Fünf Jahre nach Bekanntwerden des Ubisoft-Skandals hat ein französisches Strafgericht jetzt ein deutliches Urteil gefällt: Drei ehemalige Spitzenmanager des Publishers wurden wegen sexueller und moralischer Belästigung sowie versuchter sexueller Nötigung schuldig gesprochen.
Drei Schuldsprüche, aber keine Haft
Am 2. Juli 2025 sprach das Strafgericht in Bobigny bei Paris die Urteile gegen Tommy François, Serge Hascoët und Guillaume Patrux. Die drei hatten das Unternehmen 2020 verlassen, nachdem eine Welle von Enthüllungen rund um sexuelle Übergriffe und Mobbing eine internationale Debatte über Missstände in der Spielebranche ausgelöst hatte.
- Thomas François (ehemaliger Editorial Vice President):
- Drei Jahre Haft auf Bewährung
- 30.000 Euro Geldstrafe
- Schuldig gesprochen wegen moralischer und sexueller Belästigung sowie versuchter sexueller Nötigung.
- Besonders schwerwiegende Vorwürfe: François zwang eine Mitarbeiterin, im Rock einen Kopfstand zu machen, versuchte, Mitarbeiterinnen gegen ihren Willen zu küssen, und initiierte sogenannte »Spiele«, bei denen Kollegen und Kolleginnen begrapscht wurden.
- Serge Hascoët (ehemaliger Chief Creative Officer):
- 18 Monate Haft auf Bewährung
- 45.000 Euro Geldstrafe
- Schuldig wegen psychologischer Belästigung und Beihilfe zu sexueller Belästigung.
- Besonders schwerwiegende Vorwürfe: Hascoët fiel durch sexistische und rassistische Kommentare auf, ließ Mitarbeiterinnen private Aufgaben erledigen und zeigte sich während des Prozesses uneinsichtig: »Das sieht man doch in Filmen«.
- Guillaume Patrux (ehemaliger Game Director):
Die Bewährungsstrafen bedeuten: Die drei Ex-Spitzenmanager sind schuldig, müssen aber nicht ins Gefängnis – es sei denn, sie werden während der Bewährungszeit erneut straffällig.
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Wie kam es dazu?
Die Enthüllungen begannen 2020, als anonyme Berichte über sexuelle Übergriffe, Mobbing und eine »Boys’ Club«-Atmosphäre bei Ubisoft öffentlich wurden.
Interne Untersuchungen und Medienberichte führten dazu, dass die drei Manager das Unternehmen verließen – teils durch Rücktritt, teils durch fristlose Kündigung. Die Vorwürfe reichten von sexistischen Sprüchen und Demütigungen hin zu gezielten Übergriffen und Einschüchterungen.
Wie geht es weiter bei Ubisoft?
Ubisoft hat seit 2020 interne Reformen angekündigt, doch ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kritisieren, dass viele Probleme weiterbestünden und einige Verantwortliche lediglich versetzt oder sogar befördert wurden.
Zwar wurden neue Compliance-Abteilungen aufgebaut, Whistleblower-Kanäle eingerichtet und externe Beratungsfirmen einbezogen, doch viele sehen darin eher Schadensbegrenzung als echten Kulturwandel. Ein System in einem riesigen Unternehmen, das jahrelang weggeschaut hat, lässt sich nicht über Nacht reparieren. Aber der erste Schuldspruch dieser Art in der Gaming-Branche könnte der Anfang sein.
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