtigste Eigenschaft nur beschreiben und nicht wirklich auf Bildern zeigen kann. Es geht um den extrem hohen Kontrast, der auch dank einer im PC-Bereich fast unerreichten Helligkeit von 1.000 cd/m² (typisch) beziehungsweise 1.600 cd/m² (HDR) erzielt wird.
Selbst wenn ich das auf einem Foto adäquat festhalten könnte, bräuchtet ihr immer noch einen vergleichbaren Monitor, um den Unterschied wirklich sehen zu können, und solche Geräte sind extrem selten. Auf diese Schwierigkeit gehe ich auch in unserem Grundlagen-Video zu HDR näher ein:
5:56
Was ist HDR? - High Dynamic Range erklärt
Zur besseren Einordnung der Helligkeitswerte des Asus-Monitors hilft der Blick auf die TFT-Datenbank des Preisvergleichsportals Geizhals.de. Von über 2.300 Modellen kommen nur 56 auf eine typische Helligkeit von über 500 cd/m². Monitore mit einer maximalen HDR-Helligkeit von über 1.200 cd/m² könnt ihr wortwörtlich an zwei Händen abzählen. Die mit HDR potenziell bessere Farbgebung tritt für mich gleichzeitig gegenüber den hohen Kontrasten klar in den Hintergrund.
Und was bedeuten diese Werte jetzt in der Spielepraxis?
Nicht weniger, als dass Spiele ganz anders und viel echter aussehen - vorausgesetzt, sie unterstützen HDR und können etwas mit den bemerkenswerten Eigenschaften des ProArt-Monitors anfangen. Um ein grobes Gefühl dafür zu bekommen, was ich damit meine, folgen drei Beispiele:
- Ein unheimlicher Keller in Resident Evil Village, der auf einmal auch wirklich dunkel ist, und dessen wenige Lichtquellen wie Kerzen dadurch eine umso trügerische Anziehungskraft entwickeln.
- Das von Neon-Lichtern durchflutete Night City in Cyberpunk 2077, das viel bunter, greller und lebendiger auf mich wirkt als bisher.
- Der Treppenaufgang der U-Bahn-Haltestelle am Trafalgar Square in Watch Dogs Legion, der grelles Sonnenlicht von der Oberwelt hereinlässt, das im Vergleich mit der dunkleren Unterwelt gleich noch mal so hell erstrahlt.
Es ist schwer zu beschreiben, wie viel echter sich Spiele durch diesen deutlich höheren Kontrast im Vergleich zu typischen Monitoren anfühlen, aber der Unterschied kann frappierend sein, weil HDR unseren Sehgewohnheiten aus der realen Welt viel näher kommt als SDR:
Die Folge: Bislang bin ich in Watch Dogs Legion nach einer Schnellreise per U-Bahn immer achtlos schnell die Treppe hochgerannt, weil oben oder unten und dunkler oder heller keinen nennenswerten Unterschied gemacht haben. Mit gutem HDR konnte ich dagegen gar nicht anders, als kurz innezuhalten und bewundernd wahrzunehmen, wie viel greller die Oberwelt von unten aussieht und wie viel stärker ich dadurch das Gefühl habe, mich wirklich in einer U-Bahn-Station zu befinden.
Um euch nicht völlig auf dem Trocknen sitzen zu lassen, zeige ich euch trotz der oben genannten Einschränkungen Vergleichsfotos davon, weil sie zumindest erahnen lassen, in welche Richtung es geht. Bedenkt aber beim Betrachten der Bilder, dass sie weit davon entfernt sind, die ganze Wahrheit zu zeigen. Hier geht es direkt zur nächsten Seite mit den Fotos.

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