E3-Messetrend: Blut und Morde

Der Grad der Gewaltdarstellung nimmt angesichts der grafischen Möglichkeiten und neuen Technologien immer mehr zu. Christian Schmidt geht diesem Trend auf der E3 Media nach.

von Christian Schmidt,
12.07.2007 10:30 Uhr

Dass Computerspiele – zumal Actionspiele – nicht zimperlich sind, wenn es um die Darstellung von Waffen und deren Auswirkungen geht, ist bekannt. Seit der Veröffentlichung der „Next Gen“-Konsolen Xbox 360 und Playstation 3 leuchten die Entwickler zudem die grafischen Möglichkeiten der hardwarestarken Technologie aus. Wie das aussieht, wenn beide Phänomene zusammentreffen, war auf der E3 2007 anschaulich zu erkennen: Die Spiele werden immer expliziter und detaillierter im Grad der Gewaltdarstellung.

„Wir sind der Meinung, dass Gewalteffekte den Spielspaß erhöhen können, wenn sie richtig eingesetzt werden“, fasst Todd Howard von Bethesda die Ansichten vieler Designer bündig zusammen. Howards Rollenspiel Fallout 3 lässt Köpfe in Zeitlupe in blutige Bröckchen explodieren und erlaubt den Spielern, einzelne Körperteile von Gegnern zu zerschießen. Die Extremitäten von Leichen lassen sich zu blutigen Stümpfen zerschinden, sollte man an so etwas einen erhöhten Spielspaß haben. Explizite Gewaltdarstellung ist seit jeher ein Merkmal der Fallout-Serie; im dritten Teil wirkt sie allerdings durch die Ich-Perspektive und die dramatische Zeitlupen-Inszenierung deutlich greifbarer.

Die Lust am Zerfleddern menschlicher Körper ist nicht nur Fallout 3 eingeschrieben. Das Online-Rollenspiel Age of Conan lässt Köpfe rollen und Gliedmaßen fliegen; auch hier gehört die übersteigerte Gewalt zum archaisch-adrenalinschwangeren Conan-Universum. Im Shooter Timeshift lassen sich Soldaten in Stücke sprengen oder in Arme und Beine schießen, woraufhin sie lahmen. Dasselbe funktioniert in Fallout 3.

Moderne Shooter wie Crysis, Call of Duty 4 oder Frontlines schicken ihren Spielern scharenweise menschliche Gegner vor die Flinte. Dank der grafischen Leistungsfähigkeit der modernen Hardware bewegen und verhalten die sich verblüffend lebensecht – auch bei ihrem Ableben. Zur Darstellung von Gefechten gehört mittlerweile die realistische Simulation von Leid.

Im Actionspiel Stranglehold wird solcher Schmerz zum Spektakel. Inspector Tequila kann Gegnern in die Gurgel schießen, die dann röchelnd zu Boden gehen. Bei Kopfschüssen verfolgt eine Kugelkamera das Projektil bis zum Einschlag in den Schädel des Opfers. Das Gleiche gibt’s im Horrorspiel Jericho. Gerade Gruselprogramme wie Jericho oder auch das zweite F.E.A.R.-Addon Perseus Mandate setzen seit jeher auf Blut und Splattereffekte, um Schrecken zu erzeugen. Neu ist aber die Intensität und Qualität der Bilder, die PCs und Konsolen mittlerweile darzustellen in der Lage sind.

Besonders makaber wird’s, wenn zur Gewaltdarstellung der Zwang zu zweifelhaften Aktionen kommt. In Timeshift kann man Gegner entwaffnen; die Feinde sinken daraufhin auf die Knie und heben die Hände. Wer die Wehrlosen in dieser Situation nicht erschießt, riskiert, dass sie sich neu bewaffnen und angreifen; das Programm zwingt seine Spieler also förmlich dazu, Unbewaffnete zu töten.

„Für Deutschland werden wir das wohl entschärfen müssen“, kommentiert der Timeshift-Macher Kyle Peschel. Das Bedauern darüber ist seiner Stimme anzuhören.

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