Dieses Jahr ist alles ein wenig zurückhaltender. Neue Hintergrundbeleuchtungen sollen die Bildqualität von LCD-Fernsehern verbessern, während Projektoren heller, flexibler und leistungsfähiger werden. Auffällig war zudem die erneute Präsenz von 3D-Technik. Von einem umfassenden Comeback kann zwar noch keine Rede sein, doch mehrere Hersteller demonstrierten unterschiedliche Ansätze für stereoskopische Bilder.
RGB-Hintergrundbeleuchtung als neuer TV-Trend
Eine der wichtigsten Entwicklungen bei Fernsehern ist die zunehmende Verbreitung von RGB-Hintergrundbeleuchtungen. Letztes Jahr legte Samsung die Weichen für alle, inzwischen hat aber so ziemlich jeder sein eigenes Gerät am Start, bei dem statt weißer oder blauer LEDs getrennt steuerbare rote, grüne und blaue Lichtquellen zum Einsatz kommen. Die Technik ermöglicht einen größeren Farbraum, eine präzisere Farbdarstellung und eine höhere Helligkeit.
Samsung geht weiter mit Micro RGB voran und positioniert die Technologie als nächste Entwicklungsstufe oberhalb bisheriger Mini-LED-Systeme. Auch LG und weitere Hersteller wie Hisense und TCL zeigen Varianten entsprechender Technologien.
Der Hintergrund ist der Wettbewerb mit OLED. Während selbstleuchtende Pixel weiterhin Vorteile bei Schwarzwert und Kontrast bieten, bleibt LCD insbesondere bei hoher Helligkeit und großen Bildschirmdiagonalen konkurrenzfähig. RGB-Hintergrundbeleuchtungen sollen die bisherigen Schwächen bei Farbwiedergabe und Local Dimming weiter reduzieren.
Großbild ist längst Normalität
Auffällig war erneut die Größe der gezeigten Fernseher. Diagonalen von 100 Zoll wirkten auf der Messe inzwischen fast schon handzahm. Hisense stellte beispielsweise ein 163 Zoll großes Micro LED-Gerät aus. Alle Hersteller demonstrierten damit einen Trend, der sich seit einigen Jahren verstärkt.
Der Fernseher wächst damit immer stärker in Bereiche hinein, die früher Projektoren vorbehalten waren. Gleichzeitig entwickelt sich der Beamer in die entgegengesetzte Richtung und versucht, die Alltagstauglichkeit eines Fernsehers zu erreichen.
Dadurch konkurrieren beide Geräteklassen zunehmend um dieselbe Rolle im Wohnzimmer: das möglichst große Bild.
Laserprojektoren werden leistungsfähiger
Auf dem Beamer-Markt war vor allem die Weiterentwicklung leistungsstarker Laserprojektoren sichtbar. Hersteller wie XGIMI, JMGO und AWOL Vision zeigten dank moderner Steuerungs-Chips Modelle mit hohen Helligkeitsreserven, 4K-Auflösung und umfangreicher Bildverarbeitung.
Ein wichtiger Entwicklungsschritt ist die zunehmende Unterstützung von 120 Hz bei einer 4K-Auflösung. Diese Bildfrequenz wird häufig vor allem als Gaming-Funktion betrachtet, ihre Bedeutung geht jedoch darüber hinaus.
Bei RGB-Laserprojektoren kann eine höhere Bildfrequenz auch dazu beitragen, den sogenannten Rainbow-Effekt zu reduzieren. Dieser entsteht, wenn die einzelnen Farbanteile zeitlich nacheinander dargestellt werden und das Auge die Farbreihenfolge unter bestimmten Umständen wahrnimmt.
Bisher versuchten Hersteller, das Problem unter anderem mit rechnerischen Anti-RBE-Verfahren zu reduzieren. Dabei wird die Reihenfolge der Farbdarstellung mathematisch wechselnden Mustern unterworfen, um die Wahrnehmung der Farbsäume zu erschweren.
120-Hz-Wiedergabe eröffnet nun eine zusätzliche Möglichkeit. Die schnellere Bilddarstellung reduziert die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Farbanteilen. In Verbindung mit moderner Zwischenbildberechnung entsteht damit ein neuer Ansatz, der nicht nur für Spieler relevant ist, sondern auch bei Filmen und anderen Bewegtbildern Vorteile bieten kann.
Die Kombination aus hoher Bildfrequenz und Frame Interpolation ist deshalb ein merklicher Evolutionsschritt bei modernen Laserprojektoren.
Mehr Flexibilität bei der Installation
Neben der Bildqualität spielt auch die Aufstellung eine wichtige Rolle. Klassische Heimkinoprojektoren erfordern häufig eine präzise Positionierung. Digitale Bildkorrekturen können zwar helfen, gehen jedoch teilweise mit Qualitätseinbußen einher.
JMGO kombiniert bei seinem neuen Spitzenmodell optischen Zoom und Lens Shift mit einer beweglichen Projektoreinheit. AWOL Vision setzt bei einem neuen Ultrakurzdistanzprojektor ebenfalls auf optischen Lens Shift.
Gerade solche Funktionen können entscheidend sein, wenn Projektoren künftig stärker als alltägliche TV-Alternative wahrgenommen werden sollen. Je weniger Aufwand die Installation verursacht, desto einfacher lassen sich große Projektionen in normalen Wohnräumen realisieren.
3D ist plötzlich wieder sichtbar
Eine der überraschendsten Beobachtungen der IFA 2026 war die erneute Präsenz von 3D. Noch handelt es sich nicht um einen dominierenden Markttrend. Auffällig ist jedoch, dass mehrere Hersteller gleichzeitig mit unterschiedlichen Technologien experimentieren.
Hisense demonstrierte einen besonders großen Fernseher mit klassischem Brillen-3D. Bemerkenswert war dabei vor allem die Bildqualität. Die Darstellung blieb trotz der verwendeten Brille ausgesprochen hell, scharf und enorm plastisch. Es ging um das beste 3D, das jemals im Consumer-Bereich zu sehen war. Damit unterschied sich der Ansatz deutlich von vielen früheren Heimkino-3D-Systemen, die häufig unter Helligkeitsverlusten und eingeschränkter Bildqualität litten.
TCL zeigte dagegen einen Fernseher mit brillenlosem 3D. Autostereoskopische Displays sind keine neue Technologie, doch die Qualität der Demonstration zeigte deutliche Fortschritte. Das Bild wirkte scharf und farbkräftig, während der räumliche Effekt auch aus seitlicheren Blickwinkeln erhalten blieb.
Kompromisse bestehen allerdings weiterhin. Insbesondere beim HDR-Kontrast erreichte die Darstellung noch nicht die Qualität moderner Spitzenfernseher.
Luxus-3D mit zwei Projektoren
XGIMI demonstrierte einen besonders aufwendigen Ansatz. Zwei Titan Noir Max Long-Throw-Projektoren werden über ein spezielles Linsensystem zu einer stereoskopischen Projektion kombiniert.
Das Bild überzeugte durch hohe Helligkeit und Schärfe. Der Aufwand ist allerdings erheblich. Da bereits ein einzelner Projektor rund 6.000 Euro kostet, liegt der Preis für die benötigte Hardware bei etwa 12.000 Euro. Hinzu kommen Spezialoptik, Installation und ein entsprechend hoher Energieverbrauch. Damit richtet sich das Konzept eindeutig an ein kleines Luxussegment.
Kleinere chinesische Hersteller zeigten bei Tablets und Windows-Notebooks hingegen eine andere Variante. Kameras erfassen die Position der Augen und passen den brillenlosen 3D-Effekt dynamisch an. Das Prinzip erinnert an den Nintendo 3DS, erweitert dessen Ansatz aber um modernes Eye-Tracking.
Der Nachteil bleibt der begrenzte Nutzungsbereich. Die Technik funktioniert nur für eine einzelne Person und innerhalb eines relativ kurzen Abstandes zum Bildschirm.
Passend zum Thema: Die beste Alternative zu großen Fernsehern sind solche, die gar keinen Bildschirm besitzen
Die Hardware ist weiter als der Content
Das größte Problem einer möglichen 3D-Renaissance bleibt die Verfügbarkeit von Inhalten. Neue 3D-Filme erscheinen für den Heimmarkt nur noch selten. Die vorhandenen Produktionen sind überwiegend auf Blu-Ray verfügbar und basieren auf Full-HD-Auflösung.
Gerade auf modernen Großbildsystemen ist das ein erheblicher Flaschenhals. Ein Fernseher oder Projektor kann ein hochauflösendes und detailreiches Bild erzeugen, das verfügbare stereoskopische Quellmaterial nutzt dieses Potenzial jedoch kaum.
Ein 4K-3D-Standard für physische Medien oder Streaming existiert bislang nicht. Einige Anbieter setzen deshalb auf künstliche 2D-zu-3D-Konvertierung, teilweise mit KI-Unterstützung. Dabei werden Tiefeninformationen berechnet und zweidimensionale Bilder künstlich räumlich erweitert.
Videospiele könnten langfristig eine weitere Chance für 3D darstellen. Anders als bei Filmen existieren die räumlichen Informationen innerhalb moderner Spiel-Engines bereits. Stereoskopisches Rendering lässt sich deshalb grundsätzlich einfacher umsetzen, sofern Entwickler und Plattformbetreiber entsprechende Unterstützung anbieten. Ob 3D wirklich den Sprung zurück ins Wohnzimmer schafft, bleibt dennoch fraglich.


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