Horizon: Zero Dawn
Steffi Schlottag: Ganz fair fühle ich mich nicht dabei, Horizon: Zero Dawn in diese Liste zu packen, denn dessen Story ist absichtlich darauf ausgelegt, dass Spielfigur Aloy erstmal die Welt erkundet und allen möglichen Leuten hilft. Aber ich habe die Hauptmissionen durchaus immer bis zum letztmöglichen Moment hinausgezögert und stattdessen lieber dieses faszinierende Zukunfts-Steinzeit-Dinoroboter-Setting genossen.
Ich liebe die vielen Nebenmissionen, die mir nach und nach mehr zur spannenden Lore enthüllen. Da stört mich nicht mal Sammelkram! Außerdem genieße ich es auch, einfach ziellos durchs Land zu stromern und die Ruinen der untergegangenen Zivilisation zu betrachten. Hier versteckt sich viel gelungenes Environmental Storytelling.
Und natürlich sind da die tierförmigen Roboter, die die Welt bevölkern. Nur wer alle Ecken und Enden durchsucht, findet sie alle. Das gilt noch mehr für den Nachfolger Forbidden West, der mir mit Tauchen und Fliegen weitere Möglichkeiten zum freien Erkunden liefert.
Die aktuellen Entwicklungen in der realen Welt machen Horizon übrigens nochmal zu einem ganz anderen, sehr eindrücklichen Erlebnis. Vor zehn Jahren konnte man über »KI gerät außer Kontrolle und vernichtet die ganze Welt« noch lächeln und sich unterhalten fühlen. Inzwischen leider tatsächlich eine mögliche Zukunftsaussicht.
Kingdom Come: Deliverance 2
Tillmann Bier: Wenn die Hauptstory von Spielen eine gewisse Dringlichkeit vermitteln will und wir sie trotzdem ignorieren, dann ist das für mich auch eine erzählerische Schwäche. Umso besser gefiel es mir im ersten Kapitel von Kingdom Come: Deliverance 2, dass mir das Spiel stattdessen sagt: Für die Hauptstory bist du sowieso noch nicht bereit, du stinkender Nichtsnutz, also erkunde erst mal fleißig!
Das klingt vielleicht unhöflich, aber für mich ist es ein genialer Schachzug. Denn ich will in den meisten Open-World-Spielen ja nichts lieber machen, als einfach durch die Welt zu streifen, Geheimnisse zu entdecken und Nebenquests anzunehmen. Dass Kingdom Come 2 mir in seine Erzählung eine Ausrede zum gemütlichen Erkunden einbaut, ist eine willkommene Abwechslung zu: Wenn du nichts tust, wird die Welt untergehen!
und Dein Sohn wurde entführt, du würdest doch nicht erst 20 Siedlungen aufbauen, bevor du ihn rettest?
Da bin ich doch lieber ein stinkender Nichtsnutz und erkunde in aller Seelenruhe eine wunderschöne Mittelalterwelt. Die Hochzeit findet ja erst in ein paar Wochen statt! Oder Monaten?
Red Dead Redemption 2
Fabiano: Als ich 2018 in dem Western-Epos von Rockstar versunken bin, habe ich so einiges vergessen. Das Mittagessen, meinen Friseurtermin, Schlafengehen und sogar die Abgabefrist für meine Bachelorarbeit (hat gerade so noch geklappt). Und ja, die Hauptquest über weite Strecken auch. Für mich ist Red Dead Redemption 2 bis heute die wohl einnehmendste offene Spielwelt, die ich je bereisen durfte.
So glaubhaft hat es sich für mich selten angefühlt, eine Reise durch die digitale Natur zu unternehmen. Vergleichbar wäre in der Hinsicht höchstens Kingdom Come: Deliverance 2. Doch in Red Dead war ich nochmal stärker versucht, die ganze Zeit über mein eigenes kleines Western-Abenteuer zu unternehmen, anstatt der Hauptstory zu folgen.
Viel zu viel Spaß hatte ich schlicht damit, mich an den Landschaftsbildern zu ergötzen oder das Wildleben in den abwechslungsreichen Regionen zu studieren. Nebenbei sind immer wieder komplett absurde Dinge passiert. Ich werde nie vergessen, wie ich einen Lynchmob des Ku-Klux-Klans mit TNT gesprengt habe oder wie ich in einem einsamen Wald plötzlich Geister flüstern hörte. Zum Glück bin ich der Hauptstory dann doch noch gefolgt – denn die gehört zum Besten, was Rockstar je hervorgebracht hat.
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