Um eine gute Zeit mit Videospielen zu haben, braucht es im Kern nur zwei Dinge:
- Das Spiel macht Spaß
- Das Spiel läuft flüssig genug
Die Thematisierung der ersten Frage übernimmt tagtäglich das geschätzte Gaming-Team der GameStar für euch. Der zweiten Frage widmen wir uns in verschiedener Form immer wieder bei GameStar Tech.
Aktuell hat in diesem Zusammenhang der große Tech-YouTuber JayzTwoCents mit einem Video für Diskussionen gesorgt. Es trägt den Titel: »Deine Grafikkarte ist nicht mehr das Problem, die Entwickler sind es!«.
Was es damit genau auf sich hat und wie groß das Problem tatsächlich ist, schaue ich mir in dieser Kolumne näher an.
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machen und alle hassen es!
Worum es dem YouTuber geht
Sein Vorwurf an Spielentwickler lautet, dass sie mehr und mehr auf vollständig per KI berechnete Zwischenbilder setzen, um eine akzeptable Performance in ihren Spielen zu erreichen.
Im Titelbild des Videos ist dazu passend Folgendes zu lesen: Hört auf, euch auf Fake Frames zu verlassen. Optimiert Spiele. Keine Ausreden.
Um seinen Punkt zu veranschaulichen, zeigt er die Performance im Spiel Windrose mit zwei verschiedenen GPUs (RTX 5090 und RTX 4070) sowie wechselnden Grafikeinstellungen.
Folgende Werte stechen im Vergleich hervor:
Geforce RTX 5090
| 4K, hohe Details | |
|---|---|
| Frame Gen und DLSS aus | ~ 38 FPS |
| Frame Gen 2x + DLSS Balanced | ~ 87 FPS |
Geforce RTX 4070
| 1440p | |
|---|---|
| Frame Gen aus, DLSS Balanced, hohe Details | ~ 29 FPS |
| Frame Gen 2x + DLSS Balanced, niedrige Details | ~ 77 FPS |
Zwei zentrale Einschränkungen des Videos
JayzTwoCents spricht ein wichtiges Thema an, allerdings sind dabei zwei Punkte besonders zu berücksichtigen:
- Er veranschaulicht seine Aussagen und Befürchtungen nur an einem einzelnen Praxisbeispiel.
- Die schwache Performance in Windrose hängt mit der großen Besonderheit des Spiels zusammen, dem Baukastensystem zum Errichten eigener Gebäude.
Den letzten Punkt spricht der YouTuber auch selbst an und zeigt im Vergleich andere Bereiche der Spielwelt, in denen die Performance mit beiden Grafikkarten wesentlich besser ausfällt.
Valide ist die Kritik im Falle von Windrose dennoch, schließlich verbringt man in dem Spiel viel Zeit dort, wo man selbst oder andere etwas gebaut haben. Aber wie weitreichend ist das Problem mit Blick auf die gesamte Spielewelt wirklich, das sich hier zeigt?
Der Kern des Videos greift zu kurz
Auch aus meiner Sicht wäre es sehr problematisch, wenn komplett KI-generierte Bilder mehr und mehr als zwingend nötige Option für ausreichend Performance herhalten müssten.
Das ist nicht der Fall, weil sie per se etwas Schlechtes wären, sondern weil das Spielgefühl aufgrund einer höheren Latenz darunter leiden kann, wenn die Basis-FPS nicht hoch genug liegen – und genau das wäre in diesem Szenario der Fall, wenn der Sprung auf 60+ FPS erst mit Frame Generation & Co. gelingt.
Schwierig wird es allerdings bei der Aussage, dass nicht die Grafikkarte (beziehungsweise ihre Leistung) sondern die Entwickler das Problem seien.
Das ist nicht nur generell schwer zu belegen, sondern gleichzeitig ein Vorwurf, der meiner Meinung nach zu kurz greift, auch aufgrund der schwierigen Engine-Frage.
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Es ist ein weites Feld
Die Engine eines Spiels ist vereinfacht gesagt der Unterbau samt passender Werkzeuge, der es erst zum Leben erweckt. Damit der eigene PC weiß, was er beim Rendern der einzelnen Bilder zu tun hat, muss ihn die Spiele-Engine mit den passenden Aufgaben füttern.
Die Wahl der Engine ist für Spielentwickler also sehr zentral, doch dabei sind sie oftmals stark eingeschränkt.
- Eine eigene Engine zu programmieren ist kostspielig, zeitaufwendig und komplex. Deshalb können sich das in der Regel nur große Firmen wie EA (Frostbite Engine), Rockstar (RAGE Engine) oder Ubisoft (Anvil und Snowdrop Engine) leisten.
- Allzu viele externe Engines wie die Unreal Engine, Unity oder die Godot Engine stehen nicht zur Wahl. Außerdem eignen sie sich je nach geplantem Spiel nicht alle gleichermaßen gut für die eigene Entwicklung, auch mit Blick auf die Kosten.
- Man kann zwar mit einem neuen Spiel auch zu einer neuen Engine wechseln. Allerdings muss man sich dann trotz gewisser Gemeinsamkeiten zunächst neu einarbeiten und bereits erarbeitete Elemente der alten Engine weiterzunutzen, ist meist nicht ohne Weiteres möglich.
Ebenfalls nicht zu vergessen: Man muss als Entwickler mit dem arbeiten, was man hat. Wenn eine Engine also gewisse grundlegende Probleme aufweist, kann man sich damit teils nur arrangieren und sie nicht selbst ganz aus der Welt schaffen.
Wenn Kreativität auf die Realität trifft
Als wäre all das nicht genug, haben Entwickler es auf dem PC zudem mit einer immensen Zahl an unterschiedlichen Hardware-Konfigurationen zu tun.
Hier die richtige Balance aus spielerischer Kreativität, programmiertechnischer Machbarkeit und individueller Performance auf jedem einzelnen System zu finden, ist keine leichte Aufgabe.
Windrose ist dafür ein sehr gutes Beispiel, weil es mit seinem von den Spielern größtenteils gefeierten Baukastensystem einen ganz besonderen Reiz ausübt. Offenbar ist es den Entwicklern aber bislang nicht gelungen, das auch mit einer guten Performance zu verknüpfen.
KI-Bilder sind Fluch und Segen zugleich
An diesem Punkt stellt sich eine entscheidende Frage:
- Sind KI-generierte Bilder jetzt eher etwas Gutes, weil sie helfen können, die Performance zu verbessern, wenn die Basis-FPS hoch genug liegt?
- Oder sind sie eher etwas Schlechtes, weil sie verhindern, dass die Entwickler nach den potenziell in der Engine schlummernden Optimierungsmöglichkeiten suchen und sie umsetzen?
Nehmt gerne an der folgenden Umfrage teil, um mir euer grobes Stimmungsbild gegenüber Frame Generation & Co. zu verraten.
Fazit der Redaktion
Nils Raettig: Ich persönlich bin der Meinung, dass es keine pauschale Antwort auf die über der Meinungserhebung gestellte Frage geben kann.
Außerdem glaube ich nicht, dass es oft vorkommt, dass Entwickler sich ernsthaft denken: Das lästige Optimieren kann ich mir sparen, Frame Generation wird es schon richten.
.
Anders sieht es dagegen bei Entscheidungen aus, die weiter oben
getroffen werden, also dann, wenn es um (viel) Geld geht.
Denn wann ein Spiel in was für einem Zustand erscheint und wie viel Zeit in die oftmals schwierige und damit auch kostenintensive Optimierung hineinfließt, bestimmen häufig nicht die Entwickler, die tagtäglich mit dem Code der genutzten Engine arbeiten.
Doch wie eingangs erwähnt braucht es für Spaß beim Zocken nicht nur ein gutes Spiel, sondern auch eine flüssige Performance. Und in dem Punkt, dass sie bereits ohne komplett KI-generierte Bilder in einem ausreichenden Maß gewährleistet sein sollte, bin ich mit JayzTwoCents einer Meinung.
Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, wie ihr über das Thema denkt und ob ihr euch für die Zukunft Sorgen diesbezüglich macht!



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