Ad Hoc News: Wie eine deutsche Finanzzeitung euren Google News-Feed mit AI Slop flutet und dafür GameStar missbraucht

Ein aktuelles Beispiel auf Kosten von GameStar zeigt, wie einfach sich Google selbst mit miesesten KI-Inhalten austricksen lässt. Was gerade passiert und was ihr dagegen tun könnt.

Heiko bildet sich ein, für wirklich vieles Verständnis aufbringen zu können. Für das Vorgehen von Ad Hoc News fehlen aber selbst ihm die Worte. Heiko bildet sich ein, für wirklich vieles Verständnis aufbringen zu können. Für das Vorgehen von Ad Hoc News fehlen aber selbst ihm die Worte.

Alle, die mich kennen, wissen, dass ich eine goldene Regel habe: Ich äußere mich niemals öffentlich negativ über Wettbewerber. Weil ich weiß, wie hart dieser Job ist. Weil ich nicht auf Kosten anderer Menschen künstliche Aufregung generieren möchte. Weil ich grundsätzlich davon ausgehe, dass es für alles Gründe gibt und jeder sein Bestes gibt.

Wenn ich diese Regel nach 25 Jahren zum ersten Mal breche, dann muss also schon etwas ziemlich Krasses passiert sein. Und etwas, bei dem ich jeden Respekt vor der Arbeit der Kollegen verliere.

Gemeint ist die selbsternannte »Finanzzeitung für Deutschland« Ad Hoc News, die aktuell euren Google News Feed zuspammen mit Schlagzeilen wie »Neuester GameStar-Hit: Warum dieses Spiel die Gaming-Welt erschüttert und deutsche Spieler begeistert«. Und vielleicht habt ihr jetzt schon eine ungefähre Ahnung, warum mich dieser konkrete Fall so beschäftigt.

Heiko Klinge
Heiko Klinge

Für GameStar-Chefredakteur Heiko wird generative KI den größten Transformationsprozess im Medienbereich seit dem Wechsel von Print zu Online verursachen. Wer davor in der Branche die Augen verschließt, wird sie über kurz oder lang nicht wieder öffnen. Aber er ist überzeugt, dass GameStar auch aus diesem Transformationsprozess gestärkt hervorgehen wird. Weil am Ende des Tages die Leute eben doch Inhalte von Menschen wollen, bei denen sie die gleiche Leidenschaft für Spiele spüren, die sie selbst empfinden.

Was ist passiert?

Der Witz an der oben genannten Headline: In der gesamten »News« wird nicht genannt, um welches Spiel es beim ominösen GameStar-Hit eigentlich geht. Dafür erfahre ich, dass »dieser Spiel veröffentlicht wurde mit Features, die die Grenzen des Möglichen erweitern.«

Später heißt es: »In den letzten 48 Stunden haben Foren und Social Media explodiert mit Diskussionen. Verkaufszahlen steigen rasant, was den Hype bestätigt.« Ich würde wirklich gern wissen, auf welchen GameStar-Artikel sich dieser Text bezieht. Aber ich werde es nie erfahren, da keinerlei Quelle genannt wird, geschweige denn ein Link.

Der »Artikel« von Ad Hoc News wirft bei mir unzählige Fragen auf, ohne eine einzige zu beantworten. Welcher Hit? Welche Debatte? Welcher Top-Beitrag? Warum diese Frau auf diesem Teaserbild? Wieso das alles? Der »Artikel« von Ad Hoc News wirft bei mir unzählige Fragen auf, ohne eine einzige zu beantworten. Welcher Hit? Welche Debatte? Welcher Top-Beitrag? Warum diese Frau auf diesem Teaserbild? Wieso das alles?

Dafür bekomme ich von Ad Hoc News das Versprechen: »Von hier aus vertiefen wir uns weiter. GameStar neuer Hit im Detail bietet mehr zu Strategien. Auch Spiegel Games-Bericht beleuchtet Trends.« Samt Links, die ins 404-Nirwana führen.

Obwohl manche Social Media Postings etwas anderes suggerieren: So schreibt kein Mensch! Sondern Ad Hoc News nutzt hier offenkundig generative KI, um das Netz und eure Feeds mit komplett inhaltsleeren und in großen Teilen fehlerhaften Nachrichten zu fluten.

Video starten 2:11 Dass KI inzwischen nahezu alles innerhalb kürzester Zeit erstellen kann, solange einem das Ergebnis wurscht ist, haben wir unlängst mit unserem eigenen ... nunja ... »Spiel« GameStar Survivors bewiesen.

Dafür nutzt Ad Hoc News vermutlich etwas, das wir ursprünglich als Service für euch eingeführt haben: unseren RSS-Feed. Als Beweisstück B präsentiere ich euch die Headline »GameStar-RSS: Neuester Hit im Gaming-Universum – Frischer Release sorgt für Hype unter deutschen Spielern«.

Es spricht allerdings vieles dafür, dass ihre AI Bots unseren RSS Feed nicht mal korrekt auslesen, denn sämtliche von mir geprüften Ad-Hoc-Inhalte, die GameStar referenzieren, nennen keinerlei konkrete Infos, sondern verlieren sich komplett in KI-generierten Allgemeinplätzen, die nichts mit unseren Artikeln zu tun haben. Ein paar Kostproben:

  • »Die Ankündigung fiel auf fruchtbaren Boden, da Spieler weltweit nach Abwechslung hungern.« (Quelle)
  • »Der neueste Beitrag auf GameStar.de beleuchtet einen hoch erwarteten Release, der in den letzten Stunden für rege Diskussionen sorgt.« (Quelle)
  • »Die Gaming-Welt steht nie still, und die neuesten Meldungen von GameStar unterstreichen das eindrucksvoll.« (Quelle)

All das legt nahe, dass es Ad Hoc News in keinster Weise um Informationsvermittlung oder gar einen journalistischen Anspruch geht. Sondern einzig allein darum, mit AI Bots möglichst viele Klicks von unbedachten Usern zu farmen und Geld an den Google Ads zu verdienen.

Warum funktioniert das?

Das Prinzip ist von Ad Hoc News ist so gesehen simpel: Man nimmt eine starke Medienmarke wie GameStar oder auch Spiegel (die ebenfalls betroffen sind) und setzt einen KI-Prompt auf, der diesen Markennamen mit reißerischen Überschriften kombiniert, um damit den Google Bot mit automatisch generierten News vollzupumpen. All das in der Hoffnung, dass es einige davon in die Discover Feeds schaffen, einfach weil die Schlagworte passen.

Eigentlich sollte das laut den Google-Leitlinien trotzdem nicht funktionieren, weil die KI-generierten Inhalte von Ad Hoc News wirklich jede einzelne der dort aufgestellten Qualitätskriterien fundamental missachten.

Tagelang wurde mein Gaming-Feed bei Google News von AI Slop geflutet, was laut den Google-Qualitätskriterien niemals hätte passieren dürfen. Tagelang wurde mein Gaming-Feed bei Google News von AI Slop geflutet, was laut den Google-Qualitätskriterien niemals hätte passieren dürfen.

Warum Google die Inhalte trotzdem in seinen Feeds ausspielt, kann nur Google selbst beantworten. Was das Unternehmen grundsätzlich nicht macht, zumindest nicht uns gegenüber oder gar öffentlich. Aber klar ist: Wo es automatisierte Systeme gibt, gibt es immer auch Menschen, die versuchen, diese Systeme auszutricksen und zu manipulieren.

Denn ich bin sicher, dass Google kein Interesse daran hat, solche objektiv minderwertigen KI-Inhalte an seine User auszuspielen.

Aber das Beispiel zeigt eben auch, wie anfällig Google für solche Tricks offenbar ist. Und man muss kein Wahrsager sein, um vorherzusehen, dass dies angesichts des KI-Transformationsprozesses nur ein kleiner Vorgeschmack dessen ist, was hier auf Google und Medien zurollt.

Was sich dagegen machen lässt

Selbstverständlich habe ich die Redaktion von Ad Hoc News mit den Vorwürfen konfrontiert, bis dato aber keine Antwort erhalten. Sollte sich das ändern, werde ich den Artikel entsprechend aktualisieren.

Und natürlich schauen wir uns an, wie sich darüber hinaus verhindern lässt, dass sich jemand mit KI-Bots an GameStar-Inhalten bedient, um mit unserer redaktionellen Arbeit Geld zu verdienen.

Falls ihr solche AI-Slop-Inhalte in eure Feeds gespült bekommt, könnt ihr sie bei Google melden und so dafür sorgen, dass Google diese Websites auf den Schirm bekommt und (hoffentlich) entsprechende Maßnahmen ergreift.

Ihr könnt bei Google Inhalte melden, die eurer Ansicht nach ein qualitatives Problem haben. Was Google mit diesen Meldungen macht, bleibt allerdings im Dunkeln. Ihr könnt bei Google Inhalte melden, die eurer Ansicht nach ein qualitatives Problem haben. Was Google mit diesen Meldungen macht, bleibt allerdings im Dunkeln.

Ich bin aber auch ehrlich: Angesichts dessen, dass Google selbst immer mehr KI-generierte Inhalte als Suchergebnisse ausspielt, die mal mehr und mal weniger stimmen, hält sich mein Vertrauen in den Tech-Giganten in engen Grenzen.

Worum es eigentlich geht

So ärgerlich, dreist und … nunja … dilettantisch der Fall Ad Hoc News auch ist, trifft uns das generelle Problem deutlich weniger als viele andere Redaktionen und Content Creator. Wir haben das Glück, Deutschlands größte Gaming Website zu sein. Tausende Menschen machen sich jeden Tag die Mühe, GameStar.de direkt anzusurfen. Viele weitere Tausend unterstützen unsere journalistischen Inhalte direkt mit einem Plus-Abo.

Dafür sind wir wahnsinnig dankbar. Denn das ermöglicht es uns, dass wir nach wie vor verhältnismäßig viele Menschen dafür bezahlen können, dass sie euch mit informativen, unterhaltsamen, vor allem aber persönlichen Inhalten versorgen.

Der Fall Ad Hoc News hat mich nochmal darin bestätigt, wie wichtig es ist und immer mehr sein wird, dieses Menschliche im Journalismus zu bewahren und in den Vordergrund zu stellen. Vielleicht sind euch ja schon die neuen Autorenfotos unter den Artikeln auf der Homepage aufgefallen. Oder die Team-Sektion mit den jeweils aktuellen Inhalten unserer Autoren.

Persönlicher Journalismus ist meiner Ansicht nach der beste Konter gegen KI-Inhalte. Aber man muss ihn natürlich nicht nur sichtbar machen, sondern auch liefern. Persönlicher Journalismus ist meiner Ansicht nach der beste Konter gegen KI-Inhalte. Aber man muss ihn natürlich nicht nur sichtbar machen, sondern auch liefern.

Ich mache mir nichts vor: Wir stehen erst ganz am Anfang der KI-Flut und künftige AI Bots werden wesentlich kompetenter vorgehen als die von Ad Hoc News.

Falls ihr darauf genauso wenig Bock habt wie ich, gibt es vor allem eines, was ihr tun könnt: Sucht euch die Medien, Journalisten, Content Creator und vor allem Menschen, denen ihr wirklich vertraut und unterstützt sie direkt. Indem ihr sie ohne Google-Umwege besucht. Indem ihr sie direkt unterstützt.

Natürlich ist das keine Einbahnstraße. Denn die Medienschaffenden müssen sich dieses Vertrauen verdienen und den Beweis antreten, dass eben einen Unterschied macht, ob ein Mensch einen Inhalt erstellt hat oder eine künstliche Intelligenz. Für GameStar kann ich versprechen, dass wir dafür alles Menschenmögliche geben werden. Jeden Tag aufs Neue.

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