Die FIFA und der Streaming-Riese Netflix haben eine Partnerschaft angekündigt. Pünktlich zur Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada soll ein neues, offiziell lizenziertes FIFA-Spiel erscheinen.
Doch wer jetzt auf Next-Gen-Grafik und tiefgreifende Taktik-Features hofft, sollte seine Erwartungen dämpfen. Die vollmundigen PR-Versprechen beißen sich nämlich gewaltig mit der Realität und der Selbstbeschreibung des Entwicklerstudios.
So sieht die »neue Ära« aus
Das noch namenlose Projekt erscheint exklusiv im Netflix-Abo. Es gibt keinen separaten Kaufpreis und keine Mikrotransaktionen, zumindest laut aktuellem Netflix-Standard. Gespielt wird über den Streaming-Dienst, wobei euer Smartphone als Controller fungiert.
Das Spielgeschehen läuft dabei auf dem Fernseher oder einem Tablet, gesteuert wird per Handy-Touchscreen. Ein Konzept, das eher an die Party-Spiele der Jackbox-Reihe erinnert als an eine ernst zu nehmende Sportsimulation.
Dennoch greift FIFA-Präsident Gianni Infantino in der Pressemitteilung ins allerhöchste Regal:
»Diese Partnerschaft [...] setzt neue Maßstäbe bei auf Simulation beruhenden Spielen und läutet ein neues Zeitalter im digitalen Fußball ein.«
Dass ein Streaming-Titel mit Touch-Steuerung bei Konkurrenten wie EA Sports FC oder eFootball »neue Maßstäbe« in Hinblick auf Simulation setzen soll, darf zumindest stark angezweifelt werden.
Wie ernst man das Wort »Simulation« im Hause FIFA aktuell nimmt, lässt sich vielleicht am besten an einem anderen Projekt ablesen, das der Verband parallel in der Pipeline hat.
Das bereits zuvor angekündigte FIFA Heroes zeigt nämlich sehr deutlich, dass der Fokus derzeit eher auf bunter Unterhaltung liegt:
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Das ging nach hinten los: FIFA Heroes, das erste Spiel nach dem EA-Aus, wird von der Community zerrissen
Wer entwickelt das?
Verantwortlich für die Entwicklung ist das Studio Delphi Interactive: Der Name dürfte den wenigsten von euch geläufig sein. Viel interessanter als bisherige Projekte ist jedoch die Firmenphilosophie, die das Studio ganz offen auf seiner LinkedIn-Seite kommuniziert.
Dort betont Delphi nicht etwa seine kreativen Visionen, sondern vor allem seine wirtschaftliche Effizienz:
»Delphi hat ein bewährtes Modell entwickelt, um Risiken bei Titeln zu minimieren, Entwicklungskosten zu senken und eine beispiellose Abstimmung zwischen Rechteinhabern, Kreativen und Entwicklern zu schaffen.«
Was das vermutlich bedeutet: Der Fokus liegt hier auf Kostenreduzierung und Risikovermeidung. Statt hunderte Millionen Dollar in ein AAA-Projekt zu stecken, das vielleicht gegen EA floppt, wählt man den Weg des geringsten Widerstandes und spart mit einem Handyspiel Produktionskosten.
Die Strategie der FIFA scheint klar: Masse statt Klasse! Über die enorme Abonnenten-Basis von Netflix soll der Fußball bei einer Zielgruppe platziert werden, die vielleicht gar keine Konsole oder keinen PC besitzt. Das ist aus geschäftlicher Sicht sicherlich smart, lässt Infantinos Aussagen aber wie reines Marketing-Getöse wirken.
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