⚠️Trigger-Warnung
Cucina Stellata experimentiert intensiv mit Body Horror im Kontext von Lebensmitteln und Nahrungsaufnahme. Das Spiel nutzt dabei sehr markante Schmatz- und Kaugeräusche (Misophonie-Warnung) als Stilmittel. Thematisch tangiert der Titel zudem Kannibalismus und Selbstverstümmelung. Solltet ihr auf diese Themen sensibel reagieren, dann überspringt diese Spielvorstellung und das Spiel.
Wo zieht ihr bei eurem Speiseplan die moralische Grenze? Bereits bei herkömmlichem Fleisch? Oder erst bei knusprigen Insekten? Vielleicht rohen Innereien? Wie wäre es mit einem wehrlosen, anthropomorphen ... Alien? Zählt das schon als Kannibalismus oder ist das einfach nur exotisch?
Genau mit solchen unangenehmen Fragen konfrontiert mich Cucina Stellata. Das kostenlose Spiel macht in meiner Horror-Bubble gerade die Runde und bekommt viel Lob (etwa in Form von 97 Prozent positiver Steam-Reviews) , also musste ich es mir selbst anschauen. Obwohl mir das etwa einstündige Spiel den Appetit für die nächsten Wochen verdorben hat, bin ich hypnotisiert. Denn die Entwickler haben absolut verstanden, was Body Horror so furchtbar ungemütlich macht.
Außerirdisch gutes Menü
Als Spiel ist Cucina Stellata recht simpel: Ich schlüpfe in die Ofenhandschuhe eines leidenschaftlichen Kochs im Italien des 19. Jahrhunderts, der danach strebt, ein Gericht zu kochen, das ihn in Ekstase versetzt. Die Geheimzutat liegt dabei in seinem Keller auf der Streckbank.
Erstmal scheint alles friedlich. Ich werfe Butter in die Pfanne, knete Teig und schneide daraus kleine Teigtaschen. Ich würze mein Gericht mit Petersilie und reibe noch etwas frischen Parmigiano dazu. Das Feuer knistert, die Pfanne brutzelt, vor dem Fenster heult leise der Wind. Da läuft mir glatt das Wasser im Mund zusammen. Bis ich in besagten Keller geschickt werde, um ... die Proteine zu holen.
Der Koch hat sich nämlich einen Außerirdischen gefangen, der lebendig an einen Tisch gekettet ist. Mit einem Beil schneide ich mir ein ums andere Mal Fleisch vom winselnden Körper des Lebewesens ab. Das landet dann in der Pfanne, im Topf, in den Teigtaschen oder als Aufstrich auf Brot.
Mit großer Gier und Schmatzen, das klingt, als käme es direkt aus meinem eigenen Mund, verschlingt der Koch seine Kreationen. Jede außerirdische Mahlzeit schickt ihn dabei auf einen wilden Trip – mit jedem Bissen werden die Farben greller, die Euphorie größer ... und der Hunger unstillbarer.
Ganz ehrlich, ein paar Pilze für den Trip hätten es auch getan ...
Cucina Stellata auf SteamProbier's mal mit Ungemütlichkeit
Bei Cucina Stellata dreht sich mir der Magen um. Ich schaue weg vom Bildschirm, wenn ich das lebende Alien-Männchen filetiere. Ich versuche nicht daran zu denken, was ich gerade mit Sägebewegungen der Maus in Scheiben schneide. Mein Trommelfell will vor den überzeichneten Kau-Geräuschen fliehen. Was das kostenlose Steam-Spiel auf dem Bildschirm und durch meine Kopfhörer abliefert, ist brutal, eklig, abstoßend, widerlich, [hier weitere Synonyme für degoutant einfügen].
Aber das wahre Highlight sind für mich die Gedanken, die das Spiel bei mir anstößt.
Durch Briefe und Tagebucheinträge spickel ich ein wenig in die Vergangenheit des Kochs. Eine schwierige Beziehung zu seinen Eltern, eine obsessive Verbindung zu seiner Schwester, kein soziales Umfeld – alles deutet auf eine geplagte Seele und einen mental gebrochenen Menschen hin.
Wie verlagern sich moralische Grenzen, wenn einem das Leben übel mitspielt? Wann ist der Punkt erreicht, an dem der Koch seine eigene Menschlichkeit auffrisst? Können wir wahre Ekstase nur dann erleben, wenn wir moralische und gesetzliche Regeln sprengen? Sind wir Menschen tief im Inneren nach wie vor einfach nur wilde Tiere, die ihre Instinkte nicht unter Kontrolle haben?
Fragen über Fragen über Fragen – die mich auch nach dem Abspann und dem zweideutigen Ende begleiten. Genau dieses psychologische Nachbeben macht Cucina Stellata zu einem Horrortrip, der mir noch lange schwer im Magen liegen wird.
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