Wenn eine Landebahn auf einem Flughafen eröffnet wird, passiert das üblicherweise mit einer großen Feier. Reden werden gehalten und Bänder durchgeschnitten. Doch als die neue Landebahn auf dem Flughafen Olbia auf Sardinien 2021 für den Verkehr freigegeben wurde, ist das heimlich und leise passiert.
Dabei öffnete sich Sardinien mit der neuen Landebahn erstmal auch für den internationalen Flugverkehr – eine Riesensache für die kleine, italienische Insel.
Die Eröffnungszeremonie der neuen Start- und Landebahn bestand diesmal lediglich daraus, dass der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, mit seinem riesigen Privatjet dort gelandet ist. Der war so groß, dass er die Kategorie des Flughafens verändert hat.
Wer ist Tamim bin Hamad Al Thani?
Der Emir von Katar ist nicht unumstritten. Tamim bin Hamad Al Thani steht in Verbindung mit Kritik am Arbeitsrecht in Katar. Zwar gibt es Förderungen im Land wie etwa einen Mindestlohn, aber dieser wird nicht flächendeckend durchgesetzt (via Amnesty International). In diesem Zusammenhang seien auch die Arbeitsbedingungen sowie Tode von Arbeitern genannt, die beim Bau der Stadien zur Fußballweltmeisterschaft der Männer 2022 teilweise bis heute ungeklärt bleiben (ebenfalls Amnesty International). Dem Emir werden ebenfalls Eingriffe in die Pressefreiheit vorgeworfen, so Forbes. Index on Censorship ernannte Tamim bin Hamad Al Thani 2022 zum Tyrannen des Jahres.
Flughafen-Upgrade für Sardinien
Der Flughafen Olbia ist ein wichtiger Knotenpunkt, Sardinien eine beliebte Urlaubsinsel. Laut dem italienischen Flughafenbetreiber-Verband Assaeroporti landeten 2019 (also vor der Erweiterung) bereits knapp drei Millionen Fluggäste auf dem Eiland, hauptsächlich aus dem Inland und Europa.
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2020 hat man die Start- und Landebahn saniert und um 300 Meter verlängert (via La Nuova). Das Problem: Die Landebahn war noch nicht getestet worden, weshalb Fluggesellschaften noch keine Langstreckenflüge ab Olbia angeboten hatten.
Also hat man das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden: Die Flugbehörden nutzten den Besuch des Emirs von Katar, um die Landebahn zu testen – obwohl sie nicht für Flugzeuge dieser Größe zugelassen war. Kleinigkeiten eben.
Wenn der Emir mit seinem vollbesetzten Privatjet und seinem Gefolge landen konnte, konnten internationale Touristen das auch.
Das funktionierte ohne Zwischenfälle und so wurde der Betrieb für Langstreckenflüge ab Olbia noch im selben Jahr aufgenommen. Erste Verbindungen gingen in die USA, China und Singapur.
Sardegna Notizie 24 berichtete Anfang des Jahres, dass das Fluggastaufkommen 2024 bei rund zehn Millionen lag – mehr als dreimal so hoch. Die Erweiterung des Flughafens Olbia hat sich für den Tourismus also ausgezahlt.
Was hat der Emir von Katar in Sardinien zu suchen? Die renommiertesten Hotels, Yachthäfen und Resorts an der Smaragdküste gehören zur Smeralda Holding, die sich vollständig im Besitz der Qatar Investment Authority befindet.
Die Fünf-Sterne-Hotelkette bietet luxuriöse Aufenthalte an der Mittelmeerküste. Der Emir ist also der Chef eines Hotelimperiums für Millionäre.
Eines der größten Flugzeuge der Welt
Der Emir nennt eine Boeing 747-8 seinen Privatjet. Hier ein paar Daten, um die Maschine in Perspektive zu rücken:
- Länge: 76 Meter
- Spannweite: 68 Meter
- Startgewicht: ca. 450 Tonnen
- Sitzplätze: 364
- Preis: geschätzt 370 Millionen Euro
Natürlich sieht das Flugzeug von innen nicht wie ein schnöder Vogel aus. Das Interieur ist in Beige und Weißgold gehalten. In einem Entertainmentbereich kann man auf einer breiten Couch auf einem Riesenfernseher Filme gucken; daneben steht ein Bücherregal.
Und wenn man von der anstrengenden Reise müde wird, gibt es natürlich ein eigenes Schlafzimmer mit einem Kingsize-Bett. Bilder könnt ihr in einer Fotostrecke auf der Webseite des Stern sehen.
Superreiche und ihre Privatflugzeuge sind umstritten. Letztes Jahr berichteten wir über Jeff Bezos, der in 39 Tagen mehr CO₂ ausgestoßen hat als ein Normalbürger in 17 Jahren – und sein Privatjet ist deutlich kleiner als der des Emirs.
Sardinien nutzte also schließlich den Umstand, dass der Emir von Katar mit seinem Privatjet auf dem Flughafen landen wollte, um die neue Landebahn zu testen – und das geschah ohne viel Trara, Bänder und große Reden.
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