Ab und zu schleiche ich mich auf den Dachboden und krame in alten Kisten nach Schätzen. Je nach Stimmung erscheine ich danach wild ausgestattet, mit alter Hardware und einem kindlichen Grinsen im Gesicht oder mit alten Zeitschriften und, naja, dem gleichen Gesichtsausdruck.
Dabei fiel mir jüngst eine GameStar aus dem Jahr 2000 in die Hände. Auf vielen Seiten stellte die Redaktion vor, was vor 25 Jahren die Zukunft der Gaming-Hardware darstellte. Und dann folgte eine Doppelseite mit etwas, was es heute noch bei GameStar gibt: PC-Zusammenstellungen.
Schauen wir doch mal, welche Hardware damals bei Gamern beliebt war und was sich seitdem getan hat.
PCs wurden vor 25 Jahren noch mit D-Mark bezahlt
Einige von euch haben altersbedingt keine eigenen Bezahlerfahrungen mit der D-Mark machen können, daher der Hinweis, dass der Wechselkurs bei der Einführung des Euro im Jahr 2002 bei 1:1,96 lag. Ein Euro war also fast zwei DM wert.
Bei den genannten DM-Preisen müsst ihr für einen Vergleich mit heutigen Euro-Preisen zudem im Kopf haben, dass seitdem die Inflation für eine gewisse Teuerung gesorgt hat. Inflationsbereinigt musste ein Spieler im Jahr 2000 also länger für den PC arbeiten, als der reine Wechselkurs andeutet.
Eine Besonderheit der GameStar-Zusammenstellungen vor 25 Jahren: Der Monitor war, ebenso wie Eingabegeräte, in der Kaufempfehlung mit dabei. Und auch bereits eingepreist.
Beim PC für 2.500 DM gehen also 800 DM für den Monitor raus. Dazu kommen Maus, Tastatur und sogar Lautsprecher - Komponenten, die wir heute als so individuell einstufen, dass wir einzelne Kaufberatungen dafür haben.
Die Komponenten der drei antiken PC-Vorschläge
Beim günstigsten Modell für 2.500 Mark gab als Prozessor den Intel Celeron mit 466 MHz nebst 64 Megabyte SD-RAM und einer Festplatte mit 8,4 Gigabyte. Im Detail:
- CPU: Intel Celeron 466 - ca. 250 Mark
- Mainboard: Abit BM6 Sockel 370 - ca. 220 Mark
- RAM: 64 Megabyte PC100 - ca, 150 Mark
- Grafikkarte: 3Dfx Velocity 100 (Voodoo 3, 8 Megabyte) - ca. 140 Mark
- Festplatte: Quantum Fireball 8,4 Gigabyte - ca. 270 Mark
- Soundkarte: Soundblaster 16 PCI - ca. 80 Mark
Wer 5.000 Mark investieren konnte, wurde mit dem AMD Athlon 600 MHz sowie 128 Megabyte RAM und 20 Gigabyte HDD-Speicher belohnt. Alle Komponenten im Überblick:
- CPU: AMD Athlon 600 - ca. 700 Mark
- Mainboard: Asus K7M Slot1- ca. 350 Mark
- RAM: 128 Megabyte PC133 - ca, 360 Mark
- Grafikkarte: Creative Labs Annihilator (Nvidia Geforce 256, 32 MB) - ca. 500 Mark
- Festplatte: Seagate ST320430A 20 Gigabyte - ca. 400 Mark
- Soundkarte: Soundblaster Live Player 1024 - ca. 150 Mark
Die Luxusklasse wurde schlicht mit 5.000+ Mark
angeben, als Gesamtpreis standen allerdings ganz schüchtern 8.950 Mark in der Ecke. Dafür gab es neben Athlon 750 MHz und satten 256 Megabyte RAM folgende Teile:
- CPU: AMD Athlon 750 - ca. 1.850 Mark
- Mainboard: Asus K7M Slot1 - ca. 350 Mark
- RAM: 256 Megabyte PC133 - ca, 720 Mark
- Grafikkarte: Elsa Erazor X2 (Geforce 256, 32 MB DDR) - ca. 700 Mark
- Festplatte: IBM DTA373420 32,2 Gigabyte - ca. 700 Mark
- Soundkarte: Soundblaster Live Platinum - ca. 450 Mark
Highend-Grafik zum Schnäppchenpreis
Neben der generellen Leistungsfähigkeit finde ich die Preise der Hardware damals interessant. Vor allem Grafikkarten waren vergleichsweise günstig, Nvidias absolutes Highend-Topmodell, die Geforce 256 mit DDR-Speicher, kostete mit 700 Mark selbst inflationsbereinigt nur einen Bruchteil einer RTX 5090.
Dabei war die Geforce 256 zur Jahrtausendwende ein technisches Anbetungsobjekt für Nerds. Nvidia benutzte seinerzeit das erste Mal den Begriff GPU
für den Grafikchip, um die steigende Relevanz gegenüber der CPU darzustellen.
Erstmals kam T&L (Transform&Lighting) zum Einsatz, ein Feature, das der CPU Arbeit bei der Grafikdarstellung abnehmen sollte.
Link zum YouTube-Inhalt
T&L brauchte damals noch Zeit, um sich zu etablieren, die Geforce-Karten waren aber auch aufgrund ihrer generellen Leistungsfähigkeit beliebt.
Vor allem das nachgeschobene Modell mit DDR-Speicher - eine seinerzeit unglaubliche technische Entwicklung, bei der die Datentransferraten im Vergleich zu SDR knapp verdoppelt werden konnten.
Für Grafikkarten war schnellerer Speicher ein Nachbrenner und die erste DDR-Geforce entsprechend ein absolutes Will-haben-Produkt.
CPUs kurz vor der Gigahertz-Grenze
Bei den CPUs hingegen gibt es beim Topmodell mit 750 Megahertz (und einem Kern, Multicore-CPUs für Gamer brauchten noch ein paar Jahre) eine heute nicht mehr existente Preisspitze. Heute ärgern wir uns über schlecht verfügbare X3D-CPUs und die damit einhergehende Preissteigerung auf aktuell 579 Euro.
Beim Schreiben der PC-Kaufberatung bereitet es mir mittlerweile großes Unbehagen, Grafikkarten für über 2.000 Euro zu empfehlen.
Aber hey, im Gegenzug sind Massenspeicher heute sehr schnell und preiswert, 2.000 Gigabyte SSD-Speicher mit über 7 Gigabyte pro Sekunde Leseraten gibt es für 120 Euro, die Luxusfestplatte mit 32,2 Gigabyte damals kostete so viel wie eine Highend-Grafikkarte und schaufelte keine 40 Megabyte pro Sekunde in den Speicher.
Wie spieletauglich waren die GameStar-PCs vor 25 Jahren?
Spoiler: Can it run Crysis
lässt sich leicht beantworten, bis zu Cryteks Shooterbombast sollte es noch sieben Jahre dauern.
Im Jahr 1999 erschienen Titel wie Age of Empires II, Dungeon Keeper 2 und das Half-Life-Addon Opposing Force. Spiele, mit denen man auch auf dem kleinsten 2000er-System durchaus Spaß haben konnte.
PLUS
6:43
Quake 3: Arena - Multiplayer-Duell - Multiplayer-Duell
Um auf die Titel des Jahres 2000 vorbereitet zu sein, musste ein PC schnell genug für Spiele wie Icewind Dale, Diablo II und Giants: Citizen Kabuto sein. Und natürlich für Titel auf Basis der Quake-3-Engine, wie Star Trek Voyager: Elite Force.
Schlechte Nachrichten für Fans des schrägen Giants: Citizen Kabuto, das erst Ende 2000 erschienene Spiel überforderte sogar das System für über 8.000 Mark.
Gleiches galt allerdings auch für Ultima IX, dessen Hardwarehunger bei Release legendär war und das sich nach einem Prozessor im Gigahertz-Bereich sehnte. Bei Erscheinen gab es sie nur noch nicht.
Früher drehte sich die Hardwarespirale noch schneller als heute, neue Taktrekorde wurden regelmäßig aufgestellt und bei Grafikkarten folgte auf T&L und DDR-Speicher bereits Ende 2001 die Geforce 3 mit der ersten Umsetzung für Pixel- und Vertexshader.
Die Vorläufer der universellen Shader, wie wir sie heute einsetzen, und ein gewaltiger Schritt für die Entwicklung der Gaming-Grafik. Fast so groß wie die Einführung nutzbarer 3D-Beschleunigung durch die 3dfx Voodoo anno 1996.
Und auch wenn wir 2025 neue Grafikkarten von Nvidia und AMD bekommen werden: So schnell wie 2000 veralten frisch gekaufte PCs nicht mehr.
Zum Einstiegspreis von aktuell unter 700 Euro gibt es aktuell ein System mit zwar etwas angegrauten aber in Full HD immer noch gut mithaltenden Komponenten. Abgesehen von der genutzten Auflösung hat sich in den letzten 25 Jahren also sogar recht wenig getan.
Im Highend wird es beachtlicher. Zwar kostet auch heute eine Luxuskonfiguration mit RTX 4090 oder in Kürze RTX 5090 mehr als 4.000 Euro - schon aufgrund der wirklich abgehobenen GPU-Preise im Highend.
Allerdings würde ich davon ausgehen, dass ein solcher PC auch etwas länger als ein oder maximal zwei Jahre alle relevanten Funktionen bietet und gut mitspielen kann.
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