Stellt euch vor, das Steam Deck oder ein anderer Handheld wäre so schnell wie ein Gaming-Laptop, etwa mit einer mobilen RTX 4070.
Was nach Zukunftsmusik klingt, könnte schon bald Realität werden – und ist es schon teilweise. Gleichzeitig gibt es gute Gründe, warum Handhelds bisher keine Laptop-GPUs verbaut haben.
Doch trotz der damit verbundenen Limitierungen und Kompromisse halte ich dies für den nächsten Schritt bei Handhelds im High-End-Bereich.
Warum es bisher kaum Handhelds mit Laptop-GPUs gibt – es gibt gute Gründe
Handhelds mit echter Laptop-Hardware sind technisch möglich, aber in der Praxis eine echte Herausforderung. Der wichtigste Punkt ist die Leistungsaufnahme: Eine RTX 5070 Laptop kann im Gaming-Betrieb 50 bis 100 Watt ziehen. Eine RTX 5090 Laptop sogar bis zu 175.
Zum Vergleich: Die meisten Handhelds begnügen sich mit etwa 30 bis 40 Watt. Das Steam Deck zieht die Grenze bei 15 Watt. Laptop-GPUs brauchen also ein Vielfaches von dem, was bei Gaming-Handhelds bislang typisch ist.
Das bedeutet nicht nur kürzere Akkulaufzeiten – wir sprechen von Minuten, nicht Stunden – sondern auch deutlich mehr Abwärme. Die Kühlung muss also größer ausfallen, was wiederum Gewicht und Baugröße erhöht.
Am Ende kommt man schnell in Regionen, in denen ein Gaming-Laptop kaum unhandlicher ist. Dazu gesellen sich Kosten: Die Kombination aus High-End-CPU, GPU, Kühlung und Netzteil in einem kleinen Gehäuse treibt den Preis oft weit über das Niveau herkömmlicher Handhelds.
Sie existieren trotzdem schon
Trotz all dieser Hürden gibt es bereits Beispiele von Moddern und sogar von Herstellern. Ein chinesischer Bastler hat kürzlich die Hardware eines Gaming-Laptops mit RTX 4090 Laptop in ein selbstgebautes Handheld-Gehäuse gepackt (siehe den Link unten).
Das Ergebnis war eher »tragbar« als »mobil«, aber technisch beeindruckend. Besonders sympathisch fand ich einen Kommentar dazu, dass der Modder einen »Legion Stay« gebaut hat – eine Anspielung an den Lenovo Legion Go.
Auf Herstellerseite bringt GPD mit dem Win 5 bald ein Gerät mit Ryzen 9 AI Max+ 395 auf den Markt, das laut synthetischen Benchmark in die Nähe einer RTX 4060 kommt. Allerdings wird es über einen externen Akku betrieben und ist damit eher ein tragbarer Mini-PC.
Ähnlich spannend ist das neue Asus ROG Flow Z13 mit demselben Prozessor, das in Benchmarks an die Leistung einer RTX 4070 Laptop heranreicht. Mit einem großen Tablet-Controller könnte man daraus ein Handheld-Monster machen:
Link zum YouTube-Inhalt
Solche Geräte zeigen: Der Gedanke, Laptop-Leistung in ein Handheld-Format zu pressen, ist längst mehr als nur eine Bastlerfantasie.
Ich gehöre zur Zielgruppe – auch wenn sie wohl winzig ist
Für die meisten Spieler und Spielerinnen ergibt so ein »Steckdosen-Handheld« wenig Sinn. Wer unterwegs spielen will, braucht lange Akkulaufzeiten, geringes Gewicht und wenig Lüfterlärm.
Aber genau das ist für mich gar nicht so entscheidend. Ich spiele ohnehin meistens in der Nähe einer Steckdose: auf dem Sofa, im Bett oder am Schreibtisch.
Ein Handheld mit Laptop-Leistung könnte für mich der perfekte Kompromiss sein: handlicher als ein Gaming-Laptop, aber leistungsstärker als jeder Steam Deck-Konkurrent.
Ja, er wäre schwerer, lauter und heißer. Aber dafür müsste ich bei Grafikqualität und Framerate keine Kompromisse machen. Für Enthusiasten wie mich, die sich an hoher Leistung erfreuen, hat das einfach einen besonderen Reiz.
Mein Ausblick in die Zukunft
Ich glaube nicht, dass solche Geräte den Massenmarkt erobern werden. Dafür sind sie zu teuer, zu schwer und zu spezialisiert. Aber sie könnten in einer kleinen Nische eine treue Fangemeinde finden, so wie es bei ultrakompakten Workstations oder Linux-PCs der Fall ist.
Wenn Akkutechnologie, Kühlung und Energieeffizienz weiter Fortschritte machen, könnte die Grenze zwischen Handhelds und Laptops weiter aufweichen.
Vielleicht sehen wir in ein paar Jahren erschwingliche Geräte, die für unterwegs taugen und High-End-Leistung liefern. Bis dahin bleibe ich gespannt und hoffe, dass die Hersteller mutig genug sind, diese exotische Produktkategorie weiter auszubauen.
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