DeepSeek: Datenschutz und Zensur durch China? Das müsst ihr wissen

Wohin gehen eure Daten und was passiert mit ihnen? Und was hat China damit zu tun?

KI-Unternehmen und Datenschutz, war schon immer eine schwierige Koimbination, aber DeepSeek ist nochmal anders. (Bild: Flaticon) KI-Unternehmen und Datenschutz, war schon immer eine schwierige Koimbination, aber DeepSeek ist nochmal anders. (Bild: Flaticon)

Deepseek ist in aller Munde: Das Silicon Valley macht sich Sorgen um die Vorherrschaft im KI-Bereich, Wirtschaftsexperten bestaunen den historischen Wertverlust von Nvidia und Nutzer sind größtenteils begeistert von dem ChatGPT-Konkurrenten.

Doch zwischen all diesen Themen kristallisieren sich vor allem zwei Sorgen heraus, die bei Experten und Nutzern gleichermaßen die Runde machen: Wie geht DeepSeek mit dem Thema Datenschutz um und inwiefern hat die chinesische Regierung die Finger mit im Spiel. 

DeepSeek und Datenschutz: Welche Daten werden gesammelt?

Vielleicht habt ihr euch schon diese Frage gestellt: Sammelt DeepSeek meine Daten? Die kurze Antwort: Ja, genauso wie andere (Tech-)Unternehmen das auch tun. 

Wie viele Daten werden gesammelt? Das lässt sich ohne weiteres nicht genau sagen, doch Lily Hay Newman von Wired geht davon aus, dass die Datenmengen gewaltig sind. Sie vermutet, dass DeepSeek mehr Daten sammelt, als TikTok in den letzten Jahren gesammelt hat, seit das Social-Media-Unternehmen auf US-Cloud-Hosting umgestiegen ist, um die Sicherheitsbedenken der USA zu zerstreuen.

Doch welche Daten sammelt DeepSeek genau? Welche eurer wertvollen Informationen das chinesische Unternehmen für sich speichert und nutzt, ist in den offiziellen Datenschutzbestimmungen öffentlich einzusehen.

Das Unternehmen teilt die Daten in drei Kategorien ein:

  • Informationen, die ihr bereitstellt
  • Automisch gesammelte Informationen
  • Informationen aus anderen Quellen

Was genau zu diesen Kategorien gehört, machen sie ebenfalls deutlich.

1. Informationen, die ihr bereitstellt

  • Kontodaten: Erfasste Informationen bei der Kontoerstellung (z. B. Nutzername, E-Mail/Telefonnummer, Passwort, optional Geburtsdatum).
  • Nutzungsinhalte: Texteingaben, Audiodaten, hochgeladene Dateien, Feedback sowie Chatverläufe bei der Nutzung der Dienste.
  • Supportanfragen: bei Kontaktaufnahme gesendete Daten (z. B. Identitäts-/Altersnachweise, Feedback, Hinweise auf Verstöße gegen Nutzungsbedingungen).

2. Automatisch gesammelte Informationen

  • Technische Daten: Automatisch erfasste Geräte- und Netzwerkdaten (z. B. Gerätemodell, Betriebssystem, IP-Adresse, Tastaturmuster/-rhythmen, Geräte-/Nutzer-ID) sowie Diagnose- und Leistungsdaten (z. B. Absturzberichte). Quervernetzung von Aktivitäten über Geräte hinweg für nahtlose Anmeldung und Sicherheit.
  • Nutzungsdaten: Erhobene Informationen zur Nutzung der Dienste (genutzte Funktionen, durchgeführte Aktionen).
  • Cookies & Tracking: Einsatz von Cookies, Web Beacons und ähnlichen Technologien zur automatischen Datenerfassung, Analyse und Verbesserung der Dienste.
  • Zahlungsdaten: Bei kostenpflichtigen Diensten erfasste Bestell- und Transaktionsdaten für Zahlungsabwicklung, Kundenservice und Support.

3. Informationen aus anderen Quellen

  • Externe Dienste: Bei Anmeldung/Link über Drittanbieter (z. B. Apple, Google) werden Informationen wie Zugriffstoken erhoben.
  • Marketingpartner: Werbe- und Analysepartner teilen Daten zu Ihren Aktivitäten außerhalb der Dienste (z. B. gekaufte Produkte, genutzte Apps/Websites) sowie Identifikatoren (mobile Werbe-IDs, gehashte E-Mails/Telefonnummern, Cookies) zur Verknüpfung mit Ihrem Konto.

DeepSeek und Datenschutz: Das passiert mit euren Daten

DeepSeek nutzt die Daten zur Verbesserung seiner KI-Modelle, unter anderem durch die Analyse von Nutzerinteraktionen und das Training seiner Technologie. So weit, so normal.

Grundsätzlich unterscheiden sich die gesammelten Daten nicht sehr von anderen generativen KI-Plattformen. Es gibt allerdings drei Punkte, die aus Sicht von Datenschützern ein Problem darstellen.

1. DeepSeek speichert eure Tastenanschläge (Tastaturmuster/-rhythmen) und das sollte euch zu denken geben, denn das ist eher selten und kann schnell problematisch werden. Das erlaubt es nämlich, dass Rückschlüsse auf das Verhalten, die Identität oder sogar Passwörter der Nutzer gezogen werden.

2. DeepSeek ist bereits dabei, Daten an private chinesische Unternehmen weiterzugeben. Dazu gehören Baidu (Webanalysen) und Vo1ces (Firma für Internet-Infrastruktur). 

Immer, wenn Unternehmen eure Daten an Privatfirmen weitergeben, ist das ein schlechtes Zeichen. Warum? Hier eine Liste:

  1. Verlust der Kontrolle: Weitergegebene Daten können unkontrolliert weiterverwendet oder kombiniert werden.
  2. Höheres Risiko: Mehr Beteiligte bedeuten eine größere Gefahr für Datenlecks und Missbrauch.
  3. Unklare Nutzung: Drittunternehmen könnten die Daten für Werbung, KI-Training, Analysen und vieles mehr verwenden.
  4. Mögliche Einflussnahme: In Ländern mit fragwürdigen Datenschutzgesetzen könnten Behörden Zugriff erhalten (weiter unten mehr dazu).
  5. Keine Opt-out-Möglichkeit: Nutzer wissen oft nichts von der Weitergabe und können sie nicht verhindern.

Die Anzahl an Unternehmen, die eure Daten über DeepSeek erhalten, könnte jetzt schon größer sein und wird in Zukunft sicherlich weiter wachsen.

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Umso wichter, wenn ihr DeepSeek nutzt: Datenschützer weisen immer wieder darauf hin, dass ihr darauf verzichten solltet, kritische und persönliche Daten preiszugeben. Das gilt sowohl allgemein als auch für das Chatten mit DeepSeek, ChatGPT und Co.

3. DeepSeek ist verpflichtet, Informationen an Behörden weiterzuleiten, wenn es gesetzlich erforderlich ist. 

Noch ein Punkt, der vielen sauer aufstößt. Doch das ist nicht das einzige Problem mit der chinesischen Regierung.

DeepSeek und China: Zensur und Datenabgabe

Chinesische Gesetze verpflichten Tech-Unternehmen zur Zusammenarbeit mit staatlichen Geheimdiensten, was weitere Datenschutzbedenken aufwirft – ähnlich wie beim TikTok-Datenskandal.

Ein weiterer Kritikpunkt, an dem man kaum vorbeikommt, wenn man etwas zu DeepSeek liest, ist die Zensur durch die chinesische Regierung. Unzählige Nutzer im Netz berichten von Zensur, wenn es um China-kritische Fragen und Inhalte geht. 

Der Nutzer Oromex zeigt im OpenAI-Subreddit etwa ein Video, wie Deepseek erst anfängt, China vor einem kritischen Hintergrund zu erwähnen und die Nachricht rasch wieder löscht:

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Diese Fälle gibt es immer wieder, wie zum Beispiel bei Nutzer Singularity:

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Als wir diesen Artikel schreiben, ist DeepSeek leider seit Stunden nicht funktionsfähig. Unseren Test zur Zensur liefern wir dementsprechend nach.

Die schiere Anzahl an Beweisen im Netz scheint allerdings erdrückend, wenn auch nicht überraschend. Immerhin ist die Geschichte der staatlichen Zensur in China lang.

Kann ich verhindern, dass DeepSeek meine Daten sammelt? 

Ja, könnt ihr, indem ihr das LLM (Large Language Model) lokal auf eurem Rechner installiert. So werden keine Daten nach China geschickt. Das empfiehlt unter anderem Lukasz Olejnik, unabhängiger Forscher und Berater, der von Wired in Verbindung mit dem King's College London Institute for AI genannt wird.

Außerdem hat die Recherche-KI Perplexity die chinesische KI in ihren Code aufgenommen. 

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So könnt ihr nicht nur der Datenklaue entkommen, sondern, wie ihr im obigen Tweet seht, auch kritische Fragen zu China stellen, ohne zensiert zu werden. Im Tweet seht ihr eine Anfrage zum Tian’anmen-Massaker, dass mit DeepSeeks R1-Modell über Perplexity verarbeitet wurde - ganz ohne Zensur.

Das ist möglich, da DeepSeek ein Open-Source-Projekt ist, das öffentlich zugänglich ist. Dementsprechend können wir in Zukunft sicher einige Anwendungen sehen, die das Modell für sich nutzen. Das kommt uns Nutzern nur zugute.

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