Fiido Nomads vs. Nomads Pro: Ich habe einen klaren Favoriten

Gleicher Akku, gleicher Lack, fast gleicher Rahmen. Trotzdem liegen zwischen dem Fiido Nomads und dem Nomads Pro 600 Euro und ein komplett anderer Antrieb. Ich bin beide gefahren und habe einen persönlichen Gewinner.

Fiido Nomads oder Nomads Pro? Ich habe nach ausführlichen Testfahrten eine eindeutige Meinung. Fiido Nomads oder Nomads Pro? Ich habe nach ausführlichen Testfahrten eine eindeutige Meinung.

Mit dem Nomads hat Fiido ein Touren-E-Bike gebaut, das für rund 1.400 Euro erstaunlich viel mitbringt: Drehmomentsensor, Federgabel, hydraulische Bremsen und sogar Blinker. Der größere Bruder, das Fiido Nomads Pro, kostet dagegen 2.000 Euro.

Stellt ihr beide nebeneinander, müsst ihr schon genau hinschauen. Akku, Schutzbleche, Gepäckträger, Display und die 29-Zoll-Laufräder sind beinahe identisch – nur der Rahmen verläuft leicht anders.

Der größte Unterschied steckt im Antrieb. Das Nomads schiebt mit einem Nabenmotor im Hinterrad, das Pro mit einem Mittelmotor am Tretlager. Doch es gibt noch viele weitere Details, die beide Modelle voneinander unterscheiden.

Ich bin beide Räder ausführlich gefahren, auf Asphalt, Schotter und Waldwegen. Und auch wenn beide Nomads für ihr Geld richtig viel bieten: Bei mir hat ein Rad klar die Nase vorn.

Die Unterschiede im Überblick

EigenschaftFiido NomadsFiido Nomads Pro
Preis1.400 Euro2.000 Euro
MotorHinterrad-Nabenmotor, 250 W, 45 NmMivice-Mittelmotor, 250 W, 100 Nm
SensorDrehmomentsensorDrehmomentsensor
Akku417,6 Wh, entnehmbar417,6 Wh, entnehmbar
Reichweite (laut Hersteller)bis 79 km, mit drei Akkus 238 kmbis 75 km, mit drei Akkus 225 km
Ladezeit (laut Hersteller)4 Stunden6 Stunden
SchaltungShimano Altus, 9-fach, 11–32 ZähneShimano CUES, 9-fach, 11–36 Zähne
Bremsenhydraulisch, 2 Kolben, 160 mmhydraulisch, 4 Kolben, 203 mm
FedergabelStahlfeder, 120 mm, Lockout an der GabelLuftfeder, 120 mm, Lockout am Lenker
Lenkerbreite720 mm740 mm
Blinkerjanein
AkkuanzeigeBalkenProzent
Rahmenschlossneinja
Gewicht24,7 kg26,2 kg
RahmengrößenM und LM und L

Motor: Hier liegen Welten dazwischen

Fangen wir mit dem größten Unterschied an. Der Nabenmotor im Nomads kommt auf 45 Nm, der Mittelmotor im Pro auf 100 Nm. Das ist mehr als doppelt so viel Drehmoment. Und ja, auch wenn die Kraftübertragung beim Hinterradmotor direkter als bei einem Mittelmotor stattfindet, ist letzterer im Alltag ein enormer Komfortgewinn.

Leise und geschmeidig sind beide. Schon das Nomads schiebt dank Drehmomentsensor feinfühlig an und hat im Turbo-Modus ordentlich Biss.

Das Pro spielt aber in einer anderen Liga. Mit 100 Newtonmeter hat der Motor genügend Leistung, euch aus dem Stand kräftig vorwärts oder gar mühelos einen Berg hinaufzuschieben.

Nabenmotor (Nomads) Mittelmotor (Nomads Pro) Nabenmotor (Nomads) Mittelmotor (Nomads Pro)

Den Unterschied der beiden Motoren spürt ihr deutlich.

Bei Anstiegen wird der Unterschied am deutlichsten. Rund um Kreischa ist es hügelig, und hier zieht das Pro souverän durch, egal ob ich einen Hang hochfahre oder mit vollem Gepäckträger kräftigen Anschub brauche. Das macht schlicht viel mehr Spaß (und meine Beinchen danken es mir).

Wer überwiegend im Flachen unterwegs ist, kommt mit den 45 Nm des Nomads gut zurecht. Doch bei hohem Körpergewicht oder viel Gepäck geht dem Hinterradmotor schnell die Puste aus. Wer also mehr auf die Waage bringt oder regelmäßig Steigungen vor sich hat, merkt den Unterschied zum Nabenmotor sofort. Das ist Komfort, bei dem ich persönlich nicht sparen würde.

Abregelung bei 25 km/h: Inzwischen bei beiden sanft

Beim Nomads war das anfangs mein größter Kritikpunkt: Bei 25 km/h kappte der Motor die Unterstützung abrupt, als würde ich gegen eine Wand fahren.^

Fiido hat jedoch nachgebessert. Neu ausgelieferte Nomads haben einen überarbeiteten Controller, mit dem sich der Motor bei rund 25 bis 26 km/h geschmeidig zurücknimmt.

Wer ein älteres Exemplar besitzt, profitiert davon allerdings nicht automatisch. Ein Over-the-Air-Update gibt es nicht, dafür muss der neue Controller ins Rad.

Video starten 2:57 Fiido Nomads E-Bike: Alter und neuer Motor-Algorithmus im Vergleich (25 km/h-Cutoff)

Das Pro hat die überarbeitete Steuerung ab Werk. Auch hier nimmt sich der Motor sanft zurück, mal bei 25, mal schon bei 24 km/h und im Turbomodus eher bei 26 km/h.

Jenseits der Grenze wird es bei beiden zäh. Gegen ein Rad mit gut 25 Kilo kapitulieren meine Oberschenkel schnell – das ist aber eben die Grenze eines Pedelecs.

Hier steht es also unentschieden.

Federgabel: Luft statt Stahl

Beide Gabeln bieten 120 Millimeter Federweg. Im Nomads steckt eine einstellbare Stahlfedergabel, die Unebenheiten bereits gut schluckt. Das Pro setzt auf eine Luftfedergabel, die noch etwas weicher federt.

Den größten Komfortgewinn bringt aber der Lockout. Beim Nomads sperrt ihr die Gabel unten am Gabelholm, beim Pro per Schalter direkt am Bremshebel.

Gerade wenn ich durch den Wald brettere und danach wieder auf Asphalt wechsle, ist das Gold wert.

Bremsen und Schaltung: Das Pro packt beherzter zu

Bei den Bremsen hat Fiido ordentlich aufgerüstet. Das Nomads nutzt hydraulische Tektro-Bremsen mit zwei Kolben und 160-Millimeter-Scheiben. Sie verzögern zuverlässig, ich muss den Hebel aber fast durchdrücken, bis sie richtig beißen.

Das Pro hat Vierkolbenbremsen mit 203-Millimeter-Scheiben – und die greifen kräftig und gut dosierbar zu, auch mit Gepäck.

Bei der Schaltung tauscht Fiido die Shimano Altus aus der Einstiegsklasse gegen eine Shimano CUES, beide mit neun Gängen. Die Kassette im Pro ist größer (11 bis 36 statt 11 bis 32 Zähne), der erste Gang fällt dadurch leichter aus.

Ebenfalls erfreulich: Über Wurzeln klapperte beim Nomads das Schaltwerk, beim Pro ist davon nichts zu hören.

Ganz ohne Arbeit lief es trotzdem nicht. Beim Pro knarzte die Schaltung anfangs und die vordere Bremse schleifte, beides musste ich nach dem Aufbau nachstellen. Möglich, dass es an meinem Rad lag, aber plant gegebenenfalls etwas Schraubzeit ein.

Nomads Nomads Nomads Nomads

Rahmen und Gewicht: Fast gleich, aber nur fast

Groß sind beide. Mit 29-Zoll-Laufrädern und massivem Gepäckträger stehen hier zwei ausgewachsene Trekkingräder, die für kleine Personen auch aufgrund der besonderen Geometrie zu klobig daherkommen könnte. Ich jedenfalls fand mit meinen 1,68 Metern Körpergröße beide Räder in Größe M nicht ideal.

Das Pro fällt dabei einen Tick gestreckter aus. In Größe M ist der Rahmen etwas länger (Reach 450 statt 427 Millimeter), und der Lenker misst 740 statt 720 Millimeter.

Beim Gewicht legt das Pro rund 1,5 Kilo drauf: 26,2 statt 24,7 Kilogramm. Im Alltag habe ich davon kaum etwas gemerkt und auch beim Heben oder Fahren ohne Motorunterstützung macht der eine Kilo das Kraut nicht fett.

Der Rahmen sieht auf den ersten Blick identisch aus, verläuft aber leicht anders. Der Rahmen sieht auf den ersten Blick identisch aus, verläuft aber leicht anders.

Akku und Reichweite: Gleichstand mit Haken

Beide nutzen einen entnehmbaren Akku mit 417,6 Wh, entsprechend nah liegen sie bei der Reichweite beieinander. Da der Mittelmotor des Pro-Modells jedoch die mechanische Übersetzung der Gangschaltung mitnutzt, arbeitet er bei Steigungen in einem effizienteren Drehzahlbereich.

In hügeligem Terrain oder unter Last verbraucht das Nomads Pro dadurch oft weniger Energie als der Nabenmotor des Standard-Modells. Die Reichweite ist im Alltag also durchaus etwas höher.

Das spiegelt sich auch in meinem Fahreindruck wider. Mit dem Nomads kam ich bei 15 Grad in der mittleren Stufe auf rund 60 Kilometer, gemischt aus Asphalt, Waldwegen und Steigungen. Beim Nomads Pro waren es ca. 65 Kilometer. Besondere Langstreckenmeister sind also beide Modelle nicht.

Für mehr Reichweite könnt ihr bei beiden zwei Zusatzakkus auf den Gepäckträger packen. Ein integrierter Range-Extender ist das allerdings nicht, den leeren Akku tauscht ihr per Hand.

Und hier liegt der Haken: Akkus und Akkuträger sind zwischen den beiden Modellen nicht kompatibel. Wer vom Nomads aufs Pro umsteigt, kann seine Zusatzakkus nicht mitnehmen.

Der Akku lässt sich bei beiden Modellen entnehmen und zusätzlich sichern sowie direkt im Rahmen aufladen. Der Akku lässt sich bei beiden Modellen entnehmen und zusätzlich sichern sowie direkt im Rahmen aufladen.

Ausstattung: Blinker gegen Prozentanzeige

Das Nomads hat etwas, das dem Pro fehlt: integrierte Blinker am Heck. Die sind richtig cool, aber ehrlich gesagt: Welches Fahrrad hat schon Blinker?

Am Pro habe ich sie jedenfalls nicht vermisst. Zumal Packtaschen oder Zusatzakkus die Blinker beim Nomads ohnehin verdecken können. Ein Bremslicht hat übrigens keines der beiden, eine ziemlich laute Hupe dagegen beide.

Das Rücklicht sitzt beim Pro hinten am Gepäckträger, beim normalen Nomads unten am Motor bei den Blinkern. Das Rücklicht sitzt beim Pro hinten am Gepäckträger, beim normalen Nomads unten am Motor bei den Blinkern.

Dafür punktet das Pro im Detail. Das Display zeigt den Akkustand in Prozent an, beim Nomads gibt es nur eine ungenaue Balkenanzeige. Auf Tour weiß ich mit dem Pro also aufs Prozentpünktchen genau, woran ich bin.

Das Pro hat zusätzlich ein Rahmenschloss am Hinterrad, das mit demselben Schlüssel wie der Akku funktioniert. Für den kurzen Stopp beim Bäcker reicht das – für längeres Abstellen gehört aber ein stabiles Zusatzschloss dazu.

Auch die Sattel sind verschieden, wobei ich im Test keinen eklatanten Unterschied festgestellt habe. Das ist ohnehin Geschmackssache und bei beiden Modellen könnt ihr das Sattelrohr mittels Schnellspanner eurer Größe anpassen.

Der Rest ist identisch. Beinahe dasselbe Display (nur der Halbkreis, der an an Smiley erinnert, ist umgedreht und wirkt nun freundlicher beim Pro) mit spartanischen Infos, dieselbe pragmatische App und leider auch dieselben harten Griffe.

Sattel Nomads Sattel Nomads Sattel Nomads Sattel Nomads

Der Sattel unterscheidet sich ebenfalls. Bequem sind beide.

Preis: 600 Euro Unterschied

Das Nomads kostet aktuell rund 1.400 Euro, mit drei Akkus 2.000 Euro. Für das Pro zahlt ihr 2.000 Euro, mit drei Akkus 2.700 Euro.

Für den Aufpreis bekommt ihr den deutlich stärkeren Mittelmotor, die Luftgabel mit Lockout am Lenker, die kräftigeren Bremsen, die bessere Schaltung, die Prozentanzeige im Display und das Rahmenschloss. Im Gegenzug verliert ihr die Blinker und schleppt rund 1,5 Kilo mehr mit.

Häufige Fragen zu Fiido Nomads und Nomads Pro

Nein. Beide Modelle nutzen zwar einen entnehmbaren Akku mit 417,6 Wh, Akkus und Akkuträger sind laut Fiido aber nicht untereinander kompatibel. Zusatzakkus vom Nomads könnt ihr am Nomads Pro nicht weiterverwenden.

Mit 1,80 Metern liegt ihr bei beiden Modellen genau im Überschneidungsbereich: Fiido gibt Größe M für 1,70 bis 1,90 Meter und Größe L für 1,80 bis 2,00 Meter an. Das Nomads Pro fällt in Größe M etwas gestreckter aus als das Nomads (Reach 450 statt 427 Millimeter).

Beide Motoren sind im Alltag angenehm leise. Der Mittelmotor des Nomads Pro fauchte in meinem Test nur selten hörbar lauter, auch bei ruhiger Fahrt ohne große Last. Das kam jedoch extrem selten vor.

Ja, bei niedrigem Tempo lässt sich das Nomads Pro dank der Neungang-Schaltung angenehm ohne Motor bewegen. Oberhalb von 25 km/h wird es mit rund 26 Kilogramm Gewicht dagegen schnell zäh.

Fiido verkauft direkt und hat kein Händlernetz wie etablierte Marken. Für Einstellarbeiten oder Reparaturen ist deshalb eine freie Fahrradwerkstatt in eurer Nähe die erste Anlaufstelle.

Fazit und Empfehlung

Ich habe einen klaren Favoriten, und das ist das Nomads Pro. Die Unterschiede sind rein optisch überschaubar, auf der Straße aber deutlich spürbar.

Greift zum Fiido Nomads Pro, wenn:

  • ihr regelmäßig Steigungen fahrt
  • ihr oft mit Gepäck unterwegs oder etwas schwerer seid
  • ihr gern mal in den Wald abbiegt
  • ihr kräftige Bremsen und eine Luftgabel wollt

Greift zum Fiido Nomads, wenn:

  • euer Budget keinen Aufpreis zulässt
  • ihr überwiegend im Flachen fahrt und wenig Gepäck/Gewicht dabei habt
  • euch die Blinker wichtig sind

Beide Räder teilen sich dieselben Schwächen bei Griffen, App und Licht. Die Entscheidung fällt deshalb fast ausschließlich über Antrieb, Komponenten und Budget.

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Mein Favorit: Das Nomads Pro

Das Nomads ist und bleibt ein sehr gutes Angebot. Wer jeden Euro umdrehen muss, macht mit ihm nichts falsch.

Für 600 Euro mehr bekommt ihr mit dem Pro aber noch mal hochwertigere Komponenten und einen viel, viel stärkeren Motor. Das macht im Alltag einiges aus, gerade am Berg, im Wald und bei den kleinen Dingen wie der Akkuanzeige.

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Allein der stärkere Motor, die besseren Bremsen sowie die komfortablere Federgabel wären es mir wert, hier mehr zu investieren. Das Pro ist das Rad, auf das ich mich nach jeder Runde durchs Hügelland wieder setzen will. Die fehlenden Blinker nehme ich dafür sehr gern in Kauf. Und genau deshalb ist mein Favorit klar: Wer es sich leisten kann, greift zum Nomads Pro.


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