Blizzard sperrte Hearthstone-Profi, um Chinas »nationale Würde« zu schützen

Der Entwickler gab zwei auffällig unterschiedliche Begründungen für den kontroversen Blitzchung-Bann ab: Eine im Westen, eine ganz andere in China.

von Maurice Weber,
10.10.2019 18:51 Uhr

Mit der Sperre eines Hearthstone-Profis, der die Proteste in Hongkong unterstützte, hat Blizzard einen riesigen Eklat ausgelöst. Mit der Sperre eines Hearthstone-Profis, der die Proteste in Hongkong unterstützte, hat Blizzard einen riesigen Eklat ausgelöst.

Im offiziellen englischen Statement zur Sperre des Hearthstone-Profis Blitzchung hielt sich Blizzard recht allgemein und neutral - aber auf der führenden chinesischen Social-Media-Plattform Weibo schlug der Entwickler einen ganz anderen Ton an. Dort schrieb der offizielle Hearthstone-Account:

"Wir sind zutiefst empört darüber, was am Wochenende bei Hearthstones Asia-Pacific-Wettkampf passiert ist, und verurteilen es scharf. Wir lehnen das Verbreiten von politischen Ideen individueller Personen bei Wettkämpfen entschieden ab. Der beteiligte Spieler wurde gesperrt und jegliche offizielle Zusammenarbeit mit den beteiligten Castern mit sofortiger Wirkung beendet. Wir werden weiterhin, wie auch schon in der Vergangenheit, die nationale Würde schützen."

Turnier-Teilnehmer Chung »Blitzchung« Ng Wai hatte sich in einem offiziellen Blizzard-Livestream für die Proteste in seiner Heimatstadt Hongkong ausgesprochen und gerufen: »Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit!« In Hongkong gehen Demonstranten seit Juni 2019 für mehr Unabhängigkeit von der chinesischen Regierung auf die Straße. Als Reaktion auf Blitzchungs Äußerungen disqualifizierte Blizzard ihn vom Turnier, entzog ihm seine bisherigen Preisgelder und sperrte ihn für ein Jahr. Außerdem feuerte der Entwickler beide Caster.

International begründete der Entwickler das aber nicht mit Empörung oder gar nationaler Würde, sondern berief sich allgemeiner formuliert auf eine Regel gegen Aktionen, »die dich nach Blizzards alleinigem Ermessen in öffentlichen Verruf bringen, einen Teil der Öffentlichkeit beleidigen oder anderweitig Blizzards Image beschädigen«. Die Sperre solle verhindern, dass sich derartige Zwischenfälle in der Zukunft wiederholen.

Blizzards Entscheidung sorgte für einen Aufschrei in der Community. Viele Spieler warfen dem Entwickler vor, den lukrativen chinesischen Markt über eigene Firmenwerte wie Jede Stimme zählt zu stellen. Zu den Kritikern gehören auch amerikanische Politiker wie Senator Marco Rubio und prominente Figuren aus der Hearthstone-Szene. Der beliebte Livestreamer Brian Kibler gab etwa bekannt, dass er nicht mehr wie ursprünglich geplant das Hearthstone-Finale auf der BlizzCon 2019 kommentieren wird.

Blizzard selbst hielt sich nach den ursprünglichen Statements bislang weitgehend bedeckt, trotz stetig wachsender Kritik. Gegenüber Engadget soll ein Sprecher nur kommentiert haben, dass man noch dabei sei, die Situation abzuschätzen.

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