Ich bin völlig unvorbereitet nach Venedig gefahren, aber eine App hat meinen Trip magisch gemacht

Ich bin unvorbereitet nach Venedig gereist und habe dank einer App ein kleines Abenteuer erlebt.

Auf meinem Venedig-Trip habe ich mich ganz auf die Atlas-Obscura-App verlassen. (Bildquelle, Hintergrund: Pier, adobe Stock) Auf meinem Venedig-Trip habe ich mich ganz auf die Atlas-Obscura-App verlassen. (Bildquelle, Hintergrund: Pier, adobe Stock)

In meinem Italienurlaub habe ich einen Tagesausflug nach Venedig gemacht – und mich überhaupt nicht vorbereitet.

Dank einer App ist mein Ausflug ein kleines Abenteuer geworden: Während eines Spaziergangs durch die Stadt hat mit Atlas Obscura skurrile Orte gezeigt.

Video starten 2:15 In Echoes of Mora taucht ihr per Zeitreise in die Tiefen eines Sees, um das Geheimnis einer versunkenen Stadt zu lüften

Der Atlas Obscura Travel Guide

Die App Atlas Obscura Travel Guide ist die die Version der Webseite Atlas Obscura. Die schreibt sich auf die Fahnen der Ultimative Führer zu den verborgenen Wundern der Welt zu sein.

Der Atlas Obscura verspricht antike Relikte und Kuriositäten am Straßenrand

Die wichtigsten Funktionen der App:

  • Interaktive Karte: Die App visualisiert die gesamte Atlas Obscura-Datenbank auf einer einzigen, Karte. So lassen sich Orte in der Nähe oder an einem geplanten Reiseziel finden.
  • "Been There"-Funktion: Mit der Funktion kann ich Orte markieren, die ich bereits besuch habe.
  • Community-Beiträge: Nutzer können eigene Entdeckungen teilen und so zum Wachstum der Datenbank beitragen.

Die Atlas-Obscura-App bietet eine Weltkarte mit allerhand Sehenswürdigkeiten. Hab ihr einen Ort besucht und »Been There« angegeben, wird er in Grau mit einer Flagge angezeigt. Die Atlas-Obscura-App bietet eine Weltkarte mit allerhand Sehenswürdigkeiten. Hab ihr einen Ort besucht und »Been There« angegeben, wird er in Grau mit einer Flagge angezeigt.

Ein Tagesausflug nach Venedig mit Atlas Obscura

Ich erreiche Venedig von einem kleinen italienischen Badeort aus mit der Fähre. Die Stadt präsentiert sich von der Lagune aus genauso malerisch, wie man es erwarten würde. In einem Pulk aus Italienern und Deutschen ströme ich gegen 11 Uhr auf den San Marco Pier.

Wir haben 6 Stunden Zeit, das Boot wird nicht warten.

Der Touristentross bewegt sich instinktiv nach Nordwesten, den Kai entlang. Dort werden wir bereits erwartet von einer Reihe immergleicher Stände: Venezia-Hüte, Sommerkleidchen, Kühlschrank-Magneten. Hier braucht man keinen Reiseführer, um zu wissen, wo es langgeht.

Ich könnte mich problemlos einreihen, aber vorher werfe ich noch einen Blick in die App. Direkt hier um die Ecke soll es schon einen obskuren Ort geben. Ich mache mich ganz unbedarft auf den Weg, will der App die erste Chance geben: Sind die Orte wirklich so geheim, so aufregend?

Ich mache es kurz: Nach gut 20 Minuten in Venedig schlüpfe ich in der Chiesa di San Zaccaria durch die für sich schon beeindruckende Kirche in eine überschwemmte Gruft.

Der Gang in die Gruft Wer in die Kirche des Heiligen Zaccharias geht, kommt für eine Gebühr von 5 Euro in die Hinterzimmer – und gelangt in die Gruft.

Die überschwemmte Gruft Mit Sandalen bekommt ihr hier nasse Füße, meine dickbesohlten Sneaker haben mich aber weitgehend trocken gehalten.

Ich war auf der Suche nach Verstecktem, da ist die feuchte Krypta ein starker Einstand. Ich hake meinen ersten Ort in der App ab: Been there. Und so beginnt eine gut fünfstündige obskure Schnitzeljagd durch die Stadt.

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Mit Atlas Obscura sieht man auch die großen Sehenswürdigkeiten, aber eben ein bisschen anders

Auch ich bewege mich von der Gruft aus Richtung Nordwesten, auch ich dränge mich mit einigen Touristen durch die Gassen über die Kanäle vorbei an Murano-Glas-Miniaturen und Karnevalsmasken. Auch ich lausche Deutschen, die in Lokalen vollmündig über den Unterschied zwischen einer neapolitanischen und einer römischen Pizza schwadronieren.

Mit der Atlas Obscura App steige ich nicht von einer Katakombe in die nächste. Sie geleitet mich, wie wohl alle Venedig-Touristen, recht schnell zum Piazza San Marco. Aber während so viele hier in Schlangen stehen und sich abermals Venezia-Sonnenhüte kaufen, bin ich auf der Suche nach Details.

Neben der Touristenschlange in die Basilica di San Marco ist eine unscheinbare Figurengruppe. Sie zeigt vier Kaiser, die das Römische Reich einst gemeinsam datierten und war selbst schon gut 1.000 Jahre alt, als sie im Mittelalter von den Venezianern aus Konstantinopel geraubt wurde.
Dabei ging auch ein Fuß verloren.

Die vier Kaiser Ob die Touristen wissen, an welchem Geheimnis sie sich hier ausruhen?

Ein verlorener Fuß Ein Fuß ist beim Raub verloren gegangen.

Natürlich blicke ich vom Markusplatz aus zu den beiden den riesigen Säulen mit den Schutzpatronen der Stadt auf die Lagune. Und hier zeigt mir die App etwas, das gerade nicht da ist.

Jeder Venedig-Tourist kennt die beiden Säulen, die Besucher von der Adria aus begrüßen – durch den Atlas Obscura weiß ich: Da fehlt eine. Jeder Venedig-Tourist kennt die beiden Säulen, die Besucher von der Adria aus begrüßen – durch den Atlas Obscura weiß ich: Da fehlt eine.

Denn ursprünglich, so die Information, sollten hier drei Säulen stehen, doch eine versank in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bei ihrem Transport irgendwo in der schlammigen Lagune. Wir haben sie bis heute nicht gefunden.

Nicht alle Orte in der Atlas-Obscura-App sind frei zugänglich

Der Atlas Obscura enthält viele Orte, die frei zugänglich sind beziehungsweise mit ein paar Euro Eintritt in Kirchen zu bestaunen sind. Auch auf meiner Runde durch die Stadt sehe ich längst nicht alle Orte, die ich ansteuere:

  • Friedhof der Kuscheltiere: Die Kunstmäzenin Peggy Guggenheim liegt quasi in einem Massengrab: Sie teilt ihre letzte Ruhestätte mit 15 Haustieren, die alle mit ihr auf einer Tafel verewigt sind. Um die zu sehen, hätte ich den Eintritt ins Museum zahlen müssen, und das war mit für meinen Tagesausflug zu viel. Ich finde die Anekdote aber grandios.
  • Ein verfluchtes Haus: Das Palazzo Dario am Grand Canal wäre von einer Gondel aus wohl besser zu sehen. Das verschlossene Tor bekommt mit der Erklärung aus der Atlas-Obscura-App aber auch einen ganz eigenen Flair: Das über 500 Jahre alte venezianisch-gotische Palais soll allen, die es besaßen oder sich länger als 20 Tage dort aufhielten, Unglück gebracht haben.

Das verschlossene Tor Ich war am verfluchten Haus Ca'Dario – trotz sonnencremeverschmierter Linse, das ist der Beweis.

Rückansicht des verfluchten Hauses Wenn ich den Atlas-Obscura-Text dazu lese, ist es aber vielleicht besser, dass ich nicht näher herangekommen bin. Die Einheimischen sollen es »Das Haus, das tötet« nennen.

Was ich mithilfe von Atlas Obscura in Venedig unter anderem noch entdeckt und gelernt habe:

Meine Schnitzeljagd nach den kleinen Punkten führt mich aber durchaus auch weg von den Touristenmassen, an ruhigere, aber stets skurrile Orte.

Ponte dei Pugni Hier sind so wenig Touristen, dass ich alleine die Fäuste schwingen muss: Im 17. Jahrhundert trafen sich auf den Brücken der Umgebung rivalisierende Clans, um sich zu prügeln.

Die Kirche der Heiligen Margherita Das ist die wohl gebeuteltste Kirche Venedigs: Sie diente seit 1810 als Tabakfabrik, Marmor-Depot und Künstleratelier. Heute ist sie eine evangelische Kirche und eine Kulisse für mein Beweisfoto: Ich war dort.

Canovas Grab Ich empfehle wärmstens, den Eintritt in die Frari-Kirche zu bezahlen. Hier liegt in einer marmonen Pyramidenstruktur das Herz des Bildhauers Antonio Canova – gespickt mit Freimaurersymbolen.

Ponte delle Tette Wer wissen will, wem oder was die Ponte delle Tette gewidmet ist, der ersetze ein »e« im Namen der Brücke durch ein »i«. Kleiner Hinweis: Hier gingen Damen ihrer Arbeit nach.

Fazit: Atlas Obscura macht nicht nur den Urlaub ein bisschen geheimnisvoller

Die Altas-Obscura-App navigiert euch nicht zielgenau dahin, wo sonst keiner ist: Dadurch dass die App so stark von ihren Community-Beiträgen lebt, müsst ihr ein paar kleine Schnitzer in Kauf nehmen:

  • Die Orte sind teilweise nicht ganz genau lokalisiert: Auf der Karte meint man, dass die überschwemmte Gruft etwa unter einer Polizeistation liegt. Hier müsst ihr in den Beschreibungstext des Ortes schauen.
  • Keine Navigation in der App: Wenn ihr direkt zu einen bestimmten Ort navigieren wollt, dann leitet euch die App auf Google Maps weiter. Das funktioniert allerdings problemlos.
  • Die App ist rein auf Englisch und gerade Preisangaben für Kirchen oder Museen können veraltet sein.

Ich jedenfalls habe mit der App Venedig als eine magische, morbide und ein bisschen verschweinte Stadt kennengelernt – und das, abgesehen von kleineren Eintrittspreisen in Kirchen, ohne Geld auszugeben.

Ob ich nun an Orten war, die sonst kein Tourist in Venedig sieht? Wohl kaum, aber ich habe das Gefühl, mir eine Stadt anhand von außergewöhnlichen Orten erschlossen zu haben.

Würde ich mich für einen Trip um die halbe Welt allein auf die Atlas-Obscura-App verlassen? Nein, da ist eine umfassendere Vorbereitung auch mit aktuellen Szeneorten und Lokalen sicherlich befriedigender.

Dennoch bleibt die Atlas-Obscura-App auch außerhalb der Reisezeit auf meinem Smartphone. Und das lege ich auch allen Kulturinteressierten von euch ans Herz: Venedig als autofreie, historische Stadt bietet sich für den Atlas Obscura sicherlich besonders an.

Aber auch direkt vor eurer Haustür könnt ihr Einträge entdecken – oder vielleicht sogar selbst hinzufügen.

Sollte ich jedenfalls das nächste Mal unbewusst an einer überfluteten Gruft vorbeilaufen, dann möchte ich das bitte gerne erfahren.

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