500 Euro, 400 Euro, 650 Euro: So viel habe ich zuletzt bezahlt, um gemeinsam mit meinen Freunden mein liebstes Brettspiel-Genre zu zelebrieren.
Die Rede ist von sogenannten Boss Battlern. Also Spiele wie Oathsworn, Primal: The Awakening oder DANTE: Inferno, in denen ich kooperativ mit kleinen Miniaturen einer großen Miniatur die Plastikvisage poliere.
Und diese Spiele kosten nun mal Hunderte Euro, bringen 10 Kilo und mehr auf die Waage und setzen das Studium eines dicken Regelwerks voraus. So muss das!
Dachte ich jedenfalls. Bis ich Boss Fighters QR gespielt habe. Das neue Brettspiel der Dorfromantik-Schöpfer verkauft sich wie geschnitten Brot, macht im Prinzip genau das Gleiche wie meine dicken Oschis, kostet keine 40 Euro und wird vom Verlag Pegasus sogar als Familienspiel vermarktet! Blasphemie!
Trotzdem landet es selbst in meiner entschieden nerdigen Runde derzeit verblüffend regelmäßig auf den Tisch. Wie kann das sein!?
Worum geht’s?
In Boss Fighters QR bekämpft ihr kooperativ mit zwei bis vier Fantasy-Helden ab 10 Jahren nacheinander zehn Fantasy-Bossgegner – von der Riesenkröte über den Schattendrachen bis zum dreiköpfigen Oger.
Sämtliche Manöver absolviert ihr über das Ausspielen von Karten, pro Runde habt ihr in der Regel drei Aktionen. Ihr verkettet Nahkampf-, Fernkampf- und Magieangriffe zu mächtigen Kombos, stärkt eure Verteidigung oder schlürft Tränke.
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Boss Fighters QR zeigt, wie es nerdige Koop-Bosskämpfe erschwinglich und familientauglich macht
Dann ist der Boss dran, haut euch auf die Glocke, ihr werft eure gespielten Karten ab und zieht neue nach. Das Ganze wiederholt ihr so lange, bis entweder der Boss die Grätsche macht oder einer der Helden.
Mit jedem besiegten Boss schaltet ihr neue Karten frei, mit denen ihr sukzessive eure Decks erweitert. Umgekehrt hat auch jeder Boss neue Tricks auf Lager, von der einfachen Vergiftung bis zum fiesen Fluch.
Je besser ihr euch hier koordiniert und eure gespielten Karten aufeinander abstimmt, desto größer eure Chance, dass ihr den Bosskampf gewinnt.
Disclaimer
Publisher Pegasus hat uns auf der SPIEL Essen im Oktober 2025 eine Testversion von Boss Fighters QR zur Verfügung gestellt. Auf den Inhalt dieses Artikels hatte dies selbstverständlich keinerlei Auswirkungen.
Wie spielt sich das?
Natürlich muss ich als erstes über den dicken Boss-Elefanten im Raum sprechen: die App-Pflicht. Für Boss Fighters QR benötigt ihr zwingend ein Smartphone auf dem Tisch, besser noch ein Tablet.
Auf dem (idealerweise möglichst großen) Bildschirm seht ihr nicht nur den zu bekämpfenden Boss sowie dessen aktuelle Verteidigungs- und Angriffspläne, die App kümmert sich außerdem um nahezu die komplette Verwaltungsarbeit.
Jede Karte besitzt einen QR-Code auf der Rückseite – um sie auszuspielen, haltet ihr sie kurz über die Frontkamera eures Geräts, und alles andere übernimmt die App.
Ich war wahnsinnig skeptisch, denn Smartphones oder Tablet sind eigentlich das allerletzte, was ich auf dem Spieltisch sehen möchte.
In meiner Runde störte es nach kurzer Eingewöhnung aber tatsächlich niemanden. Vor allem, weil das Gerät zum Spielen nicht bewegt oder gar weitergereicht werden muss, sondern einfach nur auf dem Tisch liegt – wie ein normales Brett eben auch.
Die Vorteile sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Während ich in Primal für jeden Zug gefühlt Drölfzig Regeltexte prüfen sowie Drölfzigundeins Marker verteilen muss, halte ich in Boss Fighters nur eine Karte über die Kamera, und das war’s.
Außerdem hat es natürlich einen gewissen Wow-Effekt, insbesondere auf Kinder, wenn sich Karten auf dem Bildschirm in Magie verwandeln. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Trotzdem spielt sich Boss Fighters QR alles andere als von selbst. Taktik kommt vor allem dadurch ins Spiel, dass ihr in jeder Runde grundsätzlich wisst, was der Boss vorhat. Ihr seht, wie gut er sich gegen Magie, Nah- und Fernkampf verteidigt und wen er wie stark angreifen wird.
Allerdings bringt auch jeder Boss neue und teils versteckte Verhaltensweisen mit, die ihr erst entschlüsseln müsst, bevor ihr eure Taktik entsprechend anpassen könnt. Etwa warum die Riesenkröte bestimmte Angriffe kontert, andere hingegen nicht.
Schon starten die Diskussionen am Tisch, und zwar die von der guten Sorte. Wer sollte anfangen? Wer greift womit an? Wer benötigt Heilung? Wer kann am ehesten ins Risiko gehen?
Aber eben nicht, wie welche Regel auszulegen ist. Oder welche Bossreaktion auf welcher Karte ihr jetzt schon wieder übersehen habt.

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