Die Welt von Fallout: Die gute Nachricht ist, dass unsere Erde wohl niemals so aussehen wird – die schlechte: Es könnte uns schlimmer treffen

Das Ödland ist nicht realistisch, oder? Die Welt von Fallout macht mehr richtig, als ihr vielleicht glaubt, doch die Alternative könnte schlimmer sein.

Eins ist sicher: Niemand von uns wird als Ghul durchs Ödland streifen. (Bildquelle: Amazon Studios) Eins ist sicher: Niemand von uns wird als Ghul durchs Ödland streifen. (Bildquelle: Amazon Studios)

Einer der spannendsten und einzigartigsten Aspekte von Fallout – sowohl in den Spielen als auch in der Serie – ist mit Sicherheit die Welt. Radioaktiv verstrahlte Ödlande, mutierte Kreaturen und KI-gesteuerte Roboter.

Doch wie realistisch ist diese Welt eigentlich? Könnte es bei uns so aussehen, sollten Atombomben unseren Planeten verwüsten?

Zuerst das Offensichtliche: die Technik

Bei einem möglichen Weltuntergang durch Atombomben wäre unsere Technik eine völlig andere. In Fallout haben sich die Macherinnen und Macher ihrerzeit für einen retro-futuristischen Look entschieden.

  • Die Ästhetik orientiert sich an den 1950er und 1960er Jahren: klobige Maschinen aus Metall, Gebäude im Art Deco-Stil.
  • Das wird gemischt mit futuristischen Waffen und Geräten, um einen Kontrast dazu zu erzeugen (via Scifi Dimensions).
  • Als atmosphärische Grundlage dient Fallout die sogenannte »Atomic Age«-Vision. Das ist eine Mischung aus technischer Euphorie und Angst vor einem möglichen Atomkrieg.

Power-Rüstungen sind leider (oder zum Glück?) reine Fiktion. (Bildquelle: Bethesda) Power-Rüstungen sind leider (oder zum Glück?) reine Fiktion. (Bildquelle: Bethesda)

In einem Interview mit CD Mag von 1997 sagt der bekannte Mitbegründer von Fallout Tim Cain Folgendes:

Im Ernst, die Künstler fanden einfach, dass die Technik der 50er Jahre cool aussah. Also machten sie sich daran, eine Zukunftswissenschaft zu erschaffen, die so aussah, wie sich die Goldene Ära der Science-Fiction die Zukunftswissenschaft vorstellte. Vakuumröhren, Strahlenkanonen, Mutanten, das ganze Programm. Und ich finde, das ist ihnen ziemlich gut gelungen.

Das weniger Offensichtliche: die Umwelt

Schauen wir uns zuerst die Atombomben selbst an. Laut Phys.org ist die Darstellung des Bombenfalls in der Serie erstaunlich realistisch.

Der im Artikel zitierte Forscher Pran Nath, Professor der Physik an der Northeastern University, nennt drei Stufen, die auftreten, sobald eine nukleare Bombe hochgegangen ist.

  • Zunächst kommt es zu einem gewaltigen Blitz, der durch die Kernreaktion entsteht, bei der Gammastrahlen erzeugt werden. Menschen, die davon erfasst werden, verdampfen im Grunde.
  • Als nächstes folgt eine extrem heiße Schockwelle, die sich mit Schallgeschwindigkeit ausbreitet. Die würde innerhalb von rund drei Kilometern alles vernichten.
  • Die dritte Stufe ist der nukleare Fallout. Nath sagt, dass eine Atomexplosion bis zu 100 verschiedene radioaktive Elemente freisetzen kann – teilweise mit einer Lebensspanne von bis zu einer Million Jahren, je nach Isotop.

Letzteres ist nicht nur der Namensgeber des Franchise, sondern dadurch wird es erst interessant.

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Das ist realistisch an Fallout

Je nach Energie- und Strahlenfreisetzung wären viele Landstriche unbewohnbar. Das sieht man heute an Tschernobyl: Auch 40 Jahre nach der Atomkatastrophe ist das Gebiet nach wie vor unbewohnbar (auch, wenn rund 180 Menschen den Gesundheitsrisiken trotzen und dennoch dort leben, so Urbexplorer).

Nichtsdestotrotz entsteht kontaminierter Niederschlag, der Böden, Wasser und Luft belastet. Die Menschheit könnte also in den Ruinen von Städten leben, die weit genug von den Epizentren standen. 

Angenehm ist das allerdings nicht. Dadurch, dass langlebige Radionuklide in der Umwelt verbleiben, hat das Einfluss auf Nahrungsketten von Tieren und Menschen (via Powder Technology). Die Überlebenden würden also mit hoher Wahrscheinlichkeit krank werden.

Das heißt auch, dass der radioaktive Staub quasi konstant in der Luft hängt. Er liegt auf zerstörten Straßen, klebt an verlassenen Gebäuden und bedeckt ganze Landschaften. Regen wäscht den Dreck ab, Wind wirbelt ihn auf, aber wirklich verschwinden würde er für lange Zeit nicht.

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Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Da sich nuklearer Fallout nicht gleichmäßig verteilt, entstehen immer wieder Oasen von Landstrichen, die wenig oder nicht betroffen sind – wie in den Spielen. Dort gäbe es sichere Wasserquellen und sauberen Boden, um beispielsweise Nahrung anzubauen.

Das ist unrealistisch an Fallout

Unter dem oben verlinkten Artikel von Powder Technology könnt ihr lesen, dass es Fallout mit seinem Ödland etwas zu gut meint. Es gäbe zwar verwüstete Landstriche, aber je weiter von Epizentrum einer Bombe entfernt, desto »normaler« wird die Umwelt; Radioaktivität fällt ja nicht immer sofort ins Auge.

Die größten kreativen Freiheiten nimmt sich Fallout da, wo es eigentlich am spaßigsten wird: bei Monstern und Mutanten.

Hohe Dosen an Strahlung sorgen weder dafür, dass man zu einem Ghul wird, noch dass man im Dunkeln glüht oder anderweitig mutiert. 

Hohe Dosen ionisierende Strahlung über einen kurzen Zeitraum tötet Zellen ab und schädigt Organe. Sehr hohe Ganzkörperdosen verursachen ein akutes Strahlensyndrom mit Übelkeit, Knochenmarkversagen – und meist dem Tod innerhalb weniger Wochen. 

Bei niedrigeren Dosen, die sich über einen längeren Zeitraum verteilen, steigt das Risiko vor allem durch erhöhte Krebsraten, insbesondere Schilddrüsenkrebs bei Kindern nach Radiojodbelastung.

Gut: Niemand von uns verwandelt sich in einen Ghul. Auch gut: Wir dürfen unsere Nasen behalten. (Bildquelle: Amazon Studios) Gut: Niemand von uns verwandelt sich in einen Ghul. Auch gut: Wir dürfen unsere Nasen behalten. (Bildquelle: Amazon Studios)

Mutationen sind zwar möglich, aber unwahrscheinlich und arten schon gar nicht in so grotesken Arten und Weisen aus wie in Fallout.

Die Mutationsrate unserer Zellen erhöht sich, ja, aber neue Fähigkeiten oder Quasi-Unsterblichkeit wie bei Ghulen dürft ihr nicht erwarten. Die meisten Mutationen töten das Zellmaterial ab oder erhöhen die Chance darauf, Krebs zu bekommen.

Science Focus hat mit Prof. Timothy Mousseau über das Thema gesprochen. Der Experte sagt, dass Mutationen auch auf DNS-Level stattfinden und die verändern können, doch das hätte keine wirklichen Konsequenzen auf den Körper als Ganzes.

Und sollte in einem seltenen Fall doch eine wirklich krasse Mutation auftauchen, würde der Organismus daran sehr schnell sterben.

Riesige, fleischfressende Axolotl sind in einem echten Ödland zum Glück wenn überhaupt eine Rarität. (Bildquelle: Amazon Studios) Riesige, fleischfressende Axolotl sind in einem echten Ödland zum Glück wenn überhaupt eine Rarität. (Bildquelle: Amazon Studios)

Viel wahrscheinlicher wäre, dass man in einem Ödland weniger signifikante Mutationen sieht.

  • Vögel mit ungleich großen Flügeln.
  • Menschen mit zusätzlichen Fingern.
  • Ungewöhnliche, asymmetrische Gliedmaßen.

Wie es auf der Erde nach einem Atomkrieg und Fallout tatsächlich aussähe, wäre wesentlich weniger cineastisch als in Videospielen oder Serien. Zur radioaktiven Verseuchung, die wir im Artikel zur genüge skizziert haben, kämen weitere Probleme.

Die Alliance for Science stellt bei einem großflächigen Atombombenangriff erst mal eines in Aussicht: Feuerstürme. Durch die Brände würden massive Mengen an Rauch und Ruß in die Atmosphäre gelangen und diese verdunkeln. Ein nuklearer Winter könnte die Folge sein.

Infolge eines nuklearen Winters würden weltweit Ernten einbrechen, sagt Science Daily. Maisernten allein könnten um 80 bis 87 Prozent sinken. Millionen Menschen würden an Hunger sterben. Der Rest wäre wohl radioaktiv verseucht.

Langfristig würde die Kombination aus Klimaabkühlung, geringem Sonnenlicht, Erntezusammenbruch und radioaktiver Verseuchung dazu führen, dass Ökosysteme kollabieren. 

Immerhin: Eine Studie auf PubMed sagt voraus, dass sich die Erde unter bestimmten Bedingungen wieder erholen könnte. Das hinge aber auch davon ab, wie viele Teile der Biosphäre zerstört und wie sehr die Bevölkerung ausgedünnt wäre.

So oder so, bei diesen Aussichten wäre es womöglich fast am angenehmsten, in der superheißen Atomexplosion einfach zu verdampfen, statt in einer nuklearen Einöde zu leben – ob mit oder ohne Mutanten.

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