Für viele von euch rückt die besinnliche Zeit näher, in der sich der Familien- und Freundeskreis zusammenfindet, um gemeinsam ein Fest der Freude zu genießen. Nein, nicht Weihnachten, ignoriert die Lebkuchen im Supermarkt. Ich rede natürlich vom jährlichen Herr-der-Ringe-Marathon!
Diese Tradition zelebrieren viele von euch (und auch wir in der GameStar-Redaktion) schon seit vielen Jahren. Vielleicht habt ihr zwischendurch mal Lust auf etwas Abwechslung. Kennt ihr den Animationsfilm, der 1978 erschien und Peter Jackson zu seinem Meisterwerk inspirierte? Klar, als Mittelerde-Kenner bestimmt.
Aber wusstet ihr, dass 1980 eine inoffizielle Fortsetzung erschienen ist? Die könnt ihr euch derzeit in voller Länge bei YouTube anschauen. Oder ihn euch bei Amazon als DVD kaufen (aber echt nur, wenn ihr Super-Fans seid, der Preis ist gesalzen) Bevor ihr loslegt, erzähle ich euch noch ein paar spannende Details zum, sagen wir mal, etwas eigenwilligen Film.
Wer hat das erschaffen?
Der animierte Film von 1978 hatte eigentlich große Ambitionen, und dessen Macher planten, die restliche Geschichte in einem zweiten Film zu erzählen. Doch das Geld ging aus, also kam es nie dazu.
Das wiederum fanden die beiden Filmemacher Arthur Rankin Jr. und Jules Bass unheimlich schade. Beide hatten schon einschlägige Erfahrung mit Mittelerde-Animation, weil sie für den 1977 erschienenen Film The Hobbit verantwortlich waren. Also beschlossen sie, selbst eine Art inoffiziellen Nachfolger zu drehen – der allerdings nicht direkt anschließt und einige Änderungen bei der Handlung vornimmt.
Noch eine spannende Verbindung zu einem Namen, der euch sicherlich etwas sagt: Das japanische Studio Top Craft übernahm die Animation. Ihr späteres Werk Nausicaä aus dem Tal der Winde gilt heute als der erste Ghibli-Film, auch wenn das inzwischen weltbekannte Studio erst nach dessen Erscheinen offiziell gegründet wurde – und zwar aus dem, was nach der Unternehmenspleite von Top Craft übrig blieb.
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Der Junge und der Reiher - Studio Ghiblis neues Meisterwerk im Trailer
Worum geht’s im Film?
Wer das Buch oder den dritten Film kennt, wird natürlich viele Schauplätze und Ereignisse wiedererkennen: Frodos und Sams Reise durch Mordor, Gollums Attacke, die Schlacht um Minas Tirith, in der die Orks vom Hexenkönig angeführt werden, die Ankunft der Reiter von Rohan, die Adler am Schicksalsberg, und so weiter. Viel Kontext wird durch Erzählungen vermittelt, der Film ist sehr expositionslastig. Generell müsst ihr euch auf ein ziemlich durchwachsenes Tempo einstellen.
Logischerweise stützt sich der Animationsfilm komplett auf Tolkiens Beschreibungen und die wenigen erhaltenen Illustrationen. Zum Beispiel sieht Gollum einem Frosch verblüffend ähnlich, inklusive grünlicher Haut. Èowyn ist unter dem Tarnnamen Dernhelm mit der Armee ihres Onkels unterwegs – ein Detail, das in der modernen Filmtrilogie ausgelassen wurde. Der Hexenkönig ist sowas von der Inbegriff des 80er-Jahre-Cartoon-Bösewichts:
Und ist das jetzt ein guter Film? Ganz ehrlich, wenn ich die Maßstäbe anlege, nach denen ich modernere Filme bewerte, nein. Aber das ist bei einem 50 Jahre alten Machwerk auch einfach so schwer zu beantworten. Das Narrativ wird mit der Eleganz und Subtilität eines Holzhammers geschmiedet, aber dafür strahlt überall die Kreativität der Zeichner durch, was ich in Zeiten von bergeweise seelenlosem KI-Müll gewaltig schätze. Erwartet einfach nicht die Qualität eines Das Letzte Einhorn oder der Ghibli-Filme.
Stellenweise ist der Film einfach ungewollt komisch, was ich persönlich unheimlich unterhaltsam finde. Er eignet sich meiner Meinung nach am besten für das gemeinsame Schauen mit Freunden, weil man sich dann über manche Zitate kaputtlachen kann. Und das Ende finde ich dann wirklich charmant, wenn Gandalf in die Kamera schaut und die vierte Wand durchbricht.
Und es kostet euch ja nichts, dem Film eine Chance zu geben – notfalls startet ihr dann halt doch lieber die Jackson-Trilogie.
So, und jetzt alle zusammen: »Roads go ever, ever on, to the lands beyond the sea! On a white ship will I sail, watching shadows part for meeeee!«
Ganz ehrlich, die Songs aus solchen alten Animationsfilmen sind auch heute noch echte Banger. Ich glaube, hätte ich den Film als Kind gesehen, hätte er mir total Angst eingejagt – und ich hätte ihn sehr geliebt.
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