Wer vergangenes Wochenende (30. November bis 2. Dezember) bei wolkenfreiem Himmel hinaufblickte, konnte Zeuge eines besonderen Phänomens werden: eine hell leuchtende Spur in großer Höhe. Bis heute ist unklar, was genau die Ursache dafür war.
Der Wissenschafts-YouTuber LPIndie - Astronomie und Wissenschaft hat der Klärung des Rätsels mehr als ein halbes Dutzend Videos gewidmet und gemeinsam mit Kollegen und seiner Community viele Hinweise gesammelt. Wir fassen zusammen und erklären, was sich dort oben wahrscheinlich abgespielt hat - alltäglich war es auf keinen Fall.
Ein todesmutiger Asteroid?
Leuchterscheinungen am Nachthimmel sind an sich nichts Ungewöhnliches. Vieles kann abseits der Sterne für ein Funkeln sorgen: verglühende Kleinstobjekte aus dem All, Flugzeuge, Raketen, Raumstationen wie ISS oder bei Sonnenstürmen sogar Nordlichter. Doch der sich deutlich vom Schwarz abhebende, helle Streifen, war neu.
Der YouTuber LPIndie - Astronomie und Wissenschaft ließ seine fast 200.000 Abonnenten während der vergangenen Tage an seiner Suche nach der Ursache teilhaben. Er sammelte zusätzlich zu seinen eigenen Fotos Aufnahmen aus der Community, so zum Beispiel auch die eines Piloten aus einem Verkehrsflugzeug:
Link zum YouTube-Inhalt
In der ersten, von ihm auf YouTube als belastbar präsentierten Theorie, wäre der Verursacher ein auseinandergebrochener Asteroid gewesen, der die Erde nachweislich in nur wenig mehr als Tausend Kilometer Entfernung passierte, 2024 XA. Das war weit niedriger als die Umlaufbahnen vieler Satelliten im niedrigen Erdorbit (via NASA). Über diese Annäherung berichtete zum Beispiel auch die Frankfurter Rundschau. Sie ist also Fakt, dann aber begann die Theorie.
LPIndies These: Der wenige Meter messende Asteroid sei der Erde so nahe gekommen, dass er von der Erdgravitation zerrissen wurde. Er habe also das sogenannte Roche-Limit zwischen ihm und der Erde unterschritten. Die Leuchtspur wäre demnach ein Gemenge aus gefrorenem Wasser und Staub gewesen, das sich noch eine Weile im Orbit um die Erde hielt, bis es bis zur Unsichtbarkeit ausdünnte und schließlich in der Atmosphäre verglühte.
Wer mehr zur Roche-Grenze
wissen möchte, findet dazu einiges in diesem Artikel zu einstigen Ringen um die Erde.
Orbitale Grüße aus China
Letztendlich war es aber wohl doch kein auseinanderbrechender Asteroid, sondern etwas Irdisches: eine Raketen-Premiere: China schickte am 30. November zum ersten Mal eine Orbitalrakete vom Typ Langer Marsch 12
in den Orbit. An Bord waren experimentelle Satelliten (via spacenews). Der YouTuber aus Deutschland geht darauf schließlich im am 4. Dezember erschienenen Video (siehe oben) näher ein.
Ursächlich für die Leuchterscheinung über Deutschland und anderenorts war wohl ein erneutes Zünden der Oberstufentriebwerke, wie LPIndie sowie der YouTuber Barney Paton erklären. Das von Neuseeland aus aufgenommene Video von Paton, in dem die Zündung deutlich zu erahnen ist, findet ihr auch auf YouTube.
Ob das aber üblich für die Baureihe Langer March 12
ist, ob dort oben etwas Spezielles getestet worden ist oder ob es beim ersten Flug zu einem Schaden kam, das wissen wir nicht. Auch ist derzeit unbekannt, woraus genau der Licht-reflektierende Streifen bestand.
Eventuell bekommen wir in den kommenden Wochen etwas von ESA, NASA oder sogar direkt von der chinesischen Raumfahrtagentur dazu zu lesen. Bis dahin haben wir aber immerhin dank der Arbeit engagierter YouTuber eine Vermutung.

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