Manchmal dauert es Jahre, bis ein Spiel seine eigene Identität findet. Bei Arc Raiders war dieser Weg besonders holprig. Als der Third-Person-Shooter von Embark Studios 2021 angekündigt wurde, war es noch ein Koop-Shooter gegen riesige Maschinen – stylish, bombast isch, schaut euch am besten noch einmal den ersten Trailer an:
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Arc Raiders: Neuer Shooter der Ex-Battlefield-Macher beeindruckt mit Reveal-Trailer
Doch auch wenn das Ganze toll aussah, spielerisch wollte die ursprüngliche Version nicht zünden. Statt halbherzig weiterzumachen, warfen die Entwickler das Konzept über Bord und begannen neu. Aus einem Free2Play-Spiel wurde ein 40-Euro-PvPvE-Extraktion-Shooter – ein mutiger Schritt, der sich gelohnt hat.
Heute steht Arc Raiders irgendwo zwischen Escape from Tarkov und Hunt: Showdown, und ist einen Tag vor seinem Release mit 2,5 Mio. Wishlists der meistgewünschte Shooter auf Steam. Und glaubt uns: Es gibt gute Gründe, warum alle plötzlich heiß auf Arc Raiders sind.
Eine Welt voller Risiko
Arc Raiders spielt irgendwann in der Zukunft, irgendwo in den italienischen Alpen, wo aggressive ARC-Maschinen die Oberfläche beherrschen. Eure Basis ist Speranza, eine unterirdische Stadt, in der ihr Ausrüstung herstellt, Aufträge annehmt und euren nächsten Einsatz plant.
Von dort startet ihr allein oder mit bis zu zwei Freunden zu Raids an die Oberfläche: Ihr plündert Materialien, bekämpft ARC-Einheiten und begegnet anderen Spielern – klassisches PvPvE mit einem 30-Minuten-Timer, der permanent Druck macht. Zum Release stehen vier verschiedene Karten bereit.
Habt ihr eure Rucksäcke bis zum Rand mit Loot gefüllt, heißt es: extrahieren. Doch wer den rettenden Aufzug ruft, kündigt sich lautstark an – für Maschinen und andere Squads. Extraktionspunkte sind von Anfang an aktiv und können von mehreren Teams gleichzeitig genutzt werden, was zu spontanen Allianzen oder Verrat führt. Nur wer überlebt, behält seine Beute.
Das Detail macht den Unterschied
Klingt nach bekanntem Extraktions-Einerlei, oder? Eben nicht. Wie bei Hunt: Showdown entstehen die besten Momente durch Atmosphäre und Akustik. Hunt macht das mit Sümpfen, Grillenzirpen und Zombiegekreisch, Arc Raiders mit Maschinengeheul und Retro-Futurismus; beide bauen Horror aus Geräuschen, nur dass ihr hier im Alltagsmüll der Zukunft jagt statt im Nebel der Sümpfe von Louisiana. Das Ergebnis ist dieselbe Gänsehaut-Dichte, nur im Sci-Fi-Gewand.
Der größte Unterschied zu vielen anderen PvPvE-Shootern ist, dass das »E« hier nicht nur aus hirnlosen Zombies oder anderem Kanonenfutter besteht. Die ARC-Maschinen sind eine konstante, tödliche Bedrohung, die oft gefährlicher sind als andere Spieler.
Jeder Roboter-Typ, vom flinken, an der Decke krabbelnden Tick
bis zum schwer gepanzerten Bastion
, hat eigene Taktiken und Schwachstellen. Eine Raketenwerfer-Drohne, der Rocketeer
, kann euch aus der Ferne mit einem einzigen Treffer außer Gefecht setzen, während schnelle, explodierende Rollbots
schwer zu fassen sind.
Diese formidable KI zwingt euch zu strategischem Vorgehen: Offene Feuergefechte sind selten, weil der Lärm unweigerlich Verstärkung anlockt. Das Spiel belohnt Schleichen und das gezielte Ausschalten von Gegnern, was eine Parallele zu Hunt: Showdown ist, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Die Bedrohung ist so allgegenwärtig, dass sich spontane Kooperation zwischen verfeindeten Spielern eigentlich immer mehr lohnt, als einander über den Haufen zu ballern.
Nichts schweißt zwei Raider schneller zusammen als ein anrückender Bastion, dessen Schwachstellen an den Knien und am Rücken nur durch koordiniertes Feuer zu knacken sind.
ARC Raiders bricht zudem bewusst mit der Hardcore-Mentalität von Spielen wie Tarkov. Eine der wichtigsten Design-Entscheidungen ist die »Anti-One-Shot«-Philosophie. Solange euer Schild voll aufgeladen ist, kann euch kein einzelner Treffer sofort töten – nicht einmal ein Sniper-Kopfschuss oder der gigantische Boss, die Queen. Das verlängert die Kämpfe, macht sie taktischer und gibt euch die Chance, zu reagieren, euch zurückzuziehen – oder zu verhandeln.
Im Server-Slam-Playtest habe ich mehrfach mit völlig fremden Spielern spontan zusammengetan: ein kurzes Friendly?
im Voice Chat, Waffen senken und zusammen extrahieren. Das klappt öfter, als man als Tarkov-Veteran denken würde.
Beim letzten großen Presse-Preview-Event sah das allerdings ganz anders aus: Da wurde deutlich aggressiver gespielt, bei Sichtkontakt direkt losgeballert. Verständlich – das Event war auf rund drei Stunden begrenzt, Loot hatte keinen Wert, und jeder wollte einfach Action. In der fertigen Version dürfte das anders aussehen. Sobald die Beute zählt, gewinnt Kooperation wieder Gewicht – und genau dann zeigt Arc Raiders seine wahre Stärke.
18:35
Ein ganzes Match in Arc Raiders: Wir looten, finden Freunde und trotzdem gibt‘s kein Happy End
Aber wofür tut man sich das alles an?
Klar, der erste Raid ist spannend. Der zweite auch. Aber was hält euch auf Dauer bei der Stange? Warum immer wieder raus an die Oberfläche, wenn der nächste Tod nur eine Tür weiter wartet und man seine Ausrüstung jederzeit verlieren kann? Der Reiz liegt nicht nur im Loot, sondern im langfristigen Fortschritt, der sich organisch anfühlt.
- Sinnvolle Skill-Trees: Die drei Bäume – Conditioning (Ausdauer), Mobility (Bewegung) und Survival (Schleichen, Plündern) – erlauben es euch, euren Spielstil anzupassen, ohne euch übermächtig zu machen. Schneller schleichen, leiser looten, mehr Tragkraft – Schadensboni oder Ähnliches gibt es nicht.
- Der Ausbau der Basis: In Speranza craftet ihr nicht nur Waffen, sondern baut eine ganze Werkstatt auf. Jede Werkbank, von Waffen über Medizin bis zu Sprengstoff, kann aufgerüstet werden, um bessere Rezepte freizuschalten. Diese Upgrades sind permanent und geben euch ein Gefühl von echtem Fortschritt, der über den nächsten Raid hinausgeht.
- Der freiwillige Wipe: Das für mich cleverste System sind die »Expeditionsprojekte«. Statt alle Spieler regelmäßig mit einem erzwungenen Fortschritts-Reset zu frustrieren, ist der Wipe in ARC Raiders optional. Wer Level 20 erreicht, kann sich aus dem gesammelten Loot ein Wohnmobil bauen, in dem sich sein Charakter zur Ruhe setzt. Dabei wird euer Fortschritt zurückgesetzt und ihr erhaltet dafür exklusive kosmetische Belohnungen und XP-Boni für den nächsten Helden. Wer das nicht will, behält einfach alles. Dieses System respektiert die Zeit von Gelegenheitsspielern und bietet gleichzeitig Hardcore-Fans den Nervenkitzel eines Neuanfangs.
Der Startschuss für Arc Raiders steht kurz bevor: Am 30. Oktober um 10:30 Uhr erscheint das Spiel für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S. Wir bei GameStar stürzen uns natürlich sofort zum Release in den Test – um herauszufinden, ob Arc Raiders nur ein kurzlebiger Hype ist oder tatsächlich der nächste große Wurf im Extraction-Genre. Schaut also nächste Woche unbedingt noch einmal vorbei!
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