Ich bin altmodisch. Spiele gehören bei mir gefälligst auf einen farbenfrohen 1440p-Monitor mit Gaming-Maus, Unreal Engine 5 und imposantem Soundsystem. Dieser ganze neumodische Quatsch mit Stift und Papier kommt mir nicht ins Haus! Dachte ich zumindest (okay, ich dachte das nie wirklich), bis Arkham Horror mir den Kopf verdreht hat.
Dabei kam ich zu diesem mittlerweile weltberühmten Horrorspiel wie die Jungfrau zum Kinde. Während irgendwelcher Weihnachtsfeierlichkeiten in meiner Heimat brauchte ich was zu lesen und sackte beim Stadtbummel das nächstbeste Horrorbuch ein: eine kleine Kurzgeschichten-Anthologie im Lovecraft-Stil, in der allerlei Ermittler in einer amerikanischen Kleinstadt schaurigen Vorkommnissen nachgehen.
Stellt sich raus: Diese Kurzgeschichten-Anthologie ist eigentlich das Prequel zu Arkham Horror. Und die Charaktere im Buch sind die Spielfiguren im Tabletop-Spiel. Und weil ich natürlich wissen wollte, wie's weitergeht, habe ich das Brettspiel bei Amazon geschossen und Kollegin sowie Horror-Expertin Natalie zum Geburtstag geschenkt in der Hoffnung, dass sie es mit mir spielt.
Gesagt, getan: Ich wurde zum Fan und öffnete gleichzeitig die Tür zu einem unheimlich faszinierenden Kosmos – in doppeltem Sinn.
Wie funktioniert Arkham Horror?
Arkham Horror ist im Prinzip ein Kartenspiel. Ihr spielt wahlweise solo oder mit bis zu drei anderen Leuten an eurer Seite und schlüpft in die Haut eines Ermittlers beziehungsweise einer Ermittlerin. Da gibt's den ruppigen Detective Roland Banks, die neugierige Bibliothekarin Daisy Walker, den Ex-Gauner Skids
O'Toole und so weiter. Dann wählt ihr eine Kampagne, denn in der Kleinstadt Arkham gibt's diverse schaurige Vorkommnisse.
Und dann spielt sich Arkham Horror wie ein Mix aus Strategie- und Rollenspiel. Ich bastle ein Deck für meine Hauptfigur, quasi ihr Inventar samt Skillset. Polizist Roland Banks kann beispielsweise einen Revolver mitführen, später alternativ eine Pumpgun und so weiter. Nach einer erfolgreichen Mission stecke ich verdiente Erfahrungspunkte in immer mächtigere Karten.
Das eigentliche Spiel findet dann Zug für Zug statt. Beispielsweise bin ich in einem alten, verfluchten Herrenhaus, jedes Räumchen liegt als eigene Karte auf dem Tisch und ich entscheide, ob ich in einem Zug einen Raum wechseln, meine Ressourcen auffüllen oder beispielsweise kämpfen möchte. Um die Story fortzusetzen, muss ich bestimmte Meilensteine erreichen – etwa x Ressourcen verdienen.
Gleichzeitig eskalieren aber auch meine Widersacher mit jeder Runde. Plötzlich tauchen Ghule im Herrenhaus auf und jagen mich durch die Räume. Kämpfe werden durch Attribute und eine Art Würfelsystem entschieden, aber generell gilt: Arkham Horror legt mich eigentlich immer aufs Kreuz.
18:04
Falls ihr Arkham Horror mögt, dann gebt euch mal Cthulhu
Was macht den Reiz aus?
Arkham Horror ist hart. Richtig hart. Natalie und ich haben drei Anläufe gebraucht, um die erste Mission ohne schwere geistige oder körperliche Schäden an unseren Hauptfiguren zu überstehen. Denn Ghule reißen mir nicht nur das Fleisch von den Knochen, sondern lassen mich auch den Verstand verlieren. Beides führt letztlich zum Game Over.
Das kleine Würfelsäckchen ist dabei der eigentliche Endgegner des Spiels. Die Chancen stehen nämlich verflucht schlecht, dass ihr irgendwas dort rauszieht, das euch hilft. In der Anleitung gibt's sogar noch Modifikatoren, mit denen ihr das Blatt immer weiter gegen euch wenden könnt (wenn ihr solo spielt, skaliert der Härtegrad aber ein wenig runter). Die Rundenlimits sind hart, die Gegner noch härter, Arkham Horror simuliert das typische lovecraftsche Prinzip, dass wir Menschen eigentlich nicht dafür gemacht sind, in den kosmischen Abgrund zu lunzen.
Die Story wird über kleine Kampagnenkarten weitererzählt, die immer neue Akteure, Bedrohungen und Schicksalsschläge auf den Tisch bringen. Der eigentliche Star der Show ist aber – ähnlich wie beim Pen&Paper – das Kopfkino, das beim Spielen entsteht.
Wenn Roland und das kleine Mädchen Wendy Adams mit letzter Not aus dem Herrenhaus entkommen, Banks schwer gezeichnet vom Horror, der feindliche Kultisten-Chef bezwungen, dann haben wir auf dem Weg dahin eine unvergessliche Geschichte erlebt. Jeder neu entdeckte Raum fühlt sich an wie bei Resident Evil, jede Entscheidung könnte meine letzte sein.
Wie kaufe ich Arkham Horror?
Das Grundspiel von Arkham Horror gibt's beispielsweise via Amazon für knapp unter 60 Euro. Alternativ findet ihr die Box aber mittlerweile auch bei jedem gut sortierten Brettspiel- oder Nerdladen. Diese Grundbox eignet sich für bis zu vier Spielerinnen und Spieler und enthält einige Startszenarien, mit denen ihr mehrere Abende beschäftigt sein werdet. Natalie und ich haben etwa ein Szenario pro Spieleabend geschafft, man hat also ein bisschen was zu tun (zumal ihr die Missionen ja auch erstmal schaffen müsst).
Wer danach noch Hunger hat, kann auf Myriaden von Erweiterungen zurückgreifen, die neue Ermittler, Szenarien und Karten ins Spiel packen. Ich selbst habe damit noch wenig Erfahrung, höre aber um mich rum viel Gutes über die Erweiterungsmodule. Wie gesagt: Arkham Horror eignet sich vor allem für die Spielerinnen und Spieler, die gerne ein bisschen Kopfkino evozieren wollen.
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