»Wer braucht denn ein Reboot von Harry Potter?« Lange Zeit war Natalie sehr skeptisch, ob sie die neue HBO-Serie überhaupt schauen möchte. Der erste Trailer überrollt sie aber direkt mit einer riesigen Nostalgie-Welle. Besonders die fantastische Dynamik zwischen Harry, Ron und Hermine treffen sie mitten ins Herz.
Den Trailer hat sie mittlerweile wahrscheinlich über 20 Mal angeschaut, um jedes Detail aufzusaugen. Doch während ihre Vorfreude auf Weihnachten 2026 immer mehr steigt, wird auch eine Kluft immer größer: Wo bitte ist denn all die Magie hin?
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Harry Potter: HBO zeigt endlich den ersten Trailer zur neuen Zauberer-Serie – und wir müssen nur noch bis Weihnachten warten!
Ein Traum für Bücher-Fans
HBO hat versprochen, sich für die Verfilmung der Serie stärker an die Buchvorlage zu halten – und nach dem ersten Trailer habe ich keinen Zweifel mehr daran, dass dieses Vorhaben gelingt. Denn die Details in den ersten Bewegtbilder haben mir als jahrzehntelangem Fan ganz schön viel Pipi in die Augen getrieben.
Allein die Szene, in der Petunia (die jetzt wie im Buch blond ist!) aggressiv Harrys Haare schneidet und ihm einredet, er sei nichts Besonderes – Gänsehaut! Bevor Harry seine Zauberkräfte unter Kontrolle hatte, sprühte seine Magie nämlich aus all seinen Poren: Seine Haare wuchsen etwa über Nacht wieder nach und brachten seine Tante zum Verzweifeln, die eigentlich alles dafür tat, um Harrys Herkunft zu verbergen und sich selbst von der Welt der Zauberei und Hexerei abzuschirmen.
Wir bekommen auch endlich mehr Einblick in Harrys Schulleben vor Hogwarts. Dort wurde er von seinem gehässigen Cousin Dudley und seiner Gang gemobbt und war immer Außenseiter. Die Serie zeigt uns, welche Schikanen Harry ertragen musste, bevor er wahre Freunde in Hogwarts gefunden hat.
Im Trailer entdecke ich noch mehr Details, die mein Herz erwärmen: Der kleine Schmutzfleck auf Rons Nase beim ersten Treffen des goldenen Trios im Hogwarts Express. Die kleine Marshmallow-Feier in den Weihnachtsferien, bei der Ron und Harry im Gemeinschaftsraum schlemmen und plotten, wie sie Malfoy aus der Schule kicken könnten. Die Ubahn-Fahrt mit Hagrid, und und und.
Ich freue mich schon darauf, noch weitere Details in der fertigen Serie zu entdecken. Doch während ich mich in all dem Kleinkram verliere, klafft für mich an anderer Stelle ein riesiges Loch.
Wo bleibt die Magie?
Bevor ihr jetzt in die Kommentare rennt, lasst mich euch den Wind aus den Segeln nehmen: Ja, ich weiß, dass es ein erster Teaser ist. Ja, ich weiß, dass sich bis zur finalen Serie noch viel in der Post-Production ändern kann. Aber.
Der erste Eindruck zählt – besonders bei einer so beliebten Marke wie Harry Potter. Wenn ich endlich die ersten Bewegtbilder zur Neuauflage meiner liebsten Fantasy-Welt sehe, dann möchte ich mich in meine Kindheit zurückversetzt fühlen und die Wucht der Magie spüren. Doch die bleibt irgendwie aus.
Erstens: Wo bleibt die Musik?
Ich erwarte ja gar nicht, dass die neuen Kompositionen an das Genie von John Williams oder Patrick Doyle und ihre ikonischen Stücke herankommen, die mir bis heute ab der ersten Note eine Gänsehaut bereiten. Aber uns so gar nichts zu geben? Die Musik aus dem Trailer hat keinerlei Charakter, bleibt nicht im Ohr, lässt mich nicht fühlen, als würde ich in eine magische Welt eintauchen.
Sie würde genauso gut zu einer Doku über das Brutverhalten von Pistolenkrebsen passen. Oder zu einem Werbespot für Kredite mit besonders niedrigen Zinssätzen. Ihr versteht, worauf ich hinaus möchte. Selbst ein Hogwarts Legacy hat sich musikalisch bemüht, den Spirit der Filme einzufangen und mich mit einem zauberhaften Soundtrack um den Finger zu wickeln.
Nichts wird jemals den legendären Original-Soundtrack der Harry-Potter-Filme übertreffn – aber, HBO, gebt mir doch mehr als eine Untermalung, die man so ähnlich auch auf Soundcloud runterladen könnte, wenn man nach »Musik, die bisschen magisch klingt« sucht.
Zweitens: Wo bleibt das zauberhafte Hogwarts?
Der erste Blick auf Hogwarts macht mich glücklich. Denn ich habe große Lust, wieder in die Hallen zurückzukehren, die mich meine gesamte Kindheit über begleitet haben. Der zweite Blick auf Hogwarts macht mich stutzig ... denn auch hier fehlt so einiges.
Wo sind die fliegenden Kerzen? Wo sind die Treppenhäuser, die sich nach ihrer eigenen Lust und Laune in unterschiedliche Richtungen bewegen? Wo die sprechenden Portraits? Die Hogwarts-Geister? Die Zaubersprüche? Lumos, das von Snape in einer Szene als Taschenlampe benutzt wird, zähle ich nicht mit. Ich will Wutschen und Wedeln sehen! LeviOsa und nicht LeviosA! Nicht mal einen fliegenden Besen beim Quidditch-Spiel bekomme ich zu Gesicht.
Ja, all die Schülerinnen und Schüler, die Professoren und allen voran natürlich das goldene Trio bringen viel Leben in das Schloss. Aber abseits davon fühlt sich Hogwarts noch sehr leer und leblos an. Dabei ist es sowohl in den Büchern als auch in den Original-Filmen fast schon ein eigenständiger Charakter, eine Schule, die ich unbedingt selbst besuchen wollte. Das neue Hogwarts hätte Klein-Natalie sowas von kalt gelassen.
Apropos kalt – drittens: Was ist mit dem Color Grading los?
Kann da jemand mal bitte das Licht anschalten? Alle Szenen sind in einen dunklen, grauen Filter getaucht. Der mag zwar zu Harrys grauem Leben bei den Dursleys passen, aber spätestens in Hogwarts will ich gesättigte Farben sehen, die den Flair der ulkigen Zaubererwelt widerspiegeln.
Klar, es kann sich alles noch ändern und vielleicht vermittelt der Trailer, der auf mich stellenweise wie ein ernster Politthriller wirkt, auch einen falschen Eindruck. Ich hoffe nur, dass HBO den Grundton der Serie nicht zu seriös gestaltet und genug Raum für all die Leichtigkeit und Magie lässt, in die ich mich vor 26 Jahren verliebt habe. Wenigstens einen Funken dieser Magie hätte ich aber sehr gerne schon beim ersten Blick auf die Serie erhascht.