Diablo 2 Resurrected: Mit den Systemanforderungen stimmt etwas nicht

Die Neuauflage von Diablo 2 soll noch in diesem Jahr erscheinen. Blizzards offizielle Systemanforderungen werfen allerdings viele Fragen auf, findet unser Autor Nils Raettig.

von Nils Raettig,
22.02.2021 15:54 Uhr

Geht es nach den offiziellen Systemanforderungen, braucht das Remaster von Diablo 2 recht flotte Hardware, zumindest in Anbetracht der Technik. Geht es nach den offiziellen Systemanforderungen, braucht das Remaster von Diablo 2 recht flotte Hardware, zumindest in Anbetracht der Technik.

Systemanforderungen sind Fluch und Segen zugleich. Einerseits helfen sie dabei, vor dem Kauf eines Spiels einzuschätzen, wie gut wir mit unser Hardware dafür aufgestellt sind. Andererseits gibt es keine Standards und so viele verschiedene Ansätze, dass ihre Aussagekraft oft fragwürdig ist.

Diablo 2 anspruchsvoller als Cyberpunk 2077? Das frisch angekündigte Diablo 2: Resurrected ist dafür ein gutes Beispiel. Die bei Battle.net für Full HD empfohlene Hardware liegt teils über dem Niveau eines Assassin's Creed Valhalla und eines Cyberpunk 2077. Wie kann das sein?

Bevor ich mir das genauer ansehe und mir meinen Frust über Systemanforderungen im Allgemeinen von der Seele schreibe, noch ein kurzer Hinweis: Wenn ihr generelle Infos zu Diablo 2: Ressurected sucht, findet ihr alles, was ihr darüber wissen müsst in unserem ausführlichen Übersichtsartikel und im folgenden Video.

Was uns in Diablo 2: Resurrected erwartet - und was nicht 10:43 Was uns in Diablo 2: Resurrected erwartet - und was nicht

Diablo 2: Resurrected - Blizzard übertreibt

Die vielleicht wichtigste Info zuerst: In meinen Augen liegen die empfohlenen Systemanforderungen von Diablo 2: Resurrected viel zu hoch. Aber schauen wir sie uns erstmal genauer an, und zwar im direkten Vergleich mit den Angaben zu Cyberpunk 2077:

Empfohlene Systemanforderungen für Full HD

Diablo 2: Resurrected

Prozessor:
Core i5 9600K (6C/6T)
Ryzen 5 2600 (6C/12T)

RAM:
16,0 GByte

Cyberpunk 2077

Prozessor:
Core i7 4790 (4C/8T)
Ryzen 3 3200G (4C/4T)

RAM:
12,0 GByte

Während die Leistung der Grafikkarten auf einem ähnlichen Niveau liegt, fallen die Angaben zu den CPUs und dem Arbeitsspeicher bei Diablo 2 sogar höher als in Cyberpunk 2077 aus. Für Cyberpunk wird die Detailstufe »Hoch« genannt, während Blizzard keine anvisierten Settings nennt.

Grundsätzlich ist Cyberpunk 2077 durchaus mit einer GTX 1060 akzeptabel in Full HD spielbar, wenn auch eher auf mittleren statt auf hohen Details und nur im Bereich von 30 bis 40 FPS, wie unser Technik-Check zu Cyberpunk 2077 zeigt. Die Angaben zu den CPUs und zum RAM schätze ich ebenfalls als realistisch ein.

Ich kann mir auf der anderen Seite beim besten Willen nicht vorstellen, dass Diablo 2: Resurrected wirklich vergleichbare Hardware benötigt, um in Full HD gut spielbar zu sein, wenn ich mir die Grafik des Spiels so ansehe (ohne das abwertend zu meinen).

Außer, der ständig mögliche Wechsel zur alten Grafik ist schlecht umgesetzt und verbraucht unnötig viele Ressourcen. Da hoffe ich aber lieber, dass Blizzards Angaben übertrieben sind. Wobei ich mir in Bezug auf diese Angaben noch eine ganz entscheidende Frage stelle:

Was heißt »empfohlene Hardware« überhaupt?

Wenn Blizzard dazu raten würde, das Remaster mit dreistelligen FPS-Werten zu spielen, dann erschiene die empfohlene Hardware in einem ganz anderen Licht. Das Problem daran: Blizzard sagt uns nicht, was sie genau mit »empfohlen« meinen. Und das gilt auch für viele andere Publisher und Entwickler.

Über den Autor: Nils Raettig ist seit vielen Jahren Hardware-Redakteur der GameStar. Neben Tests von Grafikkarten, Prozessoren und Co gehört auch der Check von Systemanforderungen in Spielen zu seinen regelmäßigen Aufgaben. Wenn es nicht grade um gemütlichere Titel wie Anno 1800 geht, empfindet er alles unter 60 FPS als maximal bedingt gut spielbar. Das gilt auch für Action-Rollenspiele wie die Titel der Diablo-Reihe. Wie er sich im letzten Jahrtausend gefühlte hundert Mal mit maximal 20 FPS durch die Dungeons des ersten Diablo-Teils kämpfen konnte, weiß er heute nicht mehr. Deckard Cains freundliches »Hello, my friend! Stay a while and listen.« hat sich dagegen samt der unnachahmlichen Musik in Tristam für immer in sein Spielergedächtnis eingebrannt.

Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich müssen die Empfehlungen ja irgendwie entstanden sein, und dann hat man doch wohl auch in einer bestimmten Auflösung und Detailstufe festgestellt, dass das Spiel ungefähr mit so und so viel FPS läuft. Oder sind die Empfehlungen nur so ein Bauchgefühl? Ich hoffe nicht!

Wie entstehen Systemanforderungen? Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass für das Erstellen von Hardware-Angaben die zum jeweiligen Zeitpunkt »fertigste« Version eines Spiels mit unterschiedlichen Komponenten getestet wird. Je mehr Hardware zum Einsatz kommt und je ausführlicher getestet wird, desto besser - aber auch desto aufwendiger.

Mir ist gleichzeitig klar, dass nicht jeder Spieler so viel mit zusätzlichen Angaben wie FPS-Werten und Detailstufen anfangen kann. Aber es schadet doch nicht, diese grundsätzlich sehr wichtigen Daten zu nennen.

Mehr zu Blizzards größerer Remaster-Strategie, den Plänen für die Zukunft und warum es Hoffnung für Warcraft 3: Reforged gibt, lest ihr im Interview mit den Firmenchefs:

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Blizzard hat die Chance, nachzubessern

Bei all der Kritik darf man nicht vergessen, dass der Release des Spiels nicht kurz bevorsteht, auch wenn es 2021 erscheinen soll. Blizzard hat also noch die Möglichkeit, nachzubessern. Außerdem können sich die Systemanforderungen durch zusätzliche Optimierungen generell wieder verändern.

Um möglichst früh zu erfahren, auf welche Detailstufe und FPS-Zahl sich die Systemanforderungen von Diablo 2 Resurrected beziehen und ob Blizzard noch von einer Anpassung der Angaben ausgeht, habe ich vorsorglich schon mal eine passenden Anfrage gestellt.

Die wichtigsten spielerischen Fragen konnte mein geschätzter Kollege Dimitry Halley gleichzeitig schon los werden. Warum ihm Blizzards Antworten trotz vieler »Neins« gefallen haben, erfahrt ihr in seiner Plus-Kolumne:

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Ich hoffe, dass Blizzard auch auf meine technischen Fragen noch aufschlussreiche Antworten liefern wird. Falls ja, erfahrt ihr es natürlich sofort auf GameStar.de.

Außerdem muss ich gleich noch eine dringende Anfrage an Blizzard verschicken - schließlich hätte Diablo 1 deutlich eher ein Remaster verdient als Diablo 2! Allein, um aus den drei (!) verschiedenen Outfits pro Klasse mindestens sechs zu machen.

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