Via Pressemitteilung hat Disney bekannt gegeben, seine Zusammenarbeit mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen ab sofort zu intensivieren. Das wirkt sich vor allem auf die Abonnenten von Disney Plus aus, die noch im August 2025 über 3.000 neue Inhalte erhalten sollen.
Der Streaming-Deal hinterlässt jedoch einen bitteren Beigeschmack. Denn die ZDF-Produktionen wurden über die Rundfunkgebühr bezahlt.
Krimis, Krimis und Krimis
Bereits seit 2021 erscheinen in unregelmäßigen Abständen Produktionen der ZDF Studios auf Disney Plus, darunter Serien wie Der Bergdoktor und Die Bergretter. 2025 wird diese Zusammenarbeit jedoch auf das nächste Level gehoben.
Ab dem 27. August 2025 bis Ende des Jahres werden schrittweise über 3.000 Filme und Serien-Episoden vom ZDF auf Disney Plus erscheinen. Darunter Serien wie SOKO, München Mord, Nord Nord Mord, Marie Brand und Wilsberg. Die jeweiligen Inhalte können über die Suchfunktion in Disney Plus aufgerufen werden.
Des Weiteren sollen neue Episoden ausgewählter Serien, die jedoch nicht näher benannt werden, wenige Monate nach der Ausstrahlung im ZDF ebenfalls auf Disney Plus erscheinen. Die Lizenzvereinbarung wurde für mehrere Jahre unterschrieben. Fans deutscher Krimis, die das lineare Fernsehen bisher gemieden haben, dürften also für lange Zeit beschäftigt werden.
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Ein zweischneidiges Schwert
Allerdings stößt diese Neuerung nicht überall auf Gegenliebe. Denn die Inhalte des ZDF werden größtenteils durch die Rundfunkgebühr finanziert, die jeder Haushalt in Deutschland monatlich abtreten muss. Jetzt werden allerdings Produktionen, die bereits bezahlt wurden und daher eigentlich kostenlos in der ZDF-Mediathek zur Verfügung stehen oder zumindest stehen sollten, in einer Zweitverwertung hinter eine Bezahlschranke gestellt.
Doppelt bezahlt: Theoretisch verlieren die Rundfunkbeitragszahler nichts, schließlich gibt es dadurch nicht weniger kostenlose Inhalte in der ZDF-Mediathek. Doch wenn Disney nun die Gelder aus dem Plus-Abo verwendet, um ZDF-Produktionen zu lizenzieren, haben Nutzer im Endeffekt doppelt dafür bezahlt. Weiter bleibt weniger Budget für andere Produktionen und Lizenzen übrig.
Es gibt jedoch auch positive Folgen: Über 3.000 neue Inhalte sind natürlich eine ziemliche Hausnummer. Die ZDF-Mediathek ist nicht immer einfach zu durchschauen, wodurch Disney Plus eine angenehmere Alternative darstellen könnte. Zudem brauchen Abonnenten so möglicherweise nur eine App, um bestimmte Inhalte zu sehen.
Außerdem werden jetzt auch Menschen abgeholt, die sich für regionale Inhalte interessieren. Bisher gab es schließlich nur wenige deutsche Produktionen auf Disney Plus.
Liegt das an einer EU-Verordnung?
Laut einer EU-Verordnung von 2018 sind Streaming-Dienste innerhalb der EU dazu verpflichtet, dass mindestens 30 Prozent der angebotenen Inhalte aus Europa stammen müssen.
Mit der Lizenzvereinbarung zwischen Disney und dem ZDF ist diese Auflage vermutlich schnell und kostengünstig erfüllt, ohne den deutschen Abonnenten von Disney Plus einen nennenswerten Mehrwert zu bieten. Und das mit Produktionen, die sie teilweise selbst finanziert haben.
Ob die Lizenzvereinbarung tatsächlich mit der EU-Verordnung in Zusammenhang steht, kann nur spekuliert werden. In jedem Fall hat Disney zukünftig deutlich weniger Anreize, andere europäische Filme und Serien zu lizenzieren oder gar eigene in Europa zu produzieren.
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