Arbeitsspeicher defekt? So testet ihr den RAM und beugt Problemen vor

Fehlerhafter RAM kann lange unbemerkt bleiben, führt schlimmstenfalls aber zu Datenverlust. Wir zeigen euch, wie ihr die Stabilität überprüfen könnt.

von Leon Marlon Klein,
12.06.2021 17:00 Uhr

Ihr befürchtet, dass euer Arbeitsspeicher nicht richtig funktioniert? Wir erklären euch, wie ihr euren RAM auf Fehler überprüfen könnt. Ihr befürchtet, dass euer Arbeitsspeicher nicht richtig funktioniert? Wir erklären euch, wie ihr euren RAM auf Fehler überprüfen könnt.

Ungereimtheiten mit dem Arbeitsspeicher sind im alltäglichen Gebrauch nicht unbedingt einfach zu erkennen. Abseits von Bluescreens mit eindeutigen Fehlermeldungen, zeigen sich die Folgen von instabilem RAM meist in unscheinbaren Spiel- und Programmabstürzen, die schnell in Vergessenheit geraten können.

Es kommt außerdem erschwerend hinzu, dass solche Probleme potenziell erst dann auftreten, wenn die fehlerhaften Bereiche des Speichers auf eine bestimmte Art und Weise angesprochen werden. Da der Arbeitsspeicher selten voll ausgelastet wird, verringert sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Szenario regelmäßig eintritt.

Sollte es aber zu einer Fehlfunktion kommen, können euch schlimmstenfalls ganze Datensätze und somit gegebenenfalls Spiel- oder Projektfortschritte verloren gehen. Wir erklären euch, wie ihr solchen Problemen vorbeugt, indem ihr euren RAM mithilfe der folgenden Tools überprüft.

Wie ihr Probleme erkennt, die mit eurer Grafikkarte zusammenhängen, erfahrt ihr hier:

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Fehlersuche mit MemTest86

MemTest 86 ist ein (kostenloses) Programm, das den Arbeitsspeicher eures Rechners unabhängig vom Betriebssystem überprüft. In der Praxis könnt ihr damit also neben Windows-PCs auch Linux- und Mac-basierte Systeme testen.

Anders als es der Name des Programms vermuten lässt, seid ihr dabei nicht einmal auf die x86-Architektur beschränkt, auf der beispielsweise die aktuellen AMD- und Intel-CPUs beruhen. Systeme mit ARM64-Prozessoren lassen sich laut Hersteller ebenso damit testen.

Die Einrichtung und Verwendung von MemTest86 ist benutzerfreundlich gestaltet und setzt nur einen USB-Stick (>= 512 MB) sowie eine Internetverbindung zum Herunterlanden des Programms voraus. Wir beschränken uns bei diesem Guide allerdings auf die Einrichtung des Boot-Sticks unter Windows (Anleitungen für andere Betriebssysteme findet ihr in der »readme.txt«, die dem Download beiliegt):

  • Ladet MemTest86 von der Herstellerseite herunter und entpackt die ZIP-Datei - die kostenlose »Free-Version« ist für den Privatgebrauch vollkommen ausreichend.
  • Öffnet den Ordner und führt »imageUSB.exe« aus.
  • Wählt euren USB-Stick aus und klickt anschließend nur noch auf »Write«. Beachtet, dass dabei alle bestehenden Dateien auf dem Stick gelöscht werden.
  • Nach dem Schreibvorgang könnt ihr euer System neu starten und euer BIOS bzw. UEFI so konfigurieren, dass MemTest86 von eurem USB-Stick bootet.
  • Im Anschluss startet von MemTest86 und das Programm führt alles Weitere automatisch aus. Bei Bedarf könnt ihr zwar noch manuelle Änderungen vornehmen, wir empfehlen allerdings die Standardeinstellungen beizubehalten.
  • Wartet, bis der Test abgeschlossen ist oder ein Fehler angezeigt wird. Sollte Letzteres der Fall sein, könnt ihr den Durchlauf abbrechen und die Schritte für die Fehlerbehebung befolgen, die wir euch weiter unten aufgelistet haben. Ein vollständiger Test kann bis zu mehrere Stunden dauern.

Der Bootvorgang
Viele Motherboard-Hersteller bieten ein dediziertes Boot-Menü an, dass häufig schon während des Systemsstarts über Tasten wie »ESC«, »F9«, »F11« oder »F12« aufgerufen werden kann. Sollte euch die Boot-Option auf eurem Stick doppelt angezeigt werden, könnt ihr frei eine der Optionen wählen, da diese identisch sein dürften. Konsultiert im Zweifelsfall das Handbuch eures Motherboards für weitere Informationen.

USB-Stick: Speicherkapazität wiederherstellen

Achtung: Sobald ihr euren USB-Stick wieder regulär verwenden möchtet, wird euch wahrscheinlich auffallen, dass dessen Speicherkapazität erheblich niedriger ist, als es vor der MemTest-Installation der Fall war. Selbst eine Standard-Formatierung dürfte hier nicht weiterhelfen.

Um die Speicherkapazität wieder vollständig herzustellen, könnt ihr die »imageUSB.exe« verwenden. Hier wählt ihr allerdings diesmal »Reformat USB drive« und anschließend »Reformat« aus.

Sollte das nicht den gewünschten Effekt erzielen, wiederholt ihr den Prozess diesmal mit der Option »Zero USB drive«. Nachdem der Vorgang beendet ist, entfernt ihr den Stick aus eurem PC. Wenn den USB-Stick das nächste Mal mit eurem System verbindet, könnt ihr ihn ganz gewöhnlich in Windows formatieren.

Das Setup ermöglicht es nicht nur einen USB-Stick mit MemTest86 zu bespielen, sondern bietet auch Funktionen, um selbst hartnäckige Datenträger wieder richtig zu formatieren. Das Setup ermöglicht es nicht nur einen USB-Stick mit MemTest86 zu bespielen, sondern bietet auch Funktionen, um selbst hartnäckige Datenträger wieder richtig zu formatieren.

Alternative: die integrierte Windows-Speicherdiagnose

Windows stellt euch auch ein hauseignes Programm zur Überprüfung des Arbeitsspeichers zur Verfügung, das wir allerdings nur eingeschränkt empfehlen können. MemTest86 arbeitet aus unserer Erfahrung gründlicher beziehungsweise verlässlicher als das Windows-Pendant. Wir legen euch deshalb MemTest86 ans Herz; insbesondere, falls ihr eure RAM-Übertaktung oder auch nur das XMP/DOCP-Profil testen solltet.

Lassen wir den Disclaimer außen vor, hat die Windows-Speicherdiagnose aber auch einen Vorteil im Anwendungskomfort, da ihr kein externes Speichermedium oder zusätzliche Software benötigt. Aus unserer Sicht solltet ihr die integrierte Funktion aber eher als »Schnelltest« verwenden:

  • Gebt »Windows-Speicherdiagnose« oder auch einfach nur »Speicherdiagnose« in die Windows-Suchleiste ein und startet das Programm. Alternativ könnt ihr auch »mdsched.exe« über die Eingabeaufforderung ausführen.
  • Startet das System mittels einer der angezeigten Optionen neu.
  • Der Test beginnt nach dem Systemstart automatisch und erfordert keine weiteren Eingaben.
  • (Mit der Taste F1 steht es euch allerdings jederzeit frei, den Test abzubrechen und in den Einstellungen frei zu konfigurieren. Je höher die Durchlaufanzahl sowie der Umfang des Tests, desto gründlicher sind die Ergebnisse.)
  • Nach dem Ende des Vorgangs startet der PC automatisch neu. Der Standard-Test sollte nur wenige Minuten in Anspruch nehmen.
  • Nachdem ihr euch in Windows angemeldet habt, werden euch die Ergebnisse nach wenigen Minuten durch den Benachrichtigungsassistent angezeigt.
  • Alternativ könnt ihr die Ergebnisse auch in der »Ereignisanzeige« einsehen. Macht dafür einen Rechtsklick auf das Windows-Symbol, wählt »Ereignisanzeige« und anschließend »System« unter dem Reiter »Windows-Protokolle« aus. Den Bericht findet ihr unter dem Eintrag »MemoryDiagnostics-Results« im Feld »Quelle«.
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Fehlerbehebung

Falls ihr während der Testdurchläufe auf Fehler stoßt, solltet ihr diese nach Möglichkeit beheben und nicht ignorieren. Wie eingangs beschrieben, kann fehlerhafter Arbeitsspeicher die Stabilität eures Systems gefährden und schlimmstenfalls sogar zu Datenverlust führen.

Um die Fehlerquelle einzugrenzen und den RAM auf einen Hardwaredefekt zu prüfen, könnt ihr folgende Schritte befolgen:

  • Achtet darauf, dass auf eurem Motherboard das neuste BIOS/UEFI installiert ist.
  • Setzt euer BIOS/UEFI auf die Standardeinstellungen zurück. Sollten sich die Fehler dadurch beheben lassen, lag das Problem höchstwahrscheinlich an einem zu aggressiven Übertaktungsprofil des RAMs.
  • Stellt sicher, dass eure Hardware innerhalb der Herstellerspezifikationen arbeitet. Ryzen-Prozessoren der ersten Generation sind beispielsweise berüchtigt dafür, dass sie sehr empfindlich auf zu hohe Speichertaktraten reagieren können.
  • Testet jeweils ein Speichermodul nach dem anderen, falls ihr mehrere Riegel in eurem System verwendet. Sollten die Riegel einzeln funktionieren, aber zusammen Fehler im Test hervorrufen, dann könnten Probleme mit der Hardwarekompatibilität vorliegen.
  • Vergewissert euch, dass euer RAM-Kit offiziell von eurem Motherboard unterstützt wird und dass ihr keine unterschiedlichen, nicht übereinstimmenden Riegel verwendet.
  • Treten die Fehler immer noch auf, ist euer RAM wahrscheinlich defekt oder inkompatibel und sollte nach Möglichkeit ausgetauscht werden.
  • Testet ihr eure Module möglichst auch in anderen Systemen, um einen Hardware-Defekt zu bestätigen oder auszuschließen.

Auf der Herstellerwebseite von MemTest86 wird auch auf die Risiken von fehlerhaften oder inkompatiblen RAM-Modulen hingewiesen; allerdings mit dem Zusatz, dass manche fehlerhaften Module gegebenenfalls trotzdem in Office-PCs eingesetzt werden können - sofern es sich dabei nicht um ein kritisches Anwendungsgebiet handle. Besonders der »Hammer«-Testdurchlauf sei eine Extremsituation für den Arbeitsspeicher, die in gleicher Intensität im Office-Alltag eher unwahrscheinlich ist.

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