Discord hat gerade das wichtigste Update seit Jahren angekündigt: Es ist ein Befreiungsschlag für die verlorene Forenkultur

Discord geht für mich den besten Schritt seit Jahren und macht bestimmte Servernachrichten direkt in der Google-Suche auffindbar.

Discord möchte Servernachrichten bald über die Plattform hinaus fürs Internet zugänglich machen – und ich freu mich aufs Update. (Bildquelle: GameStar Tech) Discord möchte Servernachrichten bald über die Plattform hinaus fürs Internet zugänglich machen – und ich freu mich aufs Update. (Bildquelle: GameStar Tech)

Am 27. Oktober 2026 hat Discord ein großes Update angekündigt, das bei der Community ganz unterschiedlich wahrgenommen wird und im Netz für heftige Diskussionen sorgt.

Demnächst sollen bestimmte Nachrichten aus öffentlichen Discord-Servern auch außerhalb der Plattform zu finden sein, und zwar direkt im Web und somit auch in der Google-Suche.

Und während manche eine aus meiner Sicht unbegründete Panik haben, dass ihre privaten Inhalte von Discord geleakt werden, freue ich mich auf die Funktion.

Die ab dem 16. November schrittweise startende Neuerung ist aus meiner Sicht der beste Schritt seit langem und könnte die verlorene Forenkultur wieder zurückbringen. Zumindest teilweise.

Aaron Hofmann
Aaron Hofmann

Anfangs weigerte sich Aaron strikt, Discord zu verwenden. Schließlich hatten er und seine Freunde über mehrere Jahre auf TeamSpeak gesetzt und das System funktionierte problemlos – wieso also wechseln?

Mit der Zeit entdeckte er die praktischen Features von Discord und die vielen nützlichen Informationen, die in den Communities zu finden sind. Auch wegen seines Freundeskreises wechselte er schließlich zu Discord. Heute nutzt er eine Kombination aus Discord und der Open-Source-Alternative Fluxer.

Zugänglichkeit statt Datenleck: Was Discord wirklich plant

Bevor ich darauf eingehe, warum Discords Pläne eine echte Chance darstellen, sollten wir erstmal kurz klären, was Discord nun eigentlich angekündigt hat.

Ab dem 16. November erhalten alle öffentlich auffindbaren Discord-Server eine eigene Website. Dort können zunächst Zusammenfassungen aus öffentlichen Kanälen erscheinen, ab Mitte Dezember dann auch einzelne Nachrichten in der Websuche. Ältere Nachrichten bleiben dabei ausgeschlossen.

Das gilt allerdings nur für sogenannte Discoverable-Server. Also all jene Server, die ihr ohne Einladung finden und direkt betreten könnt. Zudem müssen die Server mindestens acht Wochen alt sein, 1.000 Mitglieder haben sowie bestimmte Aktivitäts- und Sicherheitsstandards erfüllen.

Von Discord wird ausdrücklich betont, dass private Chats, geschlossene Server und Gruppen von Veröffentlichungen weiterhin ausgeschlossen bleiben.

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Einen Vorteil gibt es, wenn ihr in der EU, in Großbritannien, Kanada, Brasilien, Australien oder Südkorea lebt. Dort müsst ihr die Veröffentlichung eurer Nachrichten in den Privatsphäre-Einstellungen von Discord erstmal selbst aktivieren. Aufgrund geltender Datenschutzvorgaben ist die Funktion hier – im Gegensatz zu vielen anderen Regionen – standardmäßig ausgeschaltet.

Eure einzelnen Nachrichten sollten also zumindest in der EU nicht ohne eure Zustimmung im Netz landen. Die automatischen Kanalzusammenfassungen sind davon allerdings unabhängig. Ob ein Kanal Inhalte im Web teilt, erkennt ihr an einer kleinen Markierung im Kanal-Header. 

Schon vor dem Update könnt ihr der Freigabe eurer Nachricht in den Einstellungen widersprechen. (Bildquelle: GameStar Tech) Schon vor dem Update könnt ihr der Freigabe eurer Nachricht in den Einstellungen widersprechen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Doch während es für mich wenig Wichtigeres als die Kontrolle über die persönlichen Daten im Netz gibt, sehe ich im Fall von Discord einen echten Mehrwert, die sowieso öffentlichen Nachrichten auch im Internet zu teilen – gerade für Entwickler, Indiestudios und Communities.

Weg vom Login-Zwang: Darum freue ich mich auf das Update

Solltet ihr euch für bestimmte Spiele, Filme, Communities oder Themen interessieren und dafür regelmäßig das Internet durchsuchen, seid ihr sicherlich schon mal auf Aussagen wie: »Joint einfach unserem Discord« gestoßen. Doch will man das immer? Ich nicht.

Früher hat es im Internet eine große Forenkultur gegeben, in der aktiv zu aktuellen Themen diskutiert wurde und man mal nach kürzerer, mal nach etwas längerer Zeit interessante Antworten bekommen hat.

Mit dem Aufkommen von Plattformen wie Discord und dem zunehmenden Hype um Reddit hat sich diese Kultur aber von individuellen Seiten zu Social Media verschoben. 

Und während Reddit-Beiträge direkt im Web gefunden werden, schiebt Discord einen Riegel vor seine Inhalte und bleibt ein eher geschlossenes System, bei dem ihr bisher ohne Account kaum an die dortigen Diskussionen kommt.

Es gibt zwar noch aktive Foren – allein im GameStar-Forum seid ihr immer noch fleißig am Kommentieren, Diskutieren und Austauschen – doch bleiben Plattformen wie Discord oft die Sieger.

Dennoch sieht die Realität teilweise komplizierter aus: Allein weil ich ein großer Fan von Indie-Spielen bin und gerne die Entwicklung der Projekte verfolge, bin ich häufig gezwungen, Discord-Communities beizutreten. Als eher passiver Nutzer kommentiere ich dabei nicht und habe in der Regel auch kein Interesse daran, in den vielen Offtopic-Kanälen zu diskutieren.

Für Updates, Community-Feedback oder um bestehende Bugs beispielsweise in Demoversionen zu melden, führt aber häufig kein Weg an Discord vorbei. Dadurch bleiben viele Infos der breiten Masse im Netz verborgen.

Ein Grund dafür ist auch, dass viele Entwickler so den direkten Austausch mit ihrer Community haben und keinen zusätzlichen Devlog betreiben müssen. Schließlich sind alle Informationen ja bereits auf Discord zu finden, und es fallen weder zusätzliche Kosten noch der Aufwand an, um eine wahrscheinlich klickärmere Website zu betreiben.

Discord könnte den Communities diese Hürden abnehmen und ähnlich wie Reddit die Beiträge, Informationen, Updates und Diskussionen direkt im Netz auffindbar machen. Werden die Server für Google geöffnet, bekommen diese Inhalte endlich die Sichtbarkeit, die sie oft verdienen.

Ohne das Mitspielen von Nutzern und Servern geht es nicht

Statt wie bei Reddit einzelne Diskussionen auf eigenen Seiten sichtbar zu machen, spricht Discord davon, für jeden Server, der die Kriterien zum Netzanschluss erfüllt, eine eigene Server-Website anzubieten.

Wenn ihr mal auf Discord unterwegs wart, dann wisst ihr, dass gerade in öffentlichen Servern auch viele weniger sinnvolle Beiträge gepostet werden und manche Inhalte sich doppeln. 

Das ist zwar bei klassischen Foren und vielen Online-Communitys auch der Fall, doch wenn Personen mit inhaltlich wertvollen Beiträgen ihre Nachrichten nicht zur Veröffentlichung freigeben, hat das einen deutlich stärkeren Einfluss.

Wenn auf der Website dann statt hilfreicher Updates nur Offtopic-Diskussionen auftauchen, hilft das einem auch nicht weiter. Für die wichtigen Informationen und die Themen, die euch interessieren, kann der Anmeldezwang dann weiterhin bestehen.

So kann das Angebot mancher öffentlicher Server aussehen. (Bildquelle: GameStar Tech) So kann das Angebot mancher öffentlicher Server aussehen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Nehmen wir mal an, ihr sucht nach einer Information zu einem heiß erwarteten Videospiel und möchtet etwa das Veröffentlichungsdatum erfahren. Nun hat aber der Admin die Funktion zum Teilen der Nachrichten im Update-Kanal deaktiviert.

Auf dem Server gibt es aber neben dem vom Admin betriebenen Update-Kanal, der euch eigentlich interessiert, auch Kanäle zu Memes, Essen, Spieleempfehlungen oder Kunst. Hier haben die Admins die Veröffentlichung erlaubt und einige User ihre Nachrichten freigegeben, weshalb ihr statt Spielinformationen plötzlich Ratschläge für euer Mittagessen bekommt.

Das mag für manche vielleicht spannend sein, liefert am Ende aber keinen Mehrwert, wenn ihr eigentlich nur nach dem Veröffentlichungsdatum sucht.

Fairphone 6
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Crosscall Stellar M6
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Mein Fazit: Eine Chance mit viel Potenzial

Statt eines Datenschutzskandals handelt es sich bei dem Feature also viel mehr um eine Chance, mit künstlichen Barrieren aufzuräumen. Allerdings nur dann, wenn die Serverbetreiber und ihre Nutzer auf die Möglichkeit zurückgreifen und ihr Wissen ins Netz tragen wollen.

Gerade bei Communities, die sich den Aufwand einer zusätzlichen Webseite ersparen und zusätzliche Werbung für ihre Projekte machen wollen, kann ich mir das gut vorstellen. Die Mindestgrenze von 1.000 Mitgliedern könnte allerdings gerade neue und Indie-Projekte ausgrenzen.

Wie die Seiten letztendlich aussehen, erfahren wir ab dem 16. November. Welche einzelnen Nachrichten bei Google auftauchen, zeigt sich dagegen frühestens ab Mitte Dezember.

Für mich landen die Informationen dann aber endlich dort, wo sie hingehören: frei auffindbar im Web.


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