Horizon Zero Dawn - Wieso ausgerechnet schnöder Sammelkram die Open-World so magisch macht

Meinung: Horizon Zero Dawn hat eine Stärke, die kaum einer bemerkt, aber sich viel Open-World-Spiele zum Vorbild nehmen sollten, findet Mary.

von Marylin Marx,
08.08.2020 15:00 Uhr

In Horizon Zero Dawn sind Collectibles mehr als stumpfe Sammelaufträge. In Horizon Zero Dawn sind Collectibles mehr als stumpfe Sammelaufträge.

Collectibles gehören mittlerweile zum guten Ton in Open-World-Spielen, dabei sind sie selten mehr, als Spielzeit-Strecker oder dazu da, um mich durch ihre schiere Anzahl oder bockschwere Aufgaben in den Wahnsinn zu treiben.

Sammle 100 Federn in Assassin's Creed 2. Das reicht dir nicht? Hier nimm noch 315 Riddler-Trophäen aus Arkham Knight oder schnapp dir gleich alle 900 Krog-Samen in Zelda: Breath of the Wild. Als Belohnung bekommst du ein nutzloses Item, eine mickrige Zwischensequenz oder einfach das Wissen, dass du jetzt 100 Prozent Spielfortschritt erreicht hast.

Das nervt gewaltig und ich habe nach Abschluss dieser Sisyphos-Aufgabe nicht das Gefühl, irgendwas zu erreichen. Umso froher bin ich, dass Horizon Zero Dawn aus diesem unwichtig wirkenden Feature etwas Besonderes gemacht hat.

Die Autorin
Mary ist kein Completionist und spielt die wenigsten Spiele auf 100 Prozent. Grund dafür sind utopische Erfolge und nervige Collectibles. Durch Horizon Zero Dawn hat sie aber wieder gelernt, dass Sammeln und Entdecken Spaß machen kann. So viel Spaß, dass sie direkt ihre Bachelorarbeit über Collectibles geschrieben hat.

Jeder Fund ein Treffer

Ja, auch Horizon Zero Dawn beherbergtes eine Menge Collectibles, die wir sammeln können. Esgibtinsgesamt 60 Gegenstände, die wir in Form von Banuk-Figuren, Metallblumen, Kaffeetassen oder Aussichtspunkten finden müssen, um schlussendlich mit Erfolgen belohnt zu werden.

Das ist auch nicht gerade wenig, hält sich aber im Vergleich zu anderen Open-World-Epen in Grenzen. Zumal wir uns Schatzkarten kaufen können, die uns die Suche erleichtern. Adé Internet-Guides!

Das Beste an der ganzen Sache sind aber nicht die Schatzkarten, sondern dass jedes Collectible mich mit einem kleinen Stück Geschichte und Information belohnt. Entweder erfahre ich etwas über die Spielwelt oder es verstecken sich kleine Easter Eggs in den sammelbaren Gegenständen. Manchmal geht auch beides Hand in Hand.

Was wir als Kaffeetassen (mit Killzone-Easter Egg) kennen, sind in der postapokalyptischen Welt uralte Gefäße, die den Menschen der alten Welt viel bedeutet haben. Was wir als Kaffeetassen (mit Killzone-Easter Egg) kennen, sind in der postapokalyptischen Welt uralte Gefäße, die den Menschen der alten Welt viel bedeutet haben.

Wer sich auf diese Schnitzeljagd einlässt, kann also eine ganze Menge über die Spielwelt erfahren, die er sonst verpassen würde.

Ein kleines Feature ganz groß

Verpassen kann man trotz Kauf der Schatzkarten und des Vervollständigens seiner Collectible-Sammlung immer noch einiges. Kleinere E-Mails, Tonbänder oder andere Relikte aus der Zeit vor der Apokalypse werden nirgends dauerhaft eingezeichnet, sondern sind nur über den Kompass am oberen Bildschirmrand sichtbar, wenn ihr euch direkt in der Nähe befindet.

Da die Collectibles keinen Einfluss auf euren Trophäen-Fortschritt haben, können die Erfolgs-Jäger unter euch also erleichtert aufatmen während die Entdecker sich freudig die Hände reiben. Das ist in meinen Augen ein hervorragender Kompromiss, beide Spielertypen abzuholen.

Ihr seht schon: Horizon Zero Dawn holt aus diesem kleinen, eigentlich sehr unwichtigen Feature eine ganze Menge raus. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich auch andere Open-World-Spiele daran ein Beispiel nehmen und endlich wieder ein größeres Augenmerk auf die Funktion von Collectibles als magische Geschichtenerzähler legen.

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