Ich kann die Screenshots von Anno: Mutationem hören. Beim Blick auf die neondurchflutete Nacht plätschert sofort Regen in meinem Ohr, das Zischen fliegender Autos durchschneidet die Luft und elektronische Beats wummern durch meinen Gehörgang wie eine winzig kleine Blaskapelle.
Noch mehr Cyberpunk geht nur, wenn ich mich per Braindance nach Night City katapultiere. Bis die Technik soweit ist, klicke stattdessen auf den »Installieren« -Button der etwa einstündigen Steam-Demo und möchte euch dasselbe raten. Die kratzt beim spielerischen Potenzial erst an der Oberfläche, schwitzt aber stylische Cyberpunk-Atmosphäre aus jeder Pore.
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Obi-Wan Kenobi will sein Lichtschwert zurück
Anno (nicht zu verwechseln mit diesem Anno) schreibt sich Action, Adventure und Rollenspiel auf die Neontafeln. In der Demo erlebe ich aber hauptsächlich die ersten beiden. Heldin Ann verliert dank einer seltenen Krankheit langsam die Kontrolle über sich, lässt stoisch wissenschaftliche Tests über sich ergehen und trägt einen speziellen Anzug, der ihre Kräfte kontrolliert und in die richtigen Bahnen lenkt - meist in das Gesicht der Gegner.
Das spaltet sie am liebsten mit einem blauen Lichtschwert-Katana und schickt gleich noch ein paar Lasersalven mit dem Blaster hinterher, wenn es eng wird - quasi Obi-Wan und Han Solo in einem. Ann springt hoch, gleitet über den Boden und staucht Gegnern mit wuchtigen Finisher Moves die Cyborg-Rüstungen zu Metallschrott zusammen.
Das spielt sich wie ein flüssig einstudiertes Gewaltballett, verlangt aber noch keine spektakulären Kombos oder schnelles Timing - einfach voll draufhalten reicht anfangs. So simpel bleibt es aber wohl nicht - laut Steam-Seite schneidere ich mir später mit Chips, Fähigkeiten, Waffen und Rüstungen eine Cyber-Ann nach Maß zusammen.
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Eine Stadt, die Cyberpunk blutet
Volles Pfund auf's Maul ist im Cyberpunk-Universen aber selten die einzige Lösung. Subtileres Vorgehen lehrt mich Hacker-Kumpanin Ayane, dank der ich Türen (natürlich) per Minispiel manipuliere und mir nebenbei über Funk spöttische Kommentare anhöre - in der Demo entfaltet sich die Dynamik des ungleichen Duos noch nicht voll, hat aber Potenzial.
Mein Fan-Herz stimmt aber am lautesten in den (tatsächlich vorhandenen) Elektro-Soundtrack ein, wenn ich die Stadt erkunde. Scheinbare 2D-Pixelhintergründe verdrehen sich in 3D-Kulissen und offenbaren an jeder Ecke ein weiteres Cyberpunk-Diorama, das bis in den kleinsten Kanji-Pinselstrich durchdacht und stimmig wird.
Genervte Geschäftsleute telefonieren neben bedrohlichen Cyborg-Soldaten, zwielichtige Flugautos mit getönten Scheiben landen neben Prostituierten und kleine Buchläden verschwinden hinter Bildschirmen und Werbeplakaten. Als Ann bin ich mittendrin, kann Läden betreten, um aufgesammelten Müll zu verkaufen, mit Passanten interagieren und später auch besondere Events und Nebenaufgaben auslösen.
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ANNO: Mutationem - Trailer stellt Cyberpunk-Actionspiel vor
Mehr als Neonreklamen
Cyberpunk geht weit über Neon, Hacking oder ein futuristisches Waffenarsenal hinaus. Die Menschen zerbrechen genauso wie die Hightech-Metropole um sie herum, der Traum von einer besseren Zukunft zerfällt langsam an Ungleichheit, Machtgier und Verzweiflung. Probleme werden mit Drogen betäubt, statt gelöst, während sich einige wenige an ihnen bereichern.
All das blitzt bei der Demo schon unter der Oberfläche hervor. Egal, wie spaßig und anspruchsvoll die flotten Kämpfe letztlich werden, hier hat Anno: Mutationem die Chance, mit seiner beeindruckenden Welt so zu glänzen, wie es nur dieses besondere Genre kann.
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