Mein Laptop hängt immer am Strom - aber nie ohne diese eine Einstellung

Ist es wirklich schädlich, euren Laptop ständig am Netzteil zu betreiben? Wir klären die Mythen und zeigen euch, wie ihr euren Akku optimal schützt.

Wenn ihr einen Laptop habt, müsst ihr dieses Symbol kennen. Wenn ihr einen Laptop habt, müsst ihr dieses Symbol kennen.

Die Frage, ob moderne Laptops dauerhaft am Netzteil betrieben werden können, beschäftigt viele Nutzer. Wirklich eine Wahl lassen euch die Hersteller allerdings nicht, denn die maximale Leistung gibt es nur, wenn das Notebook am Netzteil hängt. 

Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält,  ist die permanente Verbindung zum Ladegerät dank fortschrittlicher Batteriemanagementsysteme (BMS) und der chemischen Eigenschaften von Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus heute nicht mehr direkt schädlich für den Akku. Dennoch kann eine unsachgemäße Handhabung die chemische Alterung drastisch beschleunigen. Eine Einstellung an eurem Laptop kann hier für Sicherheit sorgen. Aber widmen wir uns erst einmal der Theorie.

Moderne Akku kann man nicht überladen

Alle modernen Akkus verfügen mittlerweile über ein Batteriemanagementsystem (BMS). Der Mythos dass man den Akku überladen kann, stammt noch aus der Zeit von Nickel-Cadmium-Akkus. Bei modernen Lithium-Akkus ist dieser Vorgang durch das integrierte BMS technisch ausgeschlossen.

Je nach Hersteller hat die Funktion zur Ladebegrenzung einen anderen Namen. Je nach Hersteller hat die Funktion zur Ladebegrenzung einen anderen Namen.

Es hat die primäre Aufgabe, die Ladeschlussspannung präzise zu überwachen. Sobald die Zelle die maximale Spannung von üblicherweise 4,2 Volt (oder 4,35 Volt bei einigen Hochleistungszellen) erreicht, unterbricht das BMS den Ladevorgang vollständig oder regelt den Ladestrom auf null. 

Ein Überschreiten dieser Spannung würde zu irreversiblen Schäden und einer Überhitzung führen, was das BMS aktiv verhindert. Der Laptop läuft ab diesem Punkt direkt über das Netzteil, während der Akku nur noch minimale Ströme zum Ausgleich der Selbstentladung erhält.

Die wahren Gefahren

Das Überladen ist also keine Gefahr mehr für den Akku, es gibt allerdings zwei andere Faktoren, welche die Lebensdauer des Akkus verkürzen:

  1. Hoher Ladezustand (Hohe Spannung): Lithium-Akkus erfahren bei einer Dauerladung nahe 100 Prozent eine beschleunigte chemische Degradation. Die Zelle befindet sich in einem Zustand höherer Instabilität, was die Bildung nicht leitender Schichten (Solid Electrolyte Interphase oder kurz SEI) beschleunigt und somit die Speicherkapazität dauerhaft reduziert. Dies äußert sich in einem schnelleren Kapazitätsverlust im Laufe der Zeit.
  2. Thermische Belastung (Hitze): Hohe Temperaturen beschleunigen sämtliche negativen chemischen Reaktionen in der Zelle. Wenn ein Laptop unter Last viel Wärme erzeugt und gleichzeitig auf 100 Prozent gehalten wird, addiert sich diese Wärme zur Alterung. Hitze ist der größte Feind des Lithium-Ionen-Akkus und kann im schlimmsten Fall sogar zum Aufblähen des Akkus führen.

Welche Rolle spielt der Bypass beim Ladevorgang?

Um den zuvor genannten Problemen angemessen begegnen zu können gibt es zwei wirksame Mittel. Eines davon ist der sogenannte Bypass, er ist ein entscheidender Faktor für den stationären Betrieb.

Wenn der Laptop zu 100 Prozent geladen und weiterhin mit dem Netzteil verbunden ist, wird die Energieversorgung über einen Bypass vom Ladestromkreis direkt an die Systemkomponenten (Mainboard, CPU, GPU) geleitet. Der Akku wird dadurch effektiv umgangen und nicht weiter belastet.

Der Bypass ist sinnvoll, da er zwei Probleme löst: Zum einen verhindert er die thermische Belastung des Akkus durch den kombinierten Effekt von Laden und gleichzeitiger Entladung unter Last. Weiterhin werden ständige Mikro-Ladezyklen im vollgeladenen Zustand, die ebenfalls zur Alterung beitragen , unterbunden.

Wichtig: Wenn ihr statt des originalen Netzteils lieber ein kompakteres USB-C-Modell verwenden möchtet, solltet ihr unbedingt prüfen, ob der Bypass aktiv ist! Oftmals ist nämlich genau das nicht der Fall und es kommt zu den beschriebenen Mikro-Ladezyklen, die auf Dauer den Akku belasten.

Ob solche sogenannten Micro-Cycles bei euch auftreten, könnt ihr übrigens mit Tools wie HWMonitor oder BatteryBar prüfen. Diese zeigen die Charge Rate (Laderate) an. Ist der Laptop am Strom und der Akku voll (oder am Limit), sollte die Charge Rate auf 0 mW fallen. Steht dort dauerhaft ein niedriger Wert oder schwankt er stark, wird permanent nachgeladen.

Die Ladebegrenzung nutzen

Um die chemische Alterung effektiv zu verlangsamen, bieten viele Laptop-Hersteller eine Ladebegrenzungsfunktion an. Diese Funktion ermöglicht es dem Nutzer, die maximale Ladung des Akkus softwareseitig auf einen gesünderen Wert von deutlich unter 100 Prozent zu beschränken.

Bei einigen Laptops könnt ihr frei einstellen, wie weit der Akku geladen werden soll. Bei einigen Laptops könnt ihr frei einstellen, wie weit der Akku geladen werden soll.

Empfohlene Einstellung: Eine maximale Ladebegrenzung auf 60 % bis 80 % ist für den reinen stationären Betrieb ideal. Der Akku befindet sich dann in einem spannungsärmeren Zustand und altert langsamer.

Wo sind diese Einstellungen zu finden?

Gewöhnlich hat jeder namhafte Hersteller eine eigene Software für seine Laptops, wie etwa das MSI Center oder die MyAsus App. Und dort findet ihr dann auch die Option für die Ladebegrenzung. Das Problem ist nur, dass jeder Hersteller diese wichtige Einstellung anders benennt.

Bei Lenovo gibt es hier sogar Unterschiede zwischen den Business- und den Gaming-Geräten. Während sich die Option bei meinem Thinkpad intelligente Aufladung nennt, heißt sie beim Legion Pro 7i schlicht Erhaltungsmodus.

Dieses kleine Symbol zeigt an, ob die Ladebegrenzung aktiv ist oder nicht. Dieses kleine Symbol zeigt an, ob die Ladebegrenzung aktiv ist oder nicht.

Ihr solltet eine entsprechende Einstellmöglichkeit in der gerätespezifischen Software des jeweiligen Herstellers unter der Option Akkueinstellungen oder Batterie finden. Wie gesagt, die Bezeichnung für diese wichtige Einstellung unterscheidet sich leider je nach Hersteller. Bei einigen Geräten gibt es auch im BIOS eine dazugehörige Option, die sich dann Battery Health, Power Management, Primary Battery Charge Configuration oder ähnlich nennt. 

Wenn die Ladebegrenzung aktiv ist, könnt ihr das unter Windows leicht am Akkusymbol in der Taskleiste erkennen. Während sich in der oberen linken Ecke des Symbols ein kleiner Blitz befindet, könnte ihr unten rechts ein kleines Herz erkennen. Wenn dieses Herz zu sehen ist, habt ihr alles richtig gemacht.

Fazit

Die Gefahr des Überladens existiert bei modernen Laptops nicht mehr. Die primären Verschleißfaktoren sind heute der hohe Ladezustand (100 %) und die Betriebstemperatur. Nutzer, die ihren Laptop dauerhaft am Netzteil betreiben, sollten die vom Hersteller bereitgestellte Ladebegrenzungsfunktion auf 60 bis 80 Prozent aktivieren. Dadurch wird der Akku in einem chemisch stabilen Zustand gehalten, was seine Lebensdauer signifikant verlängert, ohne dass der Akku entfernt oder ständig ein- und ausgesteckt werden muss.

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