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Vor rund 30 Jahren wurde der eigentlich unsterbliche Erfinder von Ultima Online in seiner eigenen Schöpfung ermordet

Lord British war eigentlich unverwundbar. Dann kamen ein Serverabsturz und eine geklaute Schriftrolle zusammen – und der Schöpfer der ganzen Spielwelt fiel einfach tot um.

Wer um die Jahrtausendwende cool sein wollte, spielte UO – zu Hochzeiten gab es dutzende deutsche Community-Server, sogenannte Freeshards. Wer um die Jahrtausendwende cool sein wollte, spielte UO – zu Hochzeiten gab es dutzende deutsche Community-Server, sogenannte Freeshards.

Wer eine Online-Welt erschafft, gibt sich darin gern die Rolle des allmächtigen Herrschers. Richard Garriott, Vater der Ultima-Reihe, tat genau das: In Ultima Online schlüpfte er regelmäßig in seinen Avatar Lord British, den unsterblichen König von Britannia. Unsterblich, weil sein Charakter schlicht so programmiert war, dass ihm im Spiel praktisch nichts etwas anhaben konnte.

Bis zu jenem Tag im Sommer 1997, an dem ein einzelner Spieler bewies, dass »unsterblich« in einem Online-Spiel immer nur so lange gilt, wie der Code mitspielt.

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Ein Serverabsturz und ein vergessener Haken

Die Szene spielt während des Betatests von Ultima Online, vermutlich am 8. oder 9. August 1997. Geplant war ein Belastungstest für die Server, und um möglichst viele Spieler zusammenzutrommeln, kündigte Garriott einen royalen Auftritt an: Lord British höchstpersönlich wollte ein paar Worte an seine Untertanen richten.

Kurz vor dem großen Moment stürzte allerdings der Server ab und musste neu gestartet werden: Genau das wurde Lord British zum Verhängnis. Laut Mitentwickler Starr Long war die Unverwundbarkeit der Entwickler-Charaktere so gebaut, dass sie nach einem Neustart nicht automatisch wieder aktiv war – man musste sie manuell setzen, doch Garriott vergaß den Haken. Sein König betrat die Bühne also völlig ungeschützt, in einem Spiel, das fast komplett auf PvP ausgelegt war.

Ein Spieler namens Rainz, dessen echte Identität nie öffentlich wurde, hatte einen Charakter mit hoher Diebstahl-Fertigkeit. Weil die Entwickler die Wachen wegen des erwarteten Lags abgeschaltet hatten, konnte er ungestört fremde Rucksäcke durchwühlen – und stieß dabei auf eine Schriftrolle für den Zauber Fire Field. Den wirkte er kurzerhand auf die Brücke, auf der Lord British stand. Kurze Zeit später sackte der unsterbliche König tot zusammen.

Dämonen, ein Bann und jede Menge Ärger

Was danach passierte, machte die Sache nur skurriler. Starr Long, im Spiel als Lord Blackthorn unterwegs, beschwor zur Vergeltung eine Horde Dämonen herauf – die allerdings nicht den Attentäter erwischten, sondern reihenweise unbeteiligte Zuschauer niedermetzelten. Rainz selbst entkam.

Kurz darauf flog sein Account aus der Beta. Offiziell aber nicht wegen des Königsmords, sondern wegen früherer Bug-Exploits. Diese Begründung plus das wahllose Dämonen-Gemetzel sorgten in der Community für Protest: Viele fanden die Strafe für einen - im Rückblick - ziemlich legendären Moment reichlich übertrieben.

Garriott selbst nimmt es heute mit Humor und bezeichnete den Vorfall in Interviews als seinen absoluten Lieblingsmoment der MMO-Geschichte.


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