Wer schon mal durch das Westend in London geschlendert ist, weiß, dass es irgendwie zu allem Musicals und Theaterstücke gibt. Der Teufel trägt Prada, Mean Girls, Stranger Things und sogar Paranormal Activity sind dort vertreten und ich habe mich einfach mal in eine Handvoll davon reingesetzt.
Bei meinem Trip Anfang Februar standen unter anderem Stranger Things: The First Shadow und Hunger Games On Stage auf meiner Watchlist. Letzteres hat mich so dermaßen umgehauen, dass ich euch unbedingt davon erzählen muss.
Tod und Verzweiflung aus der ersten Reihe
Der Abend ging für meine Gruppe und mich schon einmal gut los: Statt unserer günstigen 40-Pfund-Plätze in Distrikt 7 (Die Zuschauerblöcke wurden nach Distrikten benannt) durften wir aufgrund eines Buchungsfehlers weiter vorne in Distrikt 2 sitzen. Viel weiter vorne. Ganz vorne. In der ersten Reihe.
Das sind Plätze, die zwischen 150 und 250 britische Pfund kosten. In einem Theater wie diesem macht das einen gewaltigen Unterschied:
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Für Hunger Games On Stage wurde nämlich ein eigenes Theater in eine alte Industriehalle gezimmert, das passend zum Thema einer Arena gleicht. Die Fläche in der Mitte ist mit Hebebühnen und mobilen Stahlträgern ausgestattet, an denen Katniss und Co. herumklettern und durch die Luft fliegen. Es gibt also kein klassisches Bühnenbild mit Hintergrundkulissen, aber das hatte das Stück auch gar nicht nötig.
Aber worum geht's eigentlich? Hunger Games On Stage erzählt die Geschichte aus dem ersten Buch und dem ersten Film. Es wurde einige kleine Änderungen vorgenommen, aber im Großen und Ganzen bleibt der Ablauf der Ereignisse gleich.
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Die Tribute von Panem - Trailer zur Verfilmung des Jugendbuch-Bestsellers
Katniss Everdeen (Mia Carragher) lebt mit ihrer Schwester und Mutter im zwölften Distrikt eines dystopischen Amerikas namens Panem. Jedes Jahr finden die Hungerspiele statt, für die in jedem der zwölf Distrikte zwei minderjährige Tribute ausgelost werden. Diese werden nach bester Battle-Royale-Manier in eine Arena geworfen, wo sie sich so lange gegenseitig töten bis nur noch ein Tribut übrig bleibt. In diesem Jahr müssen Katniss und Peeta Mellark (Euan Garrett) ran.
Das besondere am Theaterstück
Um die verschiedenen Bedrohungen und Effekte aus dem Film greifbar zu machen, wurde zu Pyrotechnik, Lichteffekten, Kletter-Passagen und sogar Gruppentänzen und ein paar kleinen Gesangseinlagen gegriffen. Katniss feuerte Pfeil und Bogen mit Bühnenmagier-Techniken ab. Die Banden und großen LED-Bildschirme hüllten die Arena in Flammen und die Darsteller der Tribute haben offensichtlich ein richtiges Show-Kampftraining hinter sich.
Für meinen Geschmack hat der Mix aus modernen Elementen und klassischem Theater sehr gut zum Kapitol gepasst. Hunger Games On Stage hatte damit eine ganz eigene Atmosphäre, die das Stück von Buchvorlage und Film abhebt, auch wenn die Story grundsätzlich die gleiche ist.
Zudem hat man sich fest vorgenommen, die Barriere zwischen Bühne und Publikum zu dünn wie möglich zu halten und das habe ich in der ersten Reihe auch zu spüren bekommen. Immer wieder standen die Darstellerinnen und Darsteller knapp einem Meter vor meinem Gesicht, manche sahen mir direkt in die Augen.
Cato, der Karriero aus Distrikt 2, hat sich immer wieder vor unserem Block, der sein Heimatdistrikt verkörperte, aufgebaut und uns angeheizt. Das hat so gut funktioniert, dass ich in der Mitte des Stücks selbst zum Karriero wurde und ihn angefeuert habe. Jedenfalls so lange bis Katniss in der Arena als Zeichen des Protests den berühmten Gruß machte. Ich konnte sehen, wie sie vor Wut und mit Tränen in den Augen zitterte. Da muss einem ja das Herz bluten.
In anderen Szenen war überall auf der Bühne etwas los. Während Katniss und Peeta beispielsweise beim Training von Haymitch (Joshua Lacey) eingewiesen wurden, konnte ich die anderen Tribute dabei beobachten, wie sie miteinander interagierten.
Einige stellten ihre akrobatischen Talente zur Schau, andere schüchterten die Underdogs ein. Direkt vor mir erklärte Thrash (Marcellus Hill) aus Distrikt 11 der kleinen Rue (Aiya Augustin), wie sie die Steinschleuder benutzt. Ich weiß jetzt auch, wie das am besten geht!
Nach dem Stück fragte ich mich, ob diese Magie auf den hinteren Rängen nicht verloren geht. Um das realistisch einzuschätzen muss ich wohl leider nochmal da rein. Naja, was tut man nicht alles?
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