Im realistischsten Scifi-Film überhaupt überlebte Matt Damon auf dem Mars, doch wie realistisch ist er wirklich? Laut NASA sehr.

2015 kam die Buchverfilmung von Der Marsianer in die Kinos. Er wurde von Kritikern, Fans und Wissenschaftlern gleichermaßen gefeiert.

Der Sturm, den ihr hier seht, ist tatsächlich das Unlogischste am Film. (Bildquelle: 20th Century Fox) Der Sturm, den ihr hier seht, ist tatsächlich das Unlogischste am Film. (Bildquelle: 20th Century Fox)

Manchmal vergisst man Filme einfach, obwohl sie relativ erfolgreich im Kino liefern und sogar Preise abgeräumt haben. So könnte es euch mit »Der Marsianer« gehen, der vor 10 Jahren seine Premiere feierte. Der spielte immerhin 630 Millionen US-Dollar weltweit ein (via Box Office Mojo) und bekam unter anderem zwei Golden Globes.

Eine der vielleicht höchsten Auszeichnungen für Sci-Fi-Filme ist, wenn die NASA einem großen Realismus bestätigt. Das ist in einem Interview mit CBS passiert; der damalige Chef für Planetenwissenschaften sagte wortwörtlich:

Ich denke, ›Der Marsianer‹ kommt den wissenschaftlichen Tatsachen so nahe wie keine andere Science-Fiction-Geschichte, die ich über die Reise zum Mars gesehen habe.

Doch wie akkurat ist der Film wirklich?

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Der Marsianer: Sci-Fact oder Sci-Fiction?

Dieser Frage ging The National Space Centre in Leicester, UK, nach. Der Autor hat seinen Artikel aufgeteilt in »Was richtig gemacht wurde« und »Was nicht richtig gemacht wurde« – und genau das werden wir jetzt auch tun.

Was hat der Marsianer richtig dargestellt?

Zum Großteil hat der Film seinen Realismus dem Autor der Vorlage, Andy Weir, zu verdanken, der seine Recherche ernst genommen hat. Der Film erweitert diesen Realismus teilweise noch.

Im Buch weitestgehend ausgelassen wurde beispielsweise die Wohnumgebung, die sich Mark Watney (Matt Damon) schafft. Die musste für den Film natürlich visuell dargestellt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kohlendioxid-Atmosphäre des Mars, welche atembaren Sauerstoff umgewandelt werden muss.

Dahingehend war der Marsianer der echten Wissenschaft sogar voraus. Ein Experiment zur Gewinnung von Sauerstoff aus dem Kohlendioxid in der Marsatmosphäre namens MOXIE wurde 2020 auf dem Rover Perseverance gestartet – und bewiesen, dass es funktioniert.

Ebenfalls (theoretisch) möglich ist, Kartoffeln auf dem Mars zu ziehen. Dafür braucht Watney nur Erde, die leicht säurehaltig ist und, et voilà, Erdäpfel auf dem roten Planeten.

Der Mars besitzt lediglich 38 Prozent der Anziehungskraft der Erde – das sieht man im Film und kommt Watney zugute. Man sieht ihn immer wieder schweres Equipment herumfuchteln, das »nur noch« etwas weniger als zwei Drittel seines Gewichts wiegt. Dass er dabei in seinem extradicken Raumanzug schwitzt, ist da nur logisch.

Im Film kommuniziert Watney über NASAs Pathfinder (ein echtes Raumschiff, übrigens) über simple Ja-oder-Nein-Fragen und Steine, die er in alphabetischer Reihenfolge sortiert. Nonverbale-Kommunikation wäre nämlich ziemlich unpraktisch.

Die im Film gezeigte ist wahrscheinlich die beste Vorgehensweise – aufgrund der Entfernung zwischen den Planeten würde eine einfache Nachricht zwischen drei und zweiundzwanzig Minuten benötigen, um ihr Ziel zu erreichen. Das würde Gespräche ziemlich langwierig machen.

Watneys Crew will ihn natürlich retten. Sie nutzen die Erdanziehungskraft als eine Art Beschleuniger, um zum Mars zurückzukehren. Physisch gesehen ist das genauso möglich wie die Szene, in der sich der Protagonist durch die Marsatmosphäre katapultiert. Ob man das jedoch unter normalen Umständen überleben würde, ist fraglich.

Was hat der Marsianer nicht richtig dargestellt?

Obschon vieles realistisch ist, so wurden einige Entscheidungen zugunsten des Storytellings getroffen, die manches schlicht unmöglich machen. 

Der größte »Fehler« ist der Sturm, der Watney überhaupt erst von seiner Crew trennt, und die ganze Story ins Rollen bringt.

Die Crew kämpft sich durch einen Sandsturm; Mark Watney geht dabei verloren. (Bildquelle: 20th Century Fox) Die Crew kämpft sich durch einen Sandsturm; Mark Watney geht dabei verloren. (Bildquelle: 20th Century Fox)

Besagter Sturm ist nämlich nicht möglich. Es ist stimmt, dass auf dem Mars Winde bis zu 100 km/h wehen können. Durch das Fehlen von Atmosphäre jedoch würden die sich nicht stärker anfühlen, als wenn ihr in eure Hand pustet.

Laut dem Artikel wusste Weir das selbst, brauchte aber natürlich eine Katastrophe, um den Protagonisten von seinem Team zu trennen.

Auch bei kosmischer Strahlung hat der Autor ein Auge zugedrückt. Die wird nie wirklich adressiert, als würde es sie nicht geben. Nach heutigem wissenschaftlichen Standard sähen Schutzmaßnahmen so aus:

  • Kunststoffplanen, die schwächere Strahlung abhalten.
  • Kabinen aus Metall oder Wasser, die stärkere Strahlung abschwächen.

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Weir ist sich dessen ebenfalls bewusst – und hat da eine praktikable Ausrede:

Ich habe nur gesagt, dass sie in der Zwischenzeit eine Art Material erfunden haben, das sich darum kümmert.

Eine Ungereimtheit betrifft Wasser, respektive die Art und Weise, wie Watney an Wasser kommt. Im Film funktioniert das so:

  • Zuerst spaltet Watnes Raketentreibstoff in Stickstoff und Wasserstoff auf.
  • Dann verbindet er Wasserstoff mit Sauerstoff, um H2O, Wasser, zu erhalten.

Ja, das ist möglich, aber unnötig umständlich. Theoretisch könnte er der Erde Wasser entziehen, was laut Space Centre wohl deutlich einfacher wäre (und keinen wertvollen Treibstoff verbrauchen würde).

Die vielleicht größte Stolperfalle im Film ist allerdings nicht physischer Natur. Während Watney wohl eine Zeit lang hätte auf dem Mars überleben können, hätte niemand auf der Erde einer Rettungsmission zugestimmt. Wegen einer einzelnen Person zum Mars fliegen, wäre schlichtweg zu teuer.

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