Zugegeben, Mini-PCs in verschiedenen Schrumpfungsgraden gibt es schon lange und die meisten davon legen deutlich mehr Wert auf Miniaturisierung als auf Performance. Da rümpft der Gamer schon einmal die Nase und zieht verstört eine Augenbraue hoch - aber es muss ja nicht so sein. Im Mini-ITX-Format lassen sich durchaus potente Gaming-Maschinen basteln, wie ich selbst erfahren durfte.
Meinen ersten PC habe ich 1992 eher unfreiwillig basteln dürfen, ein hässlicher Klotz mit 25 MHz Taktfrequenz, 4 Megabyte RAM und einer Grafikkarte mit satten 512 Kilobyte Speicher. Meinen ersten Minirechner musste ich jobbedingt Anfang der 2000er zusammenstellen und ich habe alles daran gehasst - es war eng, Kühlung kaum möglich und die Komponentenwahl sehr begrenzt. 2025 zeigte mir hingegen, was sich seitdem alles getan hat.
Es kommt nicht auf die Größe an ...
Den Spruch kennt ihr alle, nehme ich an? Stimmt tatsächlich, die Technik ist viel wichtiger. Dachte ich mir jedenfalls, als ein Ersatz für den in die Jahre gekommenen PC nötig wurde. Um ehrlich zu sein: Der AMD Ryzen 7 5800X3D war zwar noch irgendwie ok, meine liebevoll hingewurstelte Stadt in Cities Skylines 2 überforderte die acht Kerne des Prozessors ab einer gewissen Einwohnerzahl aber doch schon sehr und im Slowdown bringt Citybuilding nur bedingt Spaß.
Als Ersatz fiel mir ein Mini-ITX-Board von Minisforum in die Hände. Und ja, vielleicht habe ich ein wenig gesabbert angesichts der technischen Daten: Auf dem Board ist ein AMD Ryzen 9 7945HX3D bereits fest verbaut.
Dabei handelt es sich um einen eigentlich für Notebooks gedachten Prozessor der Zen4-Generation mit satten 16 Cores, 32 Threads, bis zu 5,4 GHz Taktfrequenz und AMDs Gaming-Geheimwaffe 3D-Cache. Im Gegensatz zur in Laptops genutzten Version kann die CPU hier 100 Watt statt 50 Watt aufnehmen.
Damit kommt die CPU auf 128 MByte L3-Cache. Ihr erinnert euch noch an meine großväterliche Erzählung vom ersten PC mit 25 MHz? Der hatte weniger Festplattenspeicher als der Ryzen Cache. Bei dieser Vorstellung setzt regelmäßig etwas in meinem Geekhirn aus und drei Tage später klingelt der Paketbote.
Mini ITX? WTF, IDK?
Die meisten Gaming-Mainboards halten sich an die Standards ATX und Micro-ATX (mATX), gleiches gilt für die üblichen PC-Cases - egal ob Fishtank oder Standardtower.
Mini ITX schrumpft die Boardgröße auf 170x170 mm und glaubt mir, das ist schon ganz schön klein, wenn man da noch CPU, RAM, SSD und eine brauchbare Kühlung für Spannungswandler und so reinquetschen möchte.
Beim Minisforum BD790i X3D ist der Prozessor daher fest verlötet und mit einem nicht wechselbaren Kühlkörper versehen. RAM liegt nicht bei, hier kommen DDR5-Laptop-Module in SO-DIMM-Bauform zum Einsatz. Unter einem erstaunlich mächtigen Kühler mit eigenem Lüfter finden zwei M.2-SSDs mit PCIe Gen5 Platz. Für die Grafikkarte steht der einzige PCIe x16 Gen5 Slot bereit.
Die restliche Ausstattung ist zweckmäßig, ein USB-C-Header für einen schnellen Frontanschluss fehlt beispielsweise. Dafür gibt es einen USB3.0-Header, 2x USB 2.0 sowie 2x USB 3.1 (5 Gigabit/s) und einmal USB-C mit 10 Gigabit/s auf der Slotblende. Dort findet sich auch Audio in und -out sowie HDMI und Displayport für die langsame Onboard-Radeon.
Die Komponenten des Mini-PCs
- Minisforum BD790i X3D Mainboard
- AMD Ryzen 9 7945HX3D (16C/32T, bis 5.4 GHz, 100 Watt)
- 2x 16 Gigabyte DDR5-5600 von Corsair
- 2x 2,0 TByte SSD M.2 Gen4
- Chieftec SFF Netzteil 550 Watt 80+ Gold
- Asus Dual RTX 4070 Super 12 GByte
- MiniNeo S400 Mini-ITX Gehäuse
Beim Gehäuse fiel meine Wahl ursprünglich auf das Corsair iCUE 2000D. Das erschien mir dann, als es vor mir stand, aber doch als zu voluminös. Das muss doch noch handlicher gehen? Als gefühlt nur halb so groß und laut Spezifikation trotzdem passend erwies sich dann das MiniNeo S400.
Ein Gehäuse mit nur 10 Litern Innenvolumen, mit ab und zu durchaus praktischem Griff an der Oberseite und einer Sandwichbauweise, um größere Grafikkarten per Riserkabel verbauen zu können. Die Karten dürfen dabei auch drei Slots nutzen, sind aber bei der maximalen Länge etwas eingeschränkt - eine RTX 5080 würde trotzdem passen, so ich denn eine besitzen würde.
Zusammenbau: Erstaunlich einfach. Leistung: hui!
Kennt ihr das: Ihr habt vor einer Aufgabe irgendwie irrational Angst und schiebt sie daher immer wieder einen Tag nach hinten, aber wenn ihr euch einmal überwunden habt, war es dann doch erstaunlich einfach? Ich jetzt auch.
Im Gehäuse war es zwar eng und es war sehr sinnvoll, dass ich mir vorher Videos mit Erfahrungsberichten und Tipps angeschaut habe. Aber ich hätte viel mehr Kampf beim Verstauen all der Teile erwartet!
Das Basteln eines PCs in einem größeren Gehäuse vergibt eher mal einen Fehler oder die falsche Reihenfolge - hätte ich die Kabel am Netzteil nicht vor dem Einbau befestigt, naja, hätte ich es danach gleich wieder ausbauen dürfen, da das nachträglich einfach nicht passt.
Ebenso erfreulich war dann die Tatsache, dass der Rechner beim ersten Versuch startete und auch die Installation von Windows 11 problemlos ablief.
Erste Performancetests sorgten für ein glückliches Grinsen, die reine CPU-Leistung ist dank modernerer Architektur und der doppelten Kernmenge natürlich deutlich besser als beim alten Ryzen 7 5800X3D. Davon profitiert auch die Grafikkarte ein wenig. Vor allem aber läuft meine zwar wild gewachsene und echt nicht hübsche (dafür aber umso größere) Stadt in Cities Skylines 2 endlich flüssig.
Da ich aber auch nackte Zahlen mag, freue ich mich ebenso über 1.725 Punkte im Multicore-Test des Cinebench 24 gegenüber den 890 Punkten meines vorherigen Prozessors. Das könnt ihr jetzt komisch finden aber mich macht das irgendwie glücklich.
Insgesamt reicht es natürlich nicht für die Leistung eines Desktop-Prozessors wie dem Ryzen 7 9800X3D, an dessen direkten Vorgänger kommt der auf 100 Watt gepushte Laptop-Prozessor des Minisforum-Boards aber schon sehr knapp heran. In Spielen, bei Anwendungen mit hohem Core-Bedarf sieht es sogar noch etwas besser aus.
1:39:04
Ist Cities: Skylines 2 endlich das Spiel, das wir uns erhofft hatten?
Fazit: Onlyfans aber mit Hardware
Warum sollte der Typ seinen PC transportieren wollen, ist ja kein Notebook? Mitunter ergibt sich das durchaus, da steht schließlich ein geräumiges Zelt im Garten, in dem sich Zocken (und, hoffentlich liest das die Redaktion nicht, auch die Arbeit) ein wenig anfühlt wie Urlaub. Und auch im Wohnzimmer macht sich der Mini fast so gut wie eine Playstation oder Xbox.
Die Platzersparnis auf dem Schreibtisch ist aber ebenfalls nicht zu leugnen. Zumal mein dritter Monitor, ein USB-Modell mit 13 Zoll Diagonale, ein wenig angewinkelt perfekt vor die PC-Seite passt und so den Rechenklotz in einen Bildschirm mit besonderen Vorzügen verwandelt.
Gehäuse und auch die Größe von Gehäusen, das ist natürlich ein extrem individuelles Thema und ich will hier auch niemanden zu Mini-ITX überreden. Aber mir persönlich hat das PC-Basteln wieder Freude bereitet, es war weniger fummelig, als befürchtet und dank des zwar sehr kompakten, aber erstaunlich leistungsstarken Mainboard-/Prozessor-Gespanns ist das Endergebnis sehr rechenstark.
Und das egal, ob ich alle CPU-Kerne für nicht-GPU-beschleunigte Anwendungen ausreize oder beim Zocken vom 3D-Cache profitiere. Ein großer PC wäre allerdings bequemer flüsterleise zu kühlen, die etwas höhere Lautstärke ist aber aktuell mein einziger Kritikpunkt. Oh, halt, ein weiterer geht an Minisforum: Warum ist kein USB-C-Header auf dem Mainboard? Warum?
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