Bei der Einführung von GPT-5 hielt sich die Begeisterung in Grenzen: Auf Reddit stellte sich die Führungsriege von OpenAI sogar direkt der Kritik – und brachte den vermissten Vorgänger GPT-4o für zahlende Kunden zurück.
Doch während der Mainstream zögert, erobert GPT-5 leise, aber entschieden einen extrem wichtigen Sektor: die Geschäftswelt. Gerade bei IT-Anwendungen stellt OpenAI für den derzeitigen Marktführer Anthropic eine echte Bedrohung dar.
Denn GPT-5 punktet nicht nur mit verbesserten Programmierfähigkeiten, sondern auch mit einem unschlagbaren Preis.
GPT-5 punktet bei IT-Unternehmen durch Preis-Leistung
Anthropic war vor der Veröffentlichung von GPT-5 Spitzenreiter unter den KI-Firmen, wenn es um Unternehmenskunden aus der IT-Branche geht. Das zeigt eine Analyse der Venture-Capitalist-Firma MenloVentures von Ende Juli 2025. Besonders Anthropics KI-Modell Claude Opus 4.1 wurde schnell zum bevorzugten Coding-Assistenten mit einem Marktanteil von 42 Prozent gegenüber 21 Prozent bei OpenAI.
Doch nun könnte sich das Kräfteverhältnis verschieben. Mehrere große Unternehmen, darunter die Software-Entwicklungsfirma Vercel und der Anbieter von Entwicklungsumgebungen JetBrains, haben in Blog-Einträgen ihre neue Kooperation mit OpenAI angekündigt und GPT-5 in ihre Produkte integriert.
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Bei JetBrains beispielsweise bedeutet die Integration von GPT-5, dass ein Software-Entwickler, der mit PyCharm, einer Entwicklungsumgebung der Firma arbeitet, seinen Code nicht etwa in ChatGPT kopieren muss, um auf GPT-5 zuzugreifen. Er bekommt über die API (zu Deutsch: Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung) direkt Zugriff in PyCharm auf GPT-5.
Auch Tests von Entwicklerplattformen machen deutlich, wo GPT-5 dem Premium-Modell von Anthropic, Claude Opus 4.1, überlegen ist. Autor Rohith Singh etwa unterzieht die beiden Modelle auf der Online-Plattform für Software-Entwickler dev.to einem Direktvergleich und kommt dabei vor allem auf ein interessantes Ergebnis: GPT-5 arbeitet effizienter.
Für ein und dieselbe Programmieraufgaben, die der Entwickler selbst als schwierig
einstuft, benötigt
- Claude Opus 4.1 34 Sekunden und 78.920 Tokens,
- und GPT-5 nur 13 Sekunden bei 8.253 Tokens.
- Das ist ein Verbrauchsunterschied von rund 90 Prozent.
Dazu kommt in Singhs Test ein weiterer großer Faktor: GPT-5 ist deutlich günstiger:
- OpenAI bietet für GPT-5 einen Preis von 1,25 US-Dollar pro Millionen Input-Tokens (also die Menge an Text, die ihr in den Chatbot hineingibt) und 10 US-Dollar pro Millionen Output-Token (also die Menge an Text, die der Chatbot ausgibt).
- Claude Opus 4.1 ist hingegen ein Premium-Modell und kostet 15 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 75 US-Dollar pro Million Output-Tokens.
- Gesamt produzierte Singh in seinen Tests mit Claude Kosten von 7,58 US-Dollar gegenüber 3,50 US-Dollar Kosten mit GPT-5.
Ein Test der API-Entwicklungsseite Apidog kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: GPT-5 ist ein schneller, vielseitiger Allrounder, Claude Opus 4.1 punktet mit Präzision.
Der frappierende Unterschied liegt aber auch hier besonders in den Kosten, die die Benutzung des jeweiligen Modelle verursacht. Im Test von Autorin Ashley Goolam ist die Verwendung von Claude gegenüber GPT-5 rund zehnmal teurer.
GPT-5 markiert eine strategische Neuausrichtung
Das Marktanalyseunternehmen Sacra gibt an, dass bei Anthropic 70 - 75 Prozent seiner Einnahmen aus der API-Nutzung von Unternehmen kommen. Das bedeutet: Anthropic ist bei Unternehmenskunden, die die Claude-Modelle in ihre Dienste integrieren, recht etabliert.
Bei OpenAI ist es laut PYMNTS genau umgekehrt: Den Großteil seines Umsatzes – im Oktober 2024 rund 75 Prozent – macht das Unternehmen über Bezahl-Abos von Endkunden, die ChatGPT und Co. verwenden.
Insofern überrascht es nicht, dass OpenAI mit GPT-5 auf unschlagbare Preise für Unternehmen setzt. Der Tech-Konzern möchte einen Markt erschließen, auf dem die Konkurrenz bereits etabliert ist.
Hier stellt GPT-5 ein mächtiges Tool dar, das die Konkurrenz aber vor allem in einem Punkt in den Schatten stellt: dem Preis.

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