Heute kaum vorstellbar, aber das größte Rollenspiel der Welt stand in seiner bewegten Geschichte gleich mehrmals vor dem Aus. Oder besser gesagt, sein ursprünglicher Verlag. Denn als Dungeons & Dragons 1974 das erste Mal veröffentlicht wurde, segelte es noch unter dem Banner des extra dafür gegründeten Verlags Tactical Studies Rules – kurz TSR.
Das Unternehmen feierte in den frühen Tagen ihres Rollenspiels gewaltige Erfolge und wuchs rasant. Nach einer ersten Krise in der Mitte der 1980er-Jahre, ausgelöst durch Missmanagement und Überproduktion, konnte sich das Unternehmen nach einiger immenser interner Streitigkeiten allerdings noch mal fangen.
Ende der 90er ist TSR dann aber wirklich am Boden – und Mitschuld an diesem Niedergang hatte ein neues Kartenspiel, das heute sehr eng mit D&D verbunden ist: Magic: The Gathering.
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Magic setzt die Welt in Brand
Magic: The Gathering wurde im Jahr 1993 veröffentlicht, von dem damals noch sehr jungen Verlag Wizards of the Coast. Dabei wollte Wizard of the Coast sogar ursprünglich eher auf den Rollenspiel-Zug aufspringen, den D&D ins Rollen gebracht hatte.
Dieser Versuch scheiterte jedoch, insbesondere aufgrund einiger Klagen, und Wizards suchte sich einen neuen Markt. Da das Geld für ein richtiges Brettspiel knapp war, sollte stattdessen etwas entstehen, das günstiger zu produzieren und leicht auf Conventions herumzutragen war.
Der Gamedesigner Richard Garfield pitchte daraufhin seine Idee, Baseball-Sammelkarten mit einem Kartenspiel zu kombinieren und Magic: The Gathering war geboren. Das erste Sammelkartenspiel der Welt.
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MTG schlug heftiger ein als ein Feuerball auf Level 6 und setzte damit den Spielemarkt in Brand. Die Kombination aus einem taktischen Kartenspiel und Boosterpackungen mit zufälligen Karten revolutionierte den Markt. Packungen wurden zu hunderten gekauft in der Hoffnung, die eine Karte zu finden, die das eigene Deck noch braucht. Es waren eben die ersten Lootboxen.
Plötzlich standen die Menschen in Schlangen vor den Spieleläden, für die sich der Verkauf von Magic-Karten ebenfalls als enorm rentabel herausstellte. Entsprechend verlagerte sich der Fokus dieser Läden auch immer weiter auf Sammelkarten und weg von klassischen Brettspielen oder eben Rollenspielen wie D&D.
Nicht der einzige Grund, aber der Todesstoß
Diese rasante neue Marktentwicklung war für TSR eine Katastrophe. Das Unternehmen hatte sich zwar wieder gefangen, litt aber in den 90er-Jahren abermals unter Missmanagement. Zwar versucht TSR mit einem eigenen Sammelkartenspiel mitzuziehen, das floppt jedoch vollständig.
Zuvor geriet ihr Kerngeschäft mit DnD ins Wanken, da das Unternehmen mit einer unerhörten Anzahl an immer neuen Settings sich selbst kannibalisierte und die Kundschaft zerfaserte. Der Produktionsaufwand, um all diese Settings frisch und unterhaltsam zu halten, war zu viel.
Da TSR obendrein an Fläche bei den Hobbyläden verlor, setzte das Unternehmen stattdessen darauf, seine Produkte über den Verlag Random House in die Buchläden zu bringen. Allerdings besteht bei Buchhändlern traditionell ein Remissionsrecht.
Sprich: Random House und die Buchhändler konnten nicht verkaufte Exemplare an die Hersteller zurückschicken und mussten dann den Kaufpreis erstattet bekommen.
TSR hatte sehr optimistisch gewaltige Mengen an Produkte in die Buchhandlungen gebracht, die dort dann einfach liegen blieben und schließlich alle gleichzeitig zurückgeschickt wurden. Plötzlich blieb TSR vollständig auf den Produktionskosten sitzen, während die Waren in ihren Lagerhäusern verstaubten.
Der Erfolg von Magic fungierte dadurch also als Brandbeschleuniger, der TSR in eine gewaltige Krise stürzte, deren Grundlage sie aber bereits zuvor selbst gelegt hatten.
Wizards kauft D&D
1997 stand TSR vor einem gewaltigen Schuldenberg, um die 30 Millionen US-Dollar. Das Geschäft lag am Boden und es gab keine andere Wahl mehr, als TSR zu verkaufen. Ironischerweise war es dann Wizards of the Coast, der Verlag hinter Magic, der diesen Schritt machte.
Am 10. April 1997 gab Wizards bekannt, TSR und alle seine Produkte übernommen zu haben. Bald wurde vielen Mitarbeitern von TSR eine Versetzung in die Geschäftsstelle von Wizards of the Coast angeboten, bevor der ursprüngliche D&D-Verlag schließlich verschwand.
Unter Wizards of the Coast wurde D&D revitalisiert und im Jahr 2000 erschien für viele Fans des Rollenspiels mit D&D 3rd Edition eine der beliebtesten Versionen überhaupt. Mittlerweile gehen D&D und Magic Hand in Hand. Es gibt zahlreiche Decks rund um Dungeons & Dragons, aber auch D&D-Bücher in der Welt von Magic: The Gathering.
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