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Seite 2: Assetto Corsa im Test - Mehr Grip als Project Cars

Gefühlsechte Bodenwellen

Die Karriere bleibt auch später sehr oberflächlich. Die Karriere bleibt auch später sehr oberflächlich.

Dass auch die typischen elektronischen Fahrhilfen wie ABS und Traktionskontrolle, die Einsteigern optional das Leben erleichtern, ihren Teil zu unserem Erfolg beitragen, ignorieren wir geflissentlich. Wer die Helferlein voll aufdreht, kann sogar mit der Tastatur oder dem Gamepad halbwegs ordentlich spielen, das widerspräche jedoch vollkommen der Intention der Entwickler.

Assetto Corsa muss man einfach mit einem hochwertigen Lenkrad spielen, allein schon um die fantastischen Force-Feedback-Effekte zu spüren, die jede Bodenwelle der 14 laservermessenen Lizenzstrecken wie Nürburgring (bislang ohne Nordschleife), Spa und Monza an uns weitergibt. Doch zurück zu unserer Karriere. Im ersten Wettbewerb sollen wir auf dem Kurs Vallelunga im Time-Attack-Modus Checkpoints in einem immer knapper werdenden Zeitlimit durchfahren.

Wer lange genug durchhält, wird mit einer Bronze-, Silber- oder Goldmedaille belohnt. Nachdem wir uns so mit dem Kurs vertraut gemacht haben, starten wir in unser erstes Rennen und stoßen auf ein Balanceproblem: Um gegen sieben KI-Gegner in gleichwertigen Fiat 500 den erforderlichen dritten Platz zu erreichen, müssen wir nahezu perfekt fahren. Spätere Events mit gemischtem Starterfeld sind teilweise deutlich leichter.

Hui: Spiegelungen und Details auf unserem Ferrari F40. Pfui: urhässliche Bitmap-Büsche und Texturmatsch im Hintergrund. Hui: Spiegelungen und Details auf unserem Ferrari F40. Pfui: urhässliche Bitmap-Büsche und Texturmatsch im Hintergrund.

Um die nächste Rennserie freizuschalten, müssen wir in den zur Auswahl stehenden fünf Wettbewerben aber ohnehin nur drei Bronzemedaillen holen. Also lassen wir den Esseesse kurze Zeit später stehen und schwingen uns in einen Alfa Guilietta QV. Die nächste Rennklasse führt uns mit BMW Z4 und BMW 1M behutsam an heckgetriebene Fahrzeuge heran. Danach wartet der KTM X-Bow R, der kein ABS besitzt (sofern wir es nicht in den Optionen erzwingen), dann steigen wir in die leichten und schnellen Lotus Exige und Evora um und so weiter.

Bis auf die angesprochenen Balanceprobleme stimmt die Lern- und Motivationskurve in der Karriere also, weil die Fahrzeuge, die sich allesamt sehr unterschiedlich anfühlen, uns stets vor neue Herausforderungen stellen und wir uns gleichzeitig ständig verbessern. Leider reißen wir aber nur ein Einzelevent nach dem anderen ab. Ganze Rennsaisons oder gar eine spannend inszenierte Fahrerkarriere vermissen wir.

Assetto Corsa - Der Fuhrpark der Rennsimulation ansehen

Nur unnützer Ballast?

Das ist der eingangs erwähnte »unnütze Ballast«, auf den Rennsportenthusiasten vielleicht verzichten können, dessen Abwesenheit wir jedoch einfach bemängeln müssen. Fehlende Wettereffekte und Nachtrennen stoßen aber auch den Profis sauer auf. Für eine echte Simulation sind das Pflichtaufgaben. Die Streckenvielfalt lässt ebenfalls sehr zu wünschen übrig (zehn lizenzierte Kurse, vier Varianten, eine Drift- sowie eine Drag-Strecke), und die Fahrzeugauswahl ist überschaubar.

Die detaillierten Cockpits wie das der Shelby Cobra sind ein echter Hingucker. Die detaillierten Cockpits wie das der Shelby Cobra sind ein echter Hingucker.

Assetto Corsa wird allerdings auch nach dem Release weiterentwickelt. Neue Strecken und Fahrzeuge sollen nach und nach in kostenlosen sowie kostenpflichtigen Erweiterungen eingebaut werden. Alle 43 bislang steuerbaren Boliden sind lizenziert und ihrem realen Vorbild extrem detailgetreu nachempfunden. Besonders die Cockpitansicht bringt uns immer wieder zum Staunen. Nur Project Cars kann hier noch einen draufsetzen.

Dass man so etwas Schönes nicht zerstören will, scheint verständlich, dennoch gehen ein paar Dellen und Kratzer selbst nach dem schwersten Unfall kaum als vollwertiges Schadensmodell durch. Auf die Fahrphysik wirkt sich jeder Crash deutlich stärker aus, Totalschäden bleiben jedoch aus. Abseits der Fahrzeugmodelle endet die Grafikpracht. Die Rundkurse wirken trist, die Zuschauer sind platt, Gebäude nur grobe Klötze.

Der Konkurrenzvergleich: Assetto Corsa In Assetto Corsa hinterlassen auch heftige Unfälle nur Kratzer und leichte Dellen in der Karosserie unseres Z4.

gegen Project Cars Gleiches Auto, anderes Spiel. In Project Cars sind die Verformungen ausgeprägter. Außerdem gibt’s Regen.

Der Tiefpunkt ist ausgerechnet Trento-Bondone, der einzige Kurs abseits von offiziellen Grand-Prix-Strecken. Auf der Hill-Climb-Strecke rasen wir dicht an billigen Bitmap-Bäumen und klobigen Häusern vorbei, die sich für ihre Texturen schon in den Neunzigern geschämt hätten. Gut, dass wir uns auf dem engen Kurs ohnehin voll aufs Fahren konzentrieren müssen.

Onlinechaos und Mods ohne Ende

Der Multiplayer-Modus sorgt bei vielen zurzeit noch für Frust. Neben Schwierigkeiten mit Lags und Verbindungsabbrüchen, die wir im Test häufig selbst erlebten, gibt es vor allem ein Problem: die Spieler selbst. Anfänger und Chaoten, die unbeabsichtigt oder aus Frust Unfälle provozieren, sorgen dafür, dass viele Rennen schon kurz nach dem Start im Durcheinander enden. Die Kontrollfunktionen für Admins und eine Votekick-Option für Spieler schaffen hier bislang kaum Abhilfe. Viele Profis ziehen sich deshalb auf passwortgeschützte Privatserver zurück. Darüber hinaus wird die Community durch Mods weiter aufgespalten.

Mod sei Dank! Die Community erstellt auch kuriose Fahrzeuge wie den dreirädrigen Reliant Robin. Mod sei Dank! Die Community erstellt auch kuriose Fahrzeuge wie den dreirädrigen Reliant Robin.

Assetto Corsa ist voll auf Modbarkeit ausgerichtet. Die Community modifiziert und erstellt fleißig Strecken, Fahrzeuge, Physikeffekte und Sounds und greift damit den Entwicklern enorm unter die Arme. Die Installation der Zusatzinhalte ist denkbar einfach, doch das Spiel bietet keinen integrierten Downloader. Jedes neue Auto, jede Strecke müssen wir eigenhändig im offiziellen Forum oder auf anderen Webseiten suchen und herunterladen.

Insbesondere im Onlinemodus, wo viele Server ganz bestimmte Mods erfordern, ist das ein echtes Ärgernis. Ohne Fleiß also kein Preis. Dieses Motto gilt für Assetto Corsa im Ganzen. Es ist eine reinrassige Rennsimulation, die viel Einarbeitung erfordert, uns kaum an die Hand nimmt und dafür nur eins bietet: ein fantastisches Fahrgefühl.

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