Ende gut, alles gut – gilt das auch in Mittelerde? Wer die Filmtrilogie von Peter Jackson anschaut, könnte diesen Eindruck bekommen. Die finstere Bedrohung durch Sauron ist besiegt, die freien Völker gerettet und unter neuen Königen wird ein Zeitalter des Friedens und Wohlstandes ausgerufen.
Ja, dass Frodo und Gandalf am Ende für immer Abschied von ihren Hobbitfreunden nehmen und von den Grauen Anfurten in den Sonnenuntergang segeln, treibt mir auch jetzt beim Schreiben die Tränen in die Augen. Aber wie der Weiße Zauberer sagt, sind ja nicht alle Tränen von Übel. Wie ein Happy End wirkt es trotzdem.
Doch wie erging es eigentlich den anderen Gefährten nach dem Abspann des Films? Die meisten sind ja noch in Mittelerde zugange. Wir beleuchten das teils wunderbare, teils schmerzhafte Schicksal aller, die der Gemeinschaft des Ringes angehört haben – und derer, die ihnen besonders nahe standen.
Aragorn
Aragorn (der eigentlich Aragorn II ist) wird nach Saurons Ende zu König Elessar gekrönt und ist der erste Hochkönig des wiedervereinten Königreichs von Gondor und Arnor. Er regiert für 120 Jahre, Seite an Seite mit seiner Frau Arwen, mit der er einen Sohn namens Eldarion und mehrere Töchter hat. Es herrscht nicht immer Frieden, denn Aragorn führt Feldzüge gegen Ostlinge und Haradrim aus.
Wie die alten Herrscher der Menschen wählt Aragorn den Zeitpunkt seines Todes selbst (nicht im Sinne von Freitod, sondern indem er aktiv im Haus der Könige beschließt, sein Leben auszuhauchen, um Platz für seinen Sohn auf dem Thron zu machen.
Hier werden mehrere Visionen wahr, die in den Filmen vorkommen. Das Kind, das Arwen auf ihrem Weg zu den Grauen Anfurten sieht, ist natürlich Aragorns Sohn Eldarion. Und traurigerweise wird auch Elronds Prophezeiung wahr, die er seiner Tochter gibt – nach Aragorns Tod ist ihr Herz so gebrochen, dass sie nur ein Jahr später unter den schwindenden Bäumen von Lothlórien selbst stirbt. Da sie für Aragorn die Sterblichkeit gewählt hat, wird sie nicht wiedergeboren wie für Elben sonst vorgesehen.
Boromir
Nun, was mit Boromir geschehen ist, haben wir schon am Ende des ersten Films gesehen. Der Krieger und Sohn des Truchsess von Gondor fiel im Kampf gegen Sarumans Uruk-Hai, als er versuchte, Merry und Pippin vor ihnen zu retten. Übrigens war er zum Zeitpunkt seines Todes 41 Jahre alt.
Seine Erinnerung lebt vor allem in seinem Bruder Faramir weiter, der sich von seinen schweren Wunden erholte, Éowyn heiratete und mit ihr einen Sohn namens Elboron hatte.
Frodo
Auch Frodos Schicksal sehen wir zum größten Teil noch in den Filmen. Er verlässt Mittelerde wenige Jahre nach dem Ringkrieg, geplagt von der Wunde, die ihm der Hexenkönig auf der Wetterspitze zugefügt hat, und vom Gift, das Kankras Stich hinterließ. In den Ewigen Landen hofft er, Heilung für seinen versehrten Geist zu finden.
Er trifft dort auf Bilbo. Die beiden bleiben aber sterblich, teilen also nicht das ewige Leben der Elben, die ihnen Zutritt zu diesen heiligen Landen gewährt haben. Tolkien schrieb nie, wie lange genau Frodo und Bilbo noch lebten, nur dass Frodo seine letzten Tage auf der Insel Tol Eressëa in Frieden und Kontemplation verbrachte.
Es gibt aber Hinweise, dass er vorher wieder mit seinem besten Freund vereint wird – dazu lest ihr mehr im Abschnitt über Sam.
Gandalf
Gandalf als Istari (Zauberer) und Maia (ein Geistwesen vom Anbeginn der Schöpfung) ist unsterblich wie die Elben. Er segelt am Ende des dritten Films mit Frodo in den Westen. Im Buch durfte auch sein treues Ross Schattenfell mitkommen.
Nach seiner Ankunft kehrt er vermutlich zu seiner eigentlichen Gestalt und seinem wahren Namen Olórin zurück und verbringt den Rest seiner Existenz in den ewigen Gärten der Valar. Da Tolkien sein Werk als Vorgeschichte unserer Welt betrachtet hat, lebt Gandalf also noch heute.
Gimli
Der Zwerg gründet nach dem Ringkrieg mit seinem Volk eine neue Stadt in den Funkelnden Höhlen hinter Helms Klamm in Rohan. Er und seine Kameraden helfen den Menschen, ihre vom Krieg verwüsteten Städte wieder aufzubauen, zum Beispiel bauen sie ein Mithril-Toor für Minas Tirith.
Doch Gimli wendet sich am Ende von allem Ruhm und Gold ab, denn sein Herz gehört seit seiner Zeit in Lothlórien der Elbenherrin Galadriel, die ihm damals drei ihrer Haare schenkte. Um ihre Schönheit noch einmal erblicken zu dürfen, segelt Gimli als einziger Zwerg der Geschichte in die Unsterblichen Lande – gemeinsam mit seinem Freund Legolas, mit dem er zuvor Mittelerde bereist hat.
Legolas
Der Prinz des Waldelbenkönigreichs bleibt eng mit Aragorn befreundet, und auch mit Gimli verbringt er viel Zeit, als die beiden gemeinsam die Funkelnden Höhlen und den Fangorn-Wald bereisen.
Er hilft mit anderen Angehörigen seines Volkes, die in Mittelerde verblieben sind, die Wälder der Welt zu heilen. Doch er kann nie wieder Erfüllung im Leben als Waldelb finden. Zu stark ist in ihm die Sehnsucht nach dem Meer, die erweckt wurde, als er es in Gondor zum ersten Mal erblickt hat. Deshalb baut er nach Aragorns Tod ein Schiff und segelt von den Grauen Anfurten in den Westen, zusammen mit Gimli.
Merry
Meriadoc bleibt nach dem Ringkrieg für lange Zeit im Auenland, wird ein angesehener Herr von Bockland, heiratet eine Hobbitdame namens Estella Bolger und hat mit ihr wahrscheinlich einen Sohn – die Quellen sind nicht so ganz kohärent.
Im stolzen Alter von 102 Jahren reist er mit seinem besten Freund Pippin erst nach Rohan zu Éomer, nach dessen Tod dann weiter nach Gondor. Dort stirbt Merry zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt. Er wird an Aragorns Seite bestattet – wie auch Pippin.
Pippin
Auch der gute Peregrin Tuk (der viel mehr geleistet hat, als die meisten denken!) verbringt ein erfülltes und langes Leben im Auenland, findet eine Frau und hat einen Sohn, den er Faramir nennt. Der heiratet später Sams Tochter Goldilocks.
Pippin hält wichtige politische Ämter im Auenland inne, die er nach 50 Jahren niederlegt, um gemeinsam mit Merry noch einmal nach Rohan zu reisen. Nachdem sie sich dort von König Èomer verabschiedet haben, reisen sie weiter nach Gondor, wo auch Pippin zu einem unbekannten Zeitpunkt stirbt und mit Merry bestattet wird. Nach Aragorns Tod werden sie an dessen Seite beigesetzt.
Sam
Samweis der Beherzte war für manche der wahre Held des Ringkriegs, denn ohne ihn wäre Frodo nicht sehr weit gekommen. Wie wir im Film gesehen haben, bleibt er im Auenland zurück, als Froodo nach Westen segelt, denn Sam hat in der Zeit nach dem Ringkrieg eine Familie mit Rosie Cotton. Die beiden haben mehrere Kinder und begründen eine neue Hobbit-Dynastie, die Gärtners.
Sam erbt von Frodo dessen Buch, das Bilbo begonnen hatte. Außerdem war er sieben Mal hintereinander Bürgermeister des Auenlands. Nach dem Tod seiner Frau schenkt Sam das Buch seiner Tochter Elanor und wandert zu den Grauen Anfurten. Dort wird ihm die Überfahrt in die Unsterblichen Lande gewährt, weil auch er für kurze Zeit den Ring getragen hat.
Tolkien hat nie aufgeschrieben, ob sich Sam und Frodo in Valinor wiedertreffen. Aber wir machen das so, wie Aragorn es einst Gandalf geraten hat: Was sagt dein Herz? Und da spüren wir doch alle, dass die beiden wieder vereint wurden.
Tolkien hatte wirklich ein Händchen für bittersüße Enden, in denen sich oft sein stark katholisch geprägtes Weltbild widerspiegelt. Wer hat in euren Augen das glücklichste Leben nach dem Ringkrieg geführt? Schreibt es gern in die Kommentare. Wenn ihr wollt natürlich auch, wen das traurigste Schicksal ereilt hat – in meinen Augen ganz klar Arwen.
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